20.02.2019 06:00 |

Debatte um Karfreitag

Grüner schießt mit Jesus-Witz übers Ziel hinaus!

„Am Karfreitag um 15 Uhr ist Jesus am Kreuz vor Lachen gestorben“: Mit diesen fragwürdigen Worten hat der Tiroler Grünen-Politiker Gebi Mair über den fixierten Kompromiss der türkis-blauen Regierung zum Karfreitag - der wie berichtet schon ab dem heurigen Jahr ein halber freier Tag für alle wird - gespottet. Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger warf dem Grünen daraufhin Blasphemie vor. Eines wird dabei schnell deutlich: Die neue Regelung zum Karfreitag lässt niemanden im Land kalt. Was Türkis-Blau bei ihrer Einigung noch ausgeklammert hat, wer profitiert und wie es nun weitergeht, lesen Sie im „Krone“-Überblick.

Kritik an dem Feiertagskompromiss kommt de facto aus allen Ecken. Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Opposition üben scharfe Kritik. SPÖ, AK und ÖG meinen, dass Türkis-Blau das Versprechen gegenüber den Protestanten, ihnen keinen Feiertag wegzunehmen, gebrochen habe. Die NEOS spotten über die „österreichische Lösung“ eine halben Feiertags. Bischof Johannes Bünker, Oberhaupt der Protestanten, ist „enttäuscht“ und fragt sich, „ob ein Feiertag ab 14 Uhr diese Bezeichnung überhaupt verdient“. Auch die Wirtschaft ist skeptisch.

Über das Ziel hinausgeschossen ist mit seiner Kritik jedoch der Klubobmann der Grünen im Tiroler Landtag, Gebi Mair. Sprach Mair in einer ersten Reaktion im Zusammenhang mit der Karfreitagslösung auf Twitter noch von einem „Joke“, machte er sich wenig später in einem weiteren Tweet über Jesus lustig.

Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger warf dem Grünen daraufhin Blasphemie, also Gotteslästerung, vor. Er erwartet sich eine Entschuldigung von Mair. Selbst den immerhin rund 3000 Followern des Grünen-Politikers in dem Kurznachrichtendienst dürfte Mairs Jesus-Witz nicht besonders gefallen haben, er kassierte dafür bislang lediglich eine Handvoll Likes.

Was genau sieht der türkis-blaue Kompromiss nun vor?
Die Bundesregierung stand nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jänner, wonach Protestanten und Altkatholiken am Karfreitag nicht mehr bevorzugt werden dürfen, vor der Frage: Streicht man einen Feiertag oder erkennt man ihn gleich allen zu? Man entschied sich für eine Mischung aus beidem: Schon ab dem heurigen Karfreitag, er fällt auf den 19. April, ist der Nachmittag für alle frei. Wer an diesem „Halbfeiertag“ dennoch normal arbeitet, bekommt für die Stunden nach 14 Uhr Feiertagszuschläge.

Wer sind die Profiteure? Wem schadet die Lösung?
Schlechter als bisher steigen eigentlich nur Protestanten und Altkatholiken aus. Für sie war der Karfreitag bisher ein ganzer Feiertag - nun ist es nur mehr ein halber. In Österreich leben rund 300.000 Evangelische, betroffen sind also weniger als vier Prozent der Bevölkerung. Die Besserstellung hingegen betrifft einen ungleich größeren Anteil der Bevölkerung: Rund 40 Prozent der Beschäftigten mussten auch bisher am Nachmittag des Karfreitags nicht arbeiten - all jene, für die dies bisher nicht galt, bekommen von der Politik nun ein Zuckerl in Gestalt eines freien Nachmittags.

Wie viel kostet das Ganze die Wirtschaft?
Laut Karl-Heinz Kopf, dem Generalsekretär der Wirtschaftskammer, bedeutet der „Halb-Feiertag“ eine jährliche Mehrbelastung für die Wirtschaft von rund 200 Millionen Euro, das Wirtschaftsforschungsinstitut rechnet mit weniger als 100 Millionen Euro pro Jahr.

Was bedeutet das eigentlich für Teilzeitangestellte?
Profitieren wird laut Verhandlern der Regelung nur, wer auch regulär an Freitagnachmittagen arbeiten müsste. Teilzeitkräfte, die nur vormittags arbeiten, sind von der türkis-blauen Maßnahme nicht betroffen.

Was bedeutet das für anderer Feiertage?
Noch nichts, denn vergleichbare Feiertage wie das jüdische Versöhnungsfest Jom Kippur hat Türkis-Blau noch völlig ausgeklammert. Dabei erklärte Europarechtsexperte Walter Obwexer der „Krone“, dass auch bei diesem Feiertag die im Generalkollektivvertrag vorgesehene Besserstellung einer Religionsgruppe eigentlich rechtswidrig ist. Aus den Regierungsparteien heißt es, dass man das gelassen sehe und allenfalls auf eine weitere Höchstgerichtsentscheidung zu einem Feiertag warten müsse.

Wie gehts jetzt weiter?
ÖVP und FPÖ basteln an letzten Details, im Februar wird das Gesetz beschlossen, der Segen der Opposition ist dafür nicht notwendig.

Kronen Zeitung/krone.at

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