Mo, 17. Dezember 2018

„Kam runter wie Stein“

05.08.2018 17:40

Alpen-Rundflug wird für Familie zur Todesfalle

Bei dem Absturz eines Oldtimer-Flugzeugs in der Schweiz sind alle 20 Insassen, darunter auch ein Ehepaar mit einem Sohn aus Niederösterreich, ums Leben gekommen. Es habe keine Überlebenden des Unglücks im Kanton Graubünden gegeben, berichtete die Polizei am Sonntag. Laut Zeugenaussagen sei die 79 Jahre alte Maschine vom Typ Junkers 52 (siehe YouTube-Video oben) „heruntergkommen wie ein Stein“. Es gab zuvor auch keinen Notruf. Nun wird heftig über die Ursache des schwersten Unglücks in der Schweizer Luftfahrt seit dem Crossair-Absturz im Jahr 2001 spekuliert.

Die Ju-52 des Baujahrs 1939 war am Samstag in 2540 Metern Höhe an der Westflanke des Berges Piz Segnas abgestürzt. Es gebe keinerlei Hoffnungen mehr, jemanden lebend zu bergen, sagte Andreas Tobler, Gesamteinsatzleiter der Kantonspolizei Graubünden: „Den Einsatzkräften bot sich ein trauriges Bild.“

Acht Paare und vier Einzelpersonen unter Opfern
Unter den Opfern befinden sich acht Paare und vier Einzelpersonen im Alter zwischen 42 und 84 Jahren. Neun Männer und acht Frauen aus den Kantonen Zürich, Thurgau, Luzern, Schwyz, Zug und Waadt sowie die drei Niederösterreicher wurden beim Absturz tödlich verletzt. Dazu kommen drei Besatzungsmitglieder aus den Kantonen Thurgau und Zürich.

„Die Identifizierung der Opfer mittels DNA-Analyse ist im Gange“, sagte Außenamtssprecher Thomas Schnöll am Sonntag zur „Krone“.

Absturz auf Rückflug einer Erlebnisreise
Die verunglückte Maschine der Ju-Air war auf dem Rückflug von einer Erlebnisreise von Locarno im Kanton Tessin nach Dübendorf. Sie war am Freitag von Dübendorf aus nach Locarno-Magadino geflogen. Der Rückflug nach Dübendorf startete am Samstag um 16.10 Uhr, wie Andreas Tobler von der Kantonspolizei am Sonntag sagte. Der Absturz ereignete sich kurz vor 17 Uhr an der Westflanke des Piz Segnas.

Trägerorganisation der Ju-Air ist der Verein von Freunden der schweizerischen Luftwaffe (VFL). Dieser hatte in den 1980er-Jahren die drei ausgemusterten Maschinen übernommen. Die Maschinen der Ju-Air werden oft für Alpen-Rundflüge gebucht. Sie starten vom Militärflugplatz Dübendorf im Kanton Zürich.

„Alter steht in keinem Zusammenhang mit Gefahr“
Das in Dessau (Sachsen-Anhalt) gebaute Flugzeug war Baujahr 1939 und damit 79 Jahre alt. Das Alter an sich sei aber kein Alarmzeichen, sagte Daniel Knecht von der Sicherheitsuntersuchungsstelle. Die Maschine war mehr als 10.000 Stunden geflogen. „Das Alter einer Maschine steht in keinem Zusammenhang mit der Gefährlichkeit eines Fluges. Wenn die Maschine richtig gewartet wird, kann sie auch betrieben werden.“

Erfahrene Piloten, keine Blackbox, kein Recorder
Über die Gründe des Absturzes wird in Luftfahrtkreisen spekuliert. Der Oldtimer besitzt weder Blackbox noch Voice-Recorder. Im Cockpit saßen zwei erfahrene Piloten. „Das Flugzeug ist nahezu senkrecht und mit relativ hoher Geschwindigkeit auf den Boden geprallt“, bestätigte Daniel Knecht von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust). Der Grund dafür müsse noch ermittelt werden. Ausgeschlossen werden könne zum jetzigen Zeitpunkt eine Kollision mit einem Hindernis, Kabel oder einem anderen Fluggerät. „Es gab keine Fremdeinwirkung von außen.“

„Sie machten eine 180-Grad-Kurve Richtung Süden, dann flog die Maschine kerzengerade in den Boden“, sagen Augenzeugen. Ein Flugexperte analysiert: „Heißer Tag, geringe Leistung der Motoren. Der Crew war das Überfliegen des Berges zu riskant bzw. sie hat gesehen, dass es sich nicht ausgeht, und eine Umkehrkurve versucht. Aufgrund der geringeren Luftdichte durch die Hitze im Kurvenflug kam es zum Strömungsabriss auf einer der Flächen.“

Übrigens können auch in Österreich Nostalgieflüge mit einer Ju-52 gemacht werden. Sie sind ein Jahr im voraus ausgebucht.

Kronen Zeitung/krone.at

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