21.02.2019 15:00 |

Posse in Wien

Wer zu schnell fährt, wird kein Österreicher?

Nein, es ist kein Faschingsscherz: Weil ein junger Installateur mit Geburtsland Kamerun dreimal den 80er auf der Stadtautobahn in Wien zwischen acht und 21 km/h überschritt und einmal beim Telefonieren am Steuer erwischt wurde, verwehrte der Magistrat dem 26-Jährigen die österreichische Staatsbürgerschaft - weil er eine potentielle Gefahr für die Öffentlichkeit darstelle. Doch der gut integrierte Vater einer kleinen Tochter gab nicht auf, das Verwaltungsgericht gab ihm schließlich recht.

Reagan E. ist 2004 von Kamerun nach Österreich gekommen, nachdem seine Mama hier geheiratet hatte. Seinem Asylantrag wurde stattgegeben. Der ehrgeizige Sohn absolvierte die Sportmittelschule in Simmering und legte in der Folge drei Lehrabschlüsse im Bereich Installation und Gebäudetechnik ab. Derzeit besucht er neben einem Vollzeitjob die Werkmeisterschule.

Gefahr für öffentliche Sicherheit?
Mit seinem Gehalt zählt Herr E. auch nicht zu den Sozialfällen. Er kümmert sich liebevoll um seine vierjährige Tochter. Im Jahr 2013 beantragte er dann die österreichische Staatsbürgerschaft - Anfang Jänner 2018 wurde der Antrag jedoch abgelehnt. Wegen Schnellfahrens hatte die MA 35 Bedenken: „Aus diesem Gesamtverhalten des Antragsstellers lässt sich daher nicht schließen, dass dieser für die öffentliche Sicherheit keine Gefahr darstellt.“

26-Jähriger: „Es lässt sich leider nicht mehr rückgängig machen“
„Die Verwaltungsübertretungen wie in ihrem Bescheid angeführt, bedauere ich sehr. Es lässt sich leider nicht mehr rückgängig machen, man wird nur klüger dadurch und vermeidet in Zukunft die Vergehen. Es liegt mir fern, dass ich jemanden durch mein Verhalten gefährde. So wie ich nicht möchte, dass mir jemand etwas antut, so möchte ich es andersrum auch nicht“, bat der 26-Jährige in einem Schreiben an die MA 35 um eine zweite Chance.

Der Fall kam schließlich vor das Verwaltungsgericht Wien. Und dieses gab der Beschwerde des 26-Jährigen im Dezember vergangenen Jahres statt. Am 8. Jänner dieses Jahres erhielt Reagan E. die österreichische Staatsbürgerschaft.

Martina Münzer, Kronen Zeitung/krone.at

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