So, 21. Oktober 2018

„... und ich war tot“

01.06.2018 09:00

Blut und Probeliegen: So wurde Mord inszeniert

Der russische Journalist und Kreml-Kritiker Arkadi Babtschenko, der in der ukrainischen Hauptstadt Kiew seinen eigenen Tod inszeniert hatte, um einen Mordanschlag auf sich zu vereiteln, hat nun verraten, wie er die Täuschung inszenierte. Er verwendete echtes Blut und übte auch, wie ein Toter zu liegen. So gelang es ihm, sogar seine eigene Ehefrau hinters Licht zu führen, die in die Pläne des Geheimdienstes nicht eingeweiht war - sie hatte das vermeintliche Opfer mit Schusswunden im Rücken und blutüberströmt aufgefunden und rief die Rettung.

Am Dienstag sorgte die Nachricht über die Ermordung des regierungskritischen Reporters international für Aufsehen, doch bereits am Mittwoch folgte die Auferstehung von den Toten: Der ukrainische Geheimdienst enthüllte, die Bluttat in einer Geheimoperation inszeniert zu haben, um die Drahtzieher eines gegen Babtschenko gerichteten Verbrechens aufzudecken. Die Aktion war so geheim, dass nicht einmal die Ehefrau des Journalisten etwas davon ahnte. In einer Pressekonferenz bat er sie um Entschuldigung „für die ganze Hölle, die sie durchmachen musste“.

Schweineblut und Schusswunden täuschten eigene Gattin
Die Operation war monatelang vorbereitet worden. Nun berichtete Babtschenko, wie die Inszenierung ablief: „Ich hatte richtiges Schweineblut. Damit bedeckten sie meinen Mund, meine Nase und die drei Schusswunden. Und siehe da, ich war tot.“ Er habe sogar im Vorfeld geübt, wie ein Toter zu liegen. Seine Gattin rief die Rettung, wenig später teilte die ukrainische Regierung mit, der Journalist sei auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben. Bis er in der Leichenhalle lag, habe er sich nicht bewegt.

Fingierter Mord musste vorgezogen werden
Erst habe er verärgert auf den Vorschlag des Geheimdienstes reagiert, schließlich aber seine Meinung geändert. Sein fingierter Mord sei eigentlich für 1. Juni geplant gewesen. Die Attentatspläne gegen ihn hätten sich allerdings konkretisiert, deshalb sei die Inszenierung vorgezogen worden. Babtschenko erzählte außerdem, er würde den russischen Präsidenten Wladimir Putin „hassen“. Dieser sei „für mehrere Kriege und Tausende Tote verantwortlich“. Er selbst habe im Familien- und Freundeskreis Verluste zu beklagen.

Kritik: Operation ist „Stich ins Mark der Glaubwürdigkeit des Journalismus"
Die Inszenierung stieß bei zahlreichen Berufskollegen Babtschenkos auf Kritik. „Solche Inszenierungen sind ein Stich ins Mark der Glaubwürdigkeit des Journalismus“, urteilte die Organisation Reporter ohne Grenzen. Die Internationale Journalistenföderation erinnerte daran, Ziel von Journalisten sei es, „die Wahrheit zu suchen“. Der Dachverband nationaler Journalistenverbände warnte, jede Manipulation von Informationen könne der Glaubwürdigkeit der Medien sowie dem Journalismus insgesamt „dramatisch schaden“.

Darauf konterte der Kreml-Kritiker: „Journalistische Standards, das war das letzte, woran ich in diesem Moment gedacht habe.“ Nach den Drohungen gegen ihn sei es ihm darum gegangen, „am Leben zu bleiben“ und seine Familie in Sicherheit zu wissen.

Miriam Krammer
Miriam Krammer

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