Menschliches Verhalten

Soziales Lernen: Hunde kopieren sinnlose Aktionen

Wissenschaft
21.12.2018 13:52

Laut gängiger Lehrmeinung ist Überimitation - eine besondere Form des sozialen Lernens, bei dem auch kausal irrelevante Handlungen getreu kopiert werden - eine ausschließlich menschliche Eigenschaft ist. Selbst Primaten kennen diese Art des sozialen Lernens nicht. Eine Studie von Forschern an der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmeduni) Wien mit Hunden könnte diese Annahme aber nun ins Wanken bringen.

Unter Überimitation versteht man eine Art starren Nachahmungsautomatismus, bei dem etwa Kinder Erwachsenen auch teils unsinnige Handlungen nachmachen. Im Rahmen einer bekannten Studie ließen Psychologen etwa drei- bis fünfjährige Kinder beobachten, wie Erwachsene eine Spielzeug-Dinosaurierfigur aus einer durchsichtigen Plastikschachtel herausholten. Dabei berührten sie zum Beispiel den Deckel der Schachtel vor dem Öffnen mit einer Feder bzw. führten zuvor andere sinnlose Rituale durch. Obwohl den Kinder dabei auch erklärt wird, dass dies überflüssig war, ahmten die Kinder nach einer erneuten Demonstration genau dieses Verhalten nach, als sie selbst Spielzeug aus ähnlichen Plastikbehältern holen sollten.

Hunde sind gute Beobachter, sozial lernfähig und zeigen sogar Ansätze zur sogenannten Überimitation. (Bild: Vetmeduni Vienna/Thomas Suchanek)
Hunde sind gute Beobachter, sozial lernfähig und zeigen sogar Ansätze zur sogenannten Überimitation.

Bisher kein Nachweis von Überimitation bei Tieren
Bei Tieren konnte Überimitation bisher nicht nachgewiesen werden - nicht einmal bei Menschenaffen. „Da diese eigentümliche Form der Nachahmung beim Menschen stark durch soziale Faktoren wie Zugehörigkeit oder Konformität motiviert ist, stellten wir die Hypothese auf, dass domestizierte und kultivierte Hunde häufiger als Affen solche Handlungen kopieren, insbesondere wenn dies von ihren Betreuern gezeigt wird“, so Ludwig Huber, der Leiter der Abteilung für Vergleichende Kognitionsforschung am Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni.

Bei Versuchen mit insgesamt 60 Hunden wiederholte tatsächlich die Hälfte der Vierbeiner eine kausal irrelevante Aktion, die von ihrer Bezugsperson gezeigt wurde. Die gleiche Anzahl tat dies, unabhängig davon, ob dies vor oder nach einer kausal relevanten funktionellen Handlung geschah. In Summe zeigten die Hunde dabei ein mittleres Maß an Überimitation.

(Bild: stock.adobe.com, krone.at-Grafik)

Gründe für Kopieren noch nicht geklärt
„Ähnlich wie bei Kindern scheint das Lernen von Hunden und das Kopieren ihrer Bezugspersonen ein tief greifender sozialer Prozess zu sein“, erklärte Huber die Hintergründe. Warum allerdings auch Überimitation auftritt, ist nicht geklärt. Ein Erklärungsmodell geht den Forschern zufolge davon aus, dass Kinder glauben, von Erwachsenen absichtlich gezeigte, nichtkausale Handlungen seien irgendwie doch notwendig, um ein Ziel zu erreichen. Eine andere Erklärung besteht darin, dass Kinder durch die wenn auch sinnlose Nachahmung eine soziale Bindung mit der imitierten Person aufbauen wollen.

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