22.10.2018 14:41 |

Im Brennpunkt

Wenn das Elterntaxi zur Gefahr wird

Kinder bequem mit dem Auto vor der Schule absetzen: Viele Eltern spielen täglich schon in der Früh Taxi für ihre Liebsten - und sorgen durch Unachtsamkeit für viele Probleme ...

Oft wird die Straße verparkt. Kinder, die zu Fuß gehen, müssen sich zwischen den wartenden Autos durchschlängeln. Dabei entstehen auch durchaus gefährliche Situationen„, berichtet eine Direktorin aus Niederösterreich. Regelmäßig kommt es vor der Ganztagsschule zu Staus, die Abholer blockieren Zufahrten, rollen in die Fußgängerzone. “Wir bitten jedes Jahr zu Schulbeginn die Eltern, die vorhandenen Kiss & Go-Plätze zu nützen, doch nicht alle nehmen dies an„, bedauert sie.

Kurz anhalten, Kofferraum auf, Schultasche rausnehmen, noch ein kurzer Gruß an die Kleinen, bevor diese in die Schule huschen, um fleißig zu lernen: Raja Aurangzeb aus Wien liefert seine Kinder täglich in der Schule ab. „Es geht einfach in einem, wenn ich in die Arbeit fahre. Dass seine Töchter mit den Öffis fahren, kommt nicht in Frage: “Gerade meine Kleine traut sich das selbst noch nicht zu", weiß er.

Straßensperren gegen rücksichtslose Eltern
In vielen Städten und Orten Österreichs wurden in den vergangenen Jahren bereits Maßnahmen ergriffen, um den täglichen Verkehr vor den Schulen einzudämmen. Zuletzt wurde etwa in Wien-Leopoldstadt ein Pilotprojekt gestartet: Eine halbe Stunde rund um den Unterrichtsbeginn wird die Straße gesperrt.

Auch in der Stadt Salzburg griff man gegen Elterntaxis durch. Vor mittlerweile sechs Volksschulen gibt es Sperren. “Die Rückmeldungen von den Direktoren sind sehr gut“, heißt es aus dem zuständigen Büro von Stadt-Vize Bernhard Auinger (SPÖ): “Wenn es wieder zu Vorfällen kommt, nehmen wir Kontakt zur Polizei auf, die dann wieder stärker Präsenz zeigt.„ Am Beginn der Maßnahmen haben Eltern die aufgestellten Absperrgitter zum Teil verräumt.

Kinder erziehen zu mehr Selbstständigkeit
Laut Statistik Austria passierten im vergangenen Jahr 498 Unfälle auf dem Schulweg, 509 Kinder wurden verletzt. Dass den Liebsten etwas passiert - eine Horrorvorstellung. “Die Angst steigt. Viele Eltern denken, die Kinder kommen nur sicher an, wenn sie hingefahren werden„, weiß Sabine Kaulich, vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Dass die Erwachsenen selbst für brenzlige Situationen sorgen, wird nicht wahrgenommen.

Natürlich gibt es auch viele positive Beispiele für Zu-Fuß-Geher, oft werden Gruppen gebildet, um gemeinsam den Schulweg zu absolvieren. Für Elisabeth Hödlmoser aus Bischofshofen kommt es etwa nicht in Frage, ihre Kinder in die Schule zu kutschieren: “Sie gehen bis zur nächsten Haltestelle und fahren dann mit dem Bus.„

Wenn der Unterricht endet und die Schüler länger auf die Rückfahrt warten müssen, spazieren sie zu Fuß über zwei Kilometer Waldweg zum elterlichen Haus. “Wenn mein Mann in die Arbeit fährt, könnte er die Kinder mitnehmen. Aber es schadet ihnen nicht, wenn sie zu Fuß gehen. Es ist gut für die Selbstständigkeit, sie treffen sich mit Freunden. Ich habe volles Vertrauen in meine Kinder. Wenn etwas ausgemacht wird, dann halten sie sich auch daran."

Iris Wind, Kronen Zeitung

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