25.01.2019 10:38 |

51 Prozent weniger

Große Gehaltsverluste für Mütter in Österreich

Eine aktuelle Studie macht deutlich: Frauen in Österreich erleiden bei der Rückkehr in die Arbeitswelt nach der Geburt eines Kindes besonders dramatische Einkommenseinbußen. In Österreich ist dieser Nachteil im Vergleich zu skandinavischen und englischsprachigen Staaten besonders groß, wie sich in der internationalen Studie zeigt. Über zehn Jahre betrachtet haben Frauen hierzulande um 51 Prozent weniger Einkommen als vor der Geburt.

Henrik Kleven von der Princeton University und Forscherkollegen unter anderem an der Universität Zürich haben sich die Auswirkung der Geburt auf die Einkommen von Frauen und Männer in sechs Ländern angesehen. Untersucht wurden Dänemark und Schweden, Deutschland und Österreich sowie Großbritannien und die USA.

In einer Studie in Dänemark habe sich zunächst gezeigt, dass sich Elternschaft langfristig mit Einkommenseinbußen in der Höhe von 20 Prozent auswirkt. Untersuchungen in anderen Ländern zeigen, dass dieses Phänomen überall besteht - denn während sich vor der Kindesgeburt die Einkommen beider Geschlechter gleich entwickeln, geht die Schere nach dem ersten Kind auseinander. Beim Ausmaß dieses Nachteils gibt es im Vergleich der Länder allerdings eklatante Differenzen.

Frauen erleben nach der Geburt des ersten Kindes einen sofortigen, großen und vor allem nachhaltigen Rückgang des Einkommens. Und die Auswirkungen sind auch zehn Jahre später noch sichtbar. Männereinkommen sind hingegen im Wesentlichen nicht betroffen.

Nur in Deutschland ist Nachteil noch größer
Die Forscher drücken den langfristigen Einkommensnachteil nach der Geburt eines Kindes in Prozent relativ zum Einkommen im Jahr vor der Geburt des ersten Kindes aus, erklärte Josef Zweimüller von der Universität Zürich. In den skandinavischen Ländern beträgt dieser langfristig etwa 20 bis 30 Prozent, in den englischsprachigen ungefähr 40 Prozent. In Österreich sind es 51 Prozent und in Deutschland 61.

Steuern, Transferleistungen und familienpolitische Maßnahmen wie Karenz und Kinderbetreuung haben unmittelbar Einfluss auf die Motivation von Müttern, arbeiten zu gehen. Es zeigte sich jedoch, dass Karenzdauer und Kinderbetreuungsangebot langfristig einen recht kleinen Effekt auf die Einkommensnachteile haben. Kurzfristig ist dies allerdings der Fall.

Konservative Rollenverteilung mitverantwortlich für Unterschiede
Ein Grund für die Unterschiede sei wohl in den gesellschaftlichen Normen zu finden. In Ländern mit großen Nachteilen aufgrund der Elternschaft gibt es auch eine konservative Rollenverteilung der Geschlechter, so die Studienautoren.

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