Kurzbahn-EM

Markus Rogan holt Gold über 200 Meter Lagen – und reist ab

Sport
10.12.2009 22:03
Traum-Comeback für Markus Rogan: Der OSV-Schwimmer hat am Donnerstag bei den Kurzbahn-EM in Istanbul über 200 Meter Lagen mit neuem Europarekord von 1:51,72 Minuten die Goldmedaille gewonnen. Dinko Jukic wurde in 1:53,81 Vierter. Dann die Überraschung: Wenige Stunden nach seinem Triumph gab Rogan bekannt, dass er auf eine weitere Teilnahme bei der EM in der Türkei verzichtet.

Er wolle seine aus dem Goldlauf über 200 Meter Lagen mitgenommene Euphorie gleich in effizientes Training umsetzen, statt bei den Kurzbahn-Titelkämpfen zu bleiben, hieß es. Vor allem gibt Rogan damit eine Medaillenchance über 100 Meter Rücken her. Neues Ziel ist nun die Langbahn-EM im August 2010 in Budapest.

Die Entscheidung darüber fiel offenbar nach der Dopingkontrolle, und zwar in einem Telefonat zwischen Rogans Los-Angeles-Trainer Dave Salo und seinem in die türkische Hauptstadt gekommenen Co Jeremy Kipp. "Dave hat gefragt, warum Markus nicht mit Weltrekord gewonnen hat", erzählte Kipp vom Gespräch mit seinem Chef. Die Weltbestzeit hatte Rogan um nur 17/100 verfehlt. 

"In Budapest wird es knapper"
Den in Istanbul anwesenden Reportern wurde die Entscheidung im 15. Stock des österreichischen Team-Hotels mitgeteilt. Rogans Manager Ronnie Leitgeb hatte zu einem Gespräch mit Rogan geladen, den sah man dann vorerst unter der Anleitung von Kipp intensives Krafttraining machen. Angesichts der noch anstehenden EM-Rennen wäre das keine gute Vorbereitung gewesen. Doch dann ließ Rogan die Katze aus dem Sack.

"Ich werde hier nicht mehr schwimmen", sagte der Wiener. "Ich werde die Energie und Euphorie aus dem Sieg verwenden, um gleich für Budapest weiterzutrainieren. Das bringt mir drei Tage mehr Trainingszeit, die werde ich dort gegen Laszlo Cseh brauchen. Denn in Budapest wird es knapper." Der Ungar Cseh ist speziell auf den Lagen-Strecken stark, Rogan will da vorerst auf den 200 Meter bleiben. "Das macht mir einfach sehr viel Spaß."

Antritt auf österreichischem Boden ungewiss
Rogan und seinem gesamten Umfeld sei klar gewesen, dass bei diesen Titelkämpfen nur Gold zählt. Nachdem er das erreicht hatte, gingen auch seine Gedanken schon vorwärts. Leitgeb: "So eine Situation ist für ein Training die beste. Das habe ich mit Thomas Muster auch immer so gemacht." Ab 5. Jänner wird der 28-fache Medaillengewinner wieder in Los Angeles trainieren.

Ob Rogan vor den Europameisterschaften in Budapest noch einmal auf österreichischem Boden antritt, wusste er vorerst nicht. "Das entscheiden meine Trainer", erläuterte das OSV-Ass. Für die Hallen-Meisterschaften Ende Februar im Wiener Stadthallenbad ist er wegen seinem Wechsel zum SC Hakoah nach der Übertrittszeit ohnehin gesperrt, bliebe noch das Austria-Meeting im Februar. Das EM-Limit könnte er aber auch im Ausland erbringen.

Rennen gemächlich begonnen
Österreichs "Sportler des Jahres 2004" hatte das Rennen in Istanbul gemächlich begonnen, lag nach 100 Metern aber schon auf Platz drei. Mit einer starken Leistung auf der Brustlage erarbeitete sich Rogan einen Vorsprung auf die Weltrekord-Durchgangsmarke von Darian Townsend, blieb aber schließlich doch um 17 Hundertstel über der Weltbestmarke.

Für Rogan ist es sein erster Europarekord auf einer anderen Strecke als 200 Meter Rücken, durchwegs gelang ihm das auf der Kurzbahn. Er hält nun bei neun EM-Titeln, zehn Gold-Medaillen bzw. 28 Medaillen-Gewinnen. "Jetzt kann ich wieder mit Stolz zurück nach Österreich gehen", erklärte der neue Europameister mit Bezug auf seine sportliche und persönliche WM-Misere. "Das konnte ich vor der EM vielleicht nicht." "Ich habe ein gutes Rennen gewonnen. Es ist mein schönster Titel, es war aber auch der schwerste. Denn es ist der erste, für den ich wirklich drei Monate dafür leben musste", so Rogan.

Mediale Schelte und Prügel-Affäre
Das Edelmetall über 200 Meter Lagen ist Rogans erste Medaille nach 20-monatiger Durststrecke. Die für ihn verpatzte Langbahn-WM in Rom machte er damit sportlich vergessen. Der 27-Jährige war im Sommer nach seiner medialen Schelte wegen des Ausbleibens von WM-Top-Ten-Rängen sowie der Prügel-Affäre in einer Diskothek in Ostia in sich gegangen und hatte sich für eine sportliche Antwort entschieden. 

Abseits des um ihn gebildeten Trubels entschloss er sich zu einer Übersiedlung an die Universität von Southern California in Los Angeles, wo er sich unter Star-Trainer Dave Salo und mit starker Konkurrenz wieder an die Spitze hievte.

Beherztes Rennen von Dinko Jukic
Jukic schwamm ein sehr beherztes Rennen und musste außer Rogan den vom Sieger um 0,5 Sekunden distanzierten Litauer Vytautas Janusaitis und Alan Cabello Forns passieren lassen. Die Bronze-Medaille des Spaniers verpasste der 20-Jährige um 77 Hundertstel. "Ich bin mit dieser Zeit zufrieden, bin auch an meine Bestzeit herangekommen." Für die 200 Meter Delfin zeigte sich der nach der Delfinlage vorangelegene Jukic recht zuversichtlich.

Co-Favorit Cseh war hingegen der große Geschlagene des Finales. Der Ungar war bei der 100-Meter-Marke in Führung gelegen, und zwar mit 25 Hundertstel Vorsprung auf Rogan. Dann fiel er aber auf Platz fünf und schließlich gar auf Position sieben zurück. 

Im vor dem Lagen-Finale ausgetragenen Endlauf über 200 Meter Rücken hätte Rogan mit seinem OSV-Rekord von 1:47,64 übrigens überlegen Gold geholt. Der russische Sieger Stanislaw Donez war um 98 Hundertstel langsamer als der Österreicher bei seiner Bestzeit.

Stoss Achter über 200 Meter Rücken
Im Schatten von Rogan und Jukic sind am Donnerstag auch andere OSV-Athleten positiv in Erscheinung getreten. Sebastian Stoss wurde Achter über 200 Meter Rücken, Dominik Koll Neunter über 400 m Kraul und Hunor Mate erreichte das Finale über 100 Meter Brust. Zudem wurde Martin Spitzer 12. im Kraulsprint und Birgit Koschischek 15. über 100 Meter Kraul.

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