16.12.2009 12:48 |

Neue Anlage in Wien

Campus der Kultusgemeinde feierlich eröffnet

Seit Dienstag ist der neue Campus der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in Wien-Leopoldstadt offiziell in Betrieb. Teil der Anlage ist das Maimonides-Zentrums, ein Senioren- und Pflegeheim, welches das bisherige IKG-Heim ersetzt. "Heute ist wirklich ein schöner Tag", sagte Bundespräsident Heinz Fischer bei seiner Ansprache: "Dieses Zentrum soll Menschen, denen schreckliche Dinge angetan wurden, einen Lebensabend in Geborgenheit ermöglichen."

Auch wenn man das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen könne, sei es nie zu spät, die Verantwortung aus der Geschichte zu übernehmen und zu versuchen, entstandenes Leid zu lindern, so Fischer. "Nach einer mühevollen, oft unbeschreiblichen Lebensreise finden sie hier einen sicheren Hafen, in dem sie sich geborgen fühlen können", sagte der Bundespräsident an die Holocaust-Überlebenden gerichtet.

Österreich habe durch die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung einen wichtigen Teil seiner Identität verloren, bedauerte der Bundespräsident. "Und Österreich hat sich sehr lange den dunklen Seiten seiner Vergangenheit nicht oder nur zögerlich gestellt." Umso wichtiger sei, dass mit dem neuen IKG-Campus ein Ort geschaffen worden sei, bei dem Vergangenheit auf Zukunft treffe.

Kritik an Restitutionspolitik
Dabei gebe es vermutlich keine bessere Zeit, um ein derartiges Haus einzuweihen als das derzeitige Chanukkafest, beschied IKG-Präsident Ariel Muzicant beim Festakt, zu dem Medizin-Nobelpreisträger Eric Kandel ebenso wie Filmproduzent Eric Pleskow eine Grußbotschaft gestellt hatte. Pleskow zeigte sich dabei äußerst kritisch bezüglich der österreichischen Restitutionspolitik. Andere Länder hätten schon längst eine ordentliche Restitution hinter sich gebracht, was Österreich immer noch vor sich herwälze, kritisierte er. Jeder Schritt müsse jahrelang diskutiert werden, anstatt schnell die Dinge möglichst gut zu regeln.

Neben dem Maimonides-Zentrum sind am Campus auch die Zwie-Perez-Chajes-Schule samt Kindergarten sowie das Hakoah Sport-und Freizeitzentrum angesiedelt, wobei die beiden letzten Einrichtungen bereits 2008 eröffnet wurden.

Thematisch stand der Abend vornehmlich unter dem Philosophieren über den letzten Lebensabschnitt. So präsentierten Muzicant und Schauspieler Peter Matic unter dem Titel "Zauber des Alters" Gedichte, Essays und Filmausschnitte, so aus der Dokumentation "Young@Heart" über die gleichnamige britische Seniorenrockgruppe. Schließlich sei das Maimonides-Zentrum kein 08/15-Heim geworden, unterstrich Muicant, sondern eine Anlage mit jener Wärme und jenem Touch, den ein jüdisches Pflegeheim auszeichne.

Finanziellen Kraftakt bewältigt
Zugleich sei die Eröffnung der gesamten Campusanlage in der Leopoldstadt für die Kultusgemeinde ein finanzieller Kraftakt gewesen, unterstrich Muzicant, bevor ein Ausschnitt aus der Komödie "Jetzt oder nie - Zeit ist Geld" über ein Trio von Senioren-Bankräuberinnen zugespielt wurde. 30 Millionen Euro der Gesamtkosten wurden von der IKG selbst gestellt, derselbe Betrag wurde durch die Aufnahme geförderter Kredite beglichen. Weitere 27 Millionen Euro kommen aus Fördertöpfen etwa der Stadt und diverser Ministerien, 4,5 Millionen Euro konnten durch Mitgliederspenden aufgetrieben werden. Es fehle nach wie vor ein Betrag von 1,5 Millione Euro, so Muzicant.

Der Campusstandort geht auf die einstigen Anlagen des jüdischen Sportvereins Hakoah zurück, die unter der NS-Herrschaft enteignet wurden. Die betroffenen Flächen bekam Hakoah erst 2002 zurück, auf Basis des "Washingtoner Abkommens" zur Entschädigung für den Vermögensraub durch die Nationalsozialisten. Zusätzlich benötigtes Areal wurde von der IKG nachträglich zugekauft.

Dienstag, 25. Februar 2020
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