18.02.2019 12:32 |

Wegen Steuermilliarden

Brexit-Fan: Reichster Brite flüchtet nach Monaco

Die (superreichen) Ratten verlassen das sinkende Schiff: Das dürften sich viele Briten angesichts der aktuellen Entwicklungen in ihrem Bald-Nicht-Mehr-EU-Land denken. Jetzt wurde nämlich öffentlich, dass Großbritanniens reichster Bürger, der glühende Brexit-Befürworter Sir Jim Ratcliffe, seinen Wohnsitz von der britischen Insel ins schöne Monaco verlegen wird - um sich umgerechnet bis zu 4,5 Milliarden Euro an Steuern zu ersparen!

Erst vor wenigen Wochen hatte ein prominentes Brexit-Aushängeschild, der Milliardär und Chef des nach ihm benannten Staubsaugerherstellers Dyson, James Dyson, einen Shitstorm ausgelöst, als bekannt wurde, dass er die Zentrale seines Unternehmens nach Singapur verlegt.

„Bürger mit Fürsprache für ,No-Deal-Brexit‘ verraten“
Dyson erntete für den Schritt angesichts seiner Brexit-Fürsprache umgehend massive Kritik. Politiker warfen dem reichen Briten vor, all jene Menschen verraten zu haben, die ihm als britischem Unternehmer, der sich für den „No-Deal-Brexit“ eingesetzt hat, geglaubt haben. Offiziell wurde die Verlegung der Firmenzentrale kleinlaut mit der zunehmenden Bedeutung des Asien-Geschäfts begründet.

Jetzt sorgt der nächste superreiche Brite, der ebenfalls als glühender Brexit-Befürworter gilt, für Empörung bei seinen Mitbürgern: Großbritanniens reichster Mann, Sir Jim Ratcliffe, wird das Land voraussichtlich verlassen, um Steuern in der Höhe von bis zu 4,5 Milliarden Euro zu vermeiden, vermeldeten britische Medien am Sonntag. Bei der „Daily Mail“ wurde der Bericht mit Bildern eines der gewaltigen Anwesen des Milliardärs und seiner Superjacht bebildert.

Milliardär zieht es nach Monaco
Ratcliffe hat ein geschätztes Vermögen von rund 24 Milliarden Euro, das er als Vorsitzender und Chief Executive Officer des Chemiekonzerns Ineos, den er 1998 gründete, erworben hat. Der bekannte „Brexiteer“, wie die Befürworter des EU-Ausstiegs in Großbritannien genannt werden, soll die internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers beauftragt haben, ihn dabei zu unterstützen, nach Monaco zu ziehen - ein weltweit bekanntes Steuerparadies.

Laut der „Sunday Times“ könnte Radcliffes Plan zur Steuervermeidung neben einer Übersiedlung nach Monaco auch die legale Aufteilung von Milliardengeldern zwischen sich und seinen beiden leitenden Angestellten beinhalten. Dadurch würden dem Finanzministerium jährlich insgesamt zwischen 450 Millionen und 4,5 Milliarden Euro entgehen, rechnete die „Times“ vor.

Ratcliffe in Brief an Juncker: „EU nicht mehr wettbewerbsfähig“
Zuletzt hatte Ratcliffe die EU wegen ihrer „dummen“ grünen Steuern kritisiert, die die chemische Industrie in Europa ersticken würden. In einem offenen Brief an den Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, warnte Ratcliffe, Europa sei „nicht mehr wettbewerbsfähig“, weil die Energie- und Arbeitsgesetze die teuersten der Welt seien.

Ein Großbritannien nach dem Brexit scheint für den Milliardär und Austrittsbefürworter aber auch keine bessere Alternative darzustellen, wie die nun öffentlich gewordenen Umzugspläne zwecks Steuervermeidung deutlich machen. Ratcliffes Unternehmen erzielte zuletzt einen jährlichen Umsatz von rund 51 Milliarden Euro und beschäftigt 18.500 Mitarbeiter. Ineos-Produkte werden unter anderem zur Herstellung von Zahnpasta und Antibiotika und für sauberes Wasser verwendet.

„Die Gier scheint keine Grenzen zu kennen“
„Die Gier dieser superreichen Steuervermeider scheint keine Grenzen zu kennen“, kritisierte John McDonnell, der Schattenkanzler der oppositionellen Labour Party, Ratcliffs Monaco-Pläne aufs Schärfste. „Wissen sie nicht, dass jeder Penny, den sie in ihren Steueroasen verstecken, ein Penny ist, der nicht für unser NHS (der staatliche Gesundheitsversorger; Anm.) ausgegeben wird, um die Kranken zu behandeln, oder für soziale Fürsorge, die sich um unsere einsamen, isolierten älteren Menschen kümmert oder für die Ausbildung unserer Kinder?“

Harald Dragan
Harald Dragan
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