Nach einem Aufschrei der Empörung über seine ständige Abwesenheit hat der ins italienische Parlament gewählte Segelprofi Andrea Mura am Samstag sein Mandat niedergelegt. Das gab der Abgeordnete der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung nach eigenen Angaben in einem Brief an das Parlamentspräsidium bekannt. Zugleich bezeichnete er sich selbst als Opfer einer „beispiellosen medialen Lynchjustiz“.
Nach Angaben des auf die Dokumentation von Abgeordnetenaktivitäten spezialisierten Portals OpenPolis hielt sich Mura lediglich einen Tag pro Woche in Rom auf und versäumte seit seiner Wahl im März 96 Prozent aller Parlamentssitzungen. Der als Umweltschützer bekannte Sportler goss noch Öl ins Feuer, als er in einem Interview sagte: „Politik wird nicht nur im Parlament gemacht. Das geht auch auf einem Boot.“
Seine Fraktion hatte Mura vor wenigen Tagen ausgeschlossen. Deren Führung teilte mit, dessen „Rekord“ an Fehlzeiten habe ihr keine andere Wahl gelassen. Mura sei allerdings nicht das schlimmste Beispiel unter den Abgeordneten, erklärte die Regierungsfraktion. Sie forderte den Rücktritt anderer oft abwesender Parlamentarier.
In seinem Brief an das Parlamentspräsidium schrieb Mura, er habe sein Mandat „mit größter Ernsthaftigkeit“ ausgeübt und insgesamt sieben Sitzungen wegen Verpflichtungen in seinem Wahlkreis und wegen Krankheit verpasst. Er sei das Opfer einer Medienkampagne und „schändlicher Anschuldigungen“, die den Fakten widersprächen.
Die Fünf-Sterne-Bewegung regiert in Italien gemeinsam mit der rechtsextremistischen Lega. Mura erklärte, er werde nun „in seine Welt zurückkehren, zum Sport und zum Meer“. Er werde seinen Kampf für den Schutz der Ozeane und der Umwelt außerhalb des Parlaments fortsetzen.
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