So, 16. Dezember 2018

Märtyrer als Helden

29.04.2018 10:15

Wie Erdogan deutsche Kinder für Propaganda nutzt

Nach dem Verbot für türkische Politiker, Wahlkampfauftritte in Österreich und Deutschland abzuhalten, hat Präsident Recep Tayyip Erdogan neue Kanäle gefunden, um seine Kriegspropaganda zu verbreiten. Nicht nur in Wien (die „Krone“ berichtete ausführlich), auch in vielen Teilen Deutschlands müssen viele Kinder in von Erdogans AKP und ihren Vorfeldorganisationen kontrollierten Moscheen die Schlacht von Gallipoli nachstellen - und sich wie Gefallene mir der türkischen Flagge zudecken lassen. Der deutsche Verfassungsschutz sieht dadurch sogar „den inneren Frieden beeinträchtigt“.

In Deutschland gibt es mehr als 900 türkisch dominierte Moscheen, die der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara unterstehen. Der Verein DITIB ist - wie ATIP in Östrerreich - ein Ableger dieser Behörde im Ausland. Über diese Organisationen gelingt es Erdogan, Einfluss auf Millionen ausgewanderter türkischer Wähler in fernen Ländern zu gewinnen. Die Imame für Moscheen von ATIP und DITIP werden von Diyanet entsendet und bezahlt.

In Deutschland allein geht es um 2,9 Millionen türkischstämmige Wähler. Diese werden mit einer gezielten Propagandastrategie rund um die Schlacht von Gallipoli (in der Türkei als Schlacht von Canakkale bekannt) im Jahr 1915, in der die Türkei über Großbritannien und Frankreich siegte, auf den „Heiligen Krieg“ eingeschworen. Kinder werden als Soldaten in Bühnenshows inszeniert und müssen Loblieder auf die Armee singen, berichtet die ARD in einer Dokumentation in der Sendung „Kontraste“. Auch in Österreich haben diese Feierlichkeiten Tradition, wie Prof. Ednan Aslan bereits vergangene Woche in einem „Krone“-Interview enthüllte. 

Expertin: Erdogan will Einzug in Syrien „als ,Heiligen Krieg legitimieren“
Die Weisung dazu kommt aus den obersten Reihen: Erdogans Religionsattaché im Berliner Konsulat schreibt dazu auf Facebook: „Damit die Operation erfolgreich ist, ist am morgigen Tag zum Morgens- und Mittagsgebet die Eroberungs-Sure zu lesen und an Bittgebeten nicht zu sparen.“ Für die Islam-Expertin Susanne Schröter steht fest: „Erdogan nutzt DITIB in Deutschland, um die Türkei-stämmige Bevölkerung mit zur Unterstützung seines militärischen Abenteuers in Syrien zu gewinnen, diesen Krieg als ,Heiligen Krieg‘ zu legitimieren und sein Projekt des militarisierten Islam auch in Deutschland fortzusetzen.“

In der ARD-Reportage sieht man Buben in einer DITIB-Moschee singen: „Die Helden geben ihr Leben, um die Heimat am Leben zu erhalten.“ Mädchen mit Kopftüchern trällern die Zeilen: „Die Kugel, die dich getroffen hat, spüre ich in meinem Leib … Mein Märtyrer, schlaf ruhig!“ Auch der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen ist bereits alarmiert: Wie die ARD berichtet, fürchte die Behörde, dass die „türkisch-nationalistischen Aktivitäten von DITIB den inneren Frieden beeinträchtigen können“.

Aus einem Bericht der deutschen Bundesregierung geht hervor, dass 350 DITIB-Imame 2017 ins Land gereist waren. Diese bekamen ein Arbeitsvisum mit einer Gültigkeitsdauer von 180 Tagen. Ob diese Personen allerdings Deutschland nach Ablauf der Frist verlassen haben, ist nicht bekannt. Die Vize-Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Sevim Dagdelen, warf der Regierung vor, „völlig naiv oder verantwortungslos“ zu sein. „Mehr türkische Diyanet-Imame heißt mehr Erdogan-Einfluss“, sagte Dagdelen.

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