Di, 19. März 2019
16.02.2019 19:48

Kranke Slalom-Queen

Shiffrin: „Reiß dich für 60 Sekunden zusammen“

Im Slalom macht ihr einfach so schnell keine was nach - egal, wie groß der Rückstand ist und auch wenn sie kaum Luft bekommt, im Stangenwald holt Mikaela Shiffrin immer noch das letzte bisschen Kraft zum großen Glück heraus! Am Samstag in Aare bedeutete dies die vierte Goldmedaille bei Weltmeisterschaften en suite in einer Disziplin - das hat vor ihr noch niemand geschafft!

Nach Gold im Super-G und Bronze im Riesentorlauf war es das dritte Edelmetall für die 23-Jährige auf dem Aareskutan. Auf dem Weg dahin war sie am Samstag wegen einer Erkrankung von Zweifeln geplagt. Sie sah die anderen Läuferinnen und fragte sich, wie sie selbst das schaffen soll. „Ich wusste nicht, wie viel ich noch geben kann. Es war im ersten nicht genug. Ich musste diese Zweifel hinter mir lassen, mein Team, meine Coaches haben mir so viel geholfen. Die Realität ist, dass du für sechzig Sekunden pushen musst. Alles andere zählt nicht, reiß dich für sechzig Sekunden zusammen, dann bist du fertig.“ Sie sei gefahren, aber es habe sich beinahe so angefühlt, als hätten die anderen das für sie getan.

Ihre Ausführungen in der Pressekonferenz musste Shiffrin immer wieder wegen Husten unterbrechen, die Stimme klang krächzend, brach weg, da half dann nur noch ein Hustenzuckerl. „Ich habe ein Problem, vielleicht eine kleine Infektion in der Lunge, ich musste dauernd husten und habe kaum Luft in meinen Körper bekommen“, schilderte die US-Amerikanerin ihren Tag. „Aber wie gesagt, es ging um die sechzig Sekunden. Ich hatte genug Energie dafür. Mein Skifahren war vielleicht sogar besser, als ich es zeigen hätte können, wenn ich gesund gewesen wäre. Ich denke, diese Krankheit hat mich von allen Dingen abgelenkt, die mich nervös machen hätten können. Ich war nicht nervös, ich habe mich nur den ganzen Tag nicht gut gefühlt.“ Aber alle Läuferinnen hätten Stress, Krankheiten oder Verletzungen, niemand habe einen perfekten Tag.

An ihren Finallauf kann sie sich nicht mehr erinnern, nur noch daran, alles gegeben zu haben. Sie wollte im Zielraum auch nicht so lange im Schnee liegenbleiben, wollte der hinter ihr fahrenden Halbzeit-Zweiten Anna Swenn-Larsson zusehen. „Es ist respektlos, am Boden zu liegen, während sie fährt. Ich habe mir gesagt: ‘Steh auf, steh auf!‘, aber ich konnte nicht atmen.“ Es sei so speziell gewesen, das Publikum zu hören, das der Schwedin zujubelte. „Sie wollten, dass sie eine Medaille gewinnt. Wir alle, sie ist so nett und eine wunderbare Skifahrerin.“ Schließlich flossen auch bei Shiffrin die Tränen. „Es war ein so emotionaler Tag, ich bin mir nicht sicher, warum ich so viel mehr geweint habe, als ich es normalerweise tue, das ist ein bisschen peinlich. Es gibt viele Gründe für die Emotionen, ich kann nicht alles erklären.“ Es sei einer der süßesten Siege, weil wirklich eine große Anstrengung dahintersteckte.

An Aare wird sich Shiffrin gerne zurückerinnern, auch wenn die Rennen von den Bedingungen her schwierig gewesen wären. „Wir hatten dieses Appartement am See, es war so gemütlich, ich habe mich wie daheim gefühlt. Ich habe immer gut geschlafen. An einigen Morgen bin ich beim Frühstück gesessen, und die Sonne ging über dem See auf und hat in den Raum gescheint. Da dachte ich mir, das ist so ein netter Platz. Ich erinnere mich nicht, dass ich dieses Gefühl schon einmal bei einem Großereignis gehabt habe.“

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