So, 23. September 2018

Nach blutigen Tumulten

12.08.2018 11:08

Erneut 50.000 Menschen in Bukarest auf der Straße

Trotz des brutalen Polizeieinsatzes am Vorabend gegen die Großdemonstration von Auslandsrumänen sind in Bukarest auch am Samstag Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie forderten den sofortigen Rücktritt der Regierung unter Ministerpräsidentin Vasilica Viorica Dancila sowie umgehende Neuwahlen.

In Bukarest demonstrierten rund 50.000 Menschen vor dem Regierungssitz. Die Aktivisten riefen „Rücktritt“, „Ihr habt die rote Linie überschritten“, „Schande“, „Wir sind das Volk“, „Weg mit Mafia-Regierung“, „Ohne Straftäter in hohen Ämtern“, „Hände weg von der Justiz“, und „Wir geben nicht auf“. Neben Regierungschefin Dancila ist auch der wegen Korruption vorbestrafte Parteichef ihrer postsozialistischen Partei PSD, Liviu Dragnea, im Visier der Demonstranten, die sich für eine bessere Korruptionsbekämpfung in ihrem Land einsetzen.

Angesichts des massiven Einsatzes von Tränengas am Vorabend traf ein Großteil der Demonstranten vorsorglich mit Atemschutzmasken ein, mit deren Hilfe sie auch der Regierungschefin eine Botschaft übermittelten: Auf eine riesige Rumänien-Fahne schrieben sie mit Atemschutzmasken „Rücktritt“. Die Polizei war mit einem noch größeren Aufgebot als am Vorabend anwesend, sah diesmal jedoch von Gewalt gegen die Demonstranten ab.

Auch in anderen Großstädten Zehntausende auf der Straße
Auch in anderen Großstädten - Timisoara, Sibiu, Cluj, Iasi und Brasov - gingen Zehntausende Menschen auf die Straße, viele erklärten sich „schockiert und bis ins Mark getroffen“ von der Polizeigewalt gegen die Bukarester Demonstranten.

Die Hartnäckigkeit der Protestierenden sorgte jedenfalls für Kritik seitens der regierenden Postsozialisten. Die Demonstranten seien gut beraten, „nicht länger zu provozieren, sonst kommen wir mit einer Million Anhängern und zertreten euch“, drohte der PSD-Abgeordnete Catalin Radulescu, der schon im Vorjahr angedroht hatte, alle Regierungskritiker mit seinem Sturmgewehr zu erschießen.

Innenministerin: Polizei ist „vorbildlich“ vorgegangen
Die schwer in die Kritik geratene Innenministerin Carmen Dan (PSD) trat erst am späten Samstagnachmittag, fast 24 Stunden nach dem blutigen Einsatz der Ordnungshüter, mit einer knappen Erklärung vor die Presse. Fragen der Journalisten beantwortete die Ministerin nicht. Dan erstattete ausführlich Bericht über den Gesundheitszustand der verletzten Polizisten, erwähnte indes die mehr als 400 verletzten Demonstranten mit keinem Wort und hatte auch keine Genesungswünsche für diese übrig. Die Ministerin behauptete, die Polizei sei „vorbildlich“ und „ausschließlich gegen Hooligans“ vorgegangen, und rügte Staatspräsident Klaus Johannis für dessen herbe Kritik am „unverhältnismäßigen Vorgehen“ der Polizei.

Dass das Land bald zur Ruhe kommt, ist nicht abzusehen: Auch für Sonntag ist eine Großdemonstration in Bukarest angekündigt - die mittlerweile dritte in Folge.

 krone.at
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