22.10.2018 16:35 |

Tränen durch Facebook

Baby-Reklame verfolgt junge Frau nach Fehlgeburt

Personalisierte Reklame auf Facebook ist ein Milliardengeschäft. Doch sie kann auch dramatisch nach hinten losgehen. Das berichtet Anna England Kerr, eine junge Frau aus Großbritannien, die im Juni eine Fehlgeburt erlitten hat und von Facebook seither mit Reklame für Babyprodukte bombardiert wird. In einem offenen Brief lässt sie das soziale Netzwerk wissen: „Mein Baby ist gestorben. Ich werde keine Babysachen kaufen.“ Facebook spricht in einer Reaktion von einem „Bug“.

„Meine Tochter Clara wurde im Juni dieses Jahres tot geboren“, schreibt die junge Frau in ihrem Blog, in dem sie die Geschehnisse aufarbeitet. Es sei per se schon ein schlimmes Erlebnis gewesen. Was sie in den Monaten danach auf Facebook sehen musste, habe es allerdings noch weit schlimmer gemacht. „Mein Feed war voll mit Werbung für Babysachen. Ich konnte kaum ein Stück scrollen, ohne in Tränen auszubrechen“, kreidet Kerr an.

Der Hintergrund: Während ihrer Schwangerschaft hat sie auf Facebook über selbige gesprochen und auch immer wieder auf zum Thema passende Werbeanzeigen geklickt. Das hat den Facebook-Algorithmus wiederum darauf trainiert, ihr Werbung für Babysachen zu zeigen. Als Töchterchen Clara tot zur Welt kam, hat sich daran allerdings nichts geändert. Sie habe sich durch die Werbung regelrecht verspottet gefühlt, klagt Kerr gegenüber der britischen TV-Anstalt BBC.

Baby-Werbung verfolgte Kerr monatelang
Leider blieben sämtliche Versuche von Kerr, die Flut der Baby-Werbung einzudämmen, ohne Erfolg. Sie versuchte es über die Facebook-Werbeeinstellungen, wo sie einen einjährigen Stopp für Baby-Reklame in die Wege leitete. Sie versuchte es, indem sie bei Baby-Werbung per Klick mitteilte, dass sie „keine Relevanz“ für sie hätte. Und sie versuchte sogar durch den Klick auf Reklame aus ganz anderen Kategorien, die Babysachen-Werbung loszuwerden. Nichts davon nutzte etwas.

Erst als sich Kerr an die Medien wandte, kam Bewegung in die Sache. Laut „Business Insider“ wandte sich Facebook-Managerin Nicola Mendelsohn an Kerr und entschuldigte sich für die Vorgänge. Der Facebook-Managerin zufolge sei die Babysachen-Reklame in Kerrs Newsfeed die traurige Folge eines Softwarefehlers. „Wir haben einen Bug und einen Fehler in unseren Modellen des maschinellen Lernens entdeckt“, sagt Mendelsohn. Der Bug sei nun behoben und die Baby-Reklame sollte bald verschwinden, heißt es von Facebook. Am Freitag sah die junge Frau allerdings auch nach dem Bugfix noch die mittlerweile so verhasste Reklame.

„Ich bin nicht die einzige, der das passiert“
Facebooks Entschuldigung weiß Kerr dennoch zu schätzen. „Firmen werden immer härter, wenn sie wachsen, da kommt es selten vor, dass jemand anruft, um sich zu entschuldigen. Das weiß ich zu schätzen“, sagt Kerr. Dennoch hätte sie sich eine unkompliziertere Möglichkeit als den offenen Brief und den Gang an die Öffentlichkeit gewünscht, um auf ihr Problem hinzuweisen. „Ich bin nicht die einzige, der das passiert. Ich habe meine Erfahrungen in anderen Gruppen geteilt und viele Leute haben geantwortet, dass es ihnen genauso ergangen ist“, sagt Kerr.

Kerr lässt Facebook abschließend ausrichten: „Es ist mir recht, wenn Sie meine Daten benutzen. Solange Sie sie nicht benutzen, um mich zum Weinen zu bringen.“

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Newsletter