Do, 16. August 2018

Ärger bei Nachbarn

27.03.2018 17:55

Islam-Zentrum in Wien wird umfangreich ausgebaut

Große Pläne wälzt das Islamische Zentrum am Bruckhaufen in Wien-Floridsdorf: Aufgrund des Platzmangels soll die Moschee um einen zwölf Meter hohen Zubau erweitert werden. Geplant sind unter anderem vier neue Gebetsräume und ein Ausstellungsraum. In der Nachbarschaft lösen die Umbaupläne vorerst keine große Freude aus.

Während bei vielen Kirchen die Zahl der Gottesdienstbesucher stetig sinkt, kann sich das Islamische Zentrum nicht über mangelnde Frequenz beklagen. Im Gegenteil, wie Anrainer schildern, ist hier „vor allem ab Freitagmittag einiges los“. Seit einigen Jahren muss ein Teil der Gläubigen aus Platzmangel in einem Zelt im Innenhof beten.

Gebetsstunden im Zelt sorgen für Lärm
Immer wieder kam es dadurch zu Lärmbeschwerden vonseiten der Anrainer: „Der mangelnde Platz ist sicher einer der Hauptgründe für den Ausbau“, schildert Salim Mujkanović, Pressesprecher des Islamischen Zentrums gegenüber der „Krone“. Neben den zusätzlichen Gebetsräumen ist auch ein Ausstellungsraum vorgesehen, wo die Geschichte des Islamischen Zentrums dokumentiert werden soll. Neben den Gläubigen würden pro Jahr auch mehr als 11.000 Gäste in das Islamische Zentrum kommen, um die Moschee zu besichtigen. „Wir werden auch weiter den Dialog zwischen den Religionen fördern“, so Mujkanović.

Bezirkschef steht Plänen positiv gegenüber
Wann die Arbeiten starten, ist noch unklar, da es noch keine Bauverhandlung gab. Bezirkschef Georg Papai (SPÖ) erwartet aber keine größeren Schwierigkeiten, weil sich die Pläne innerhalb der geltenden Flächenwidmung bewegen. Im Bauausschuss des Bezirks sei das Projekt bereits vorgestellt worden. Für die Bauarbeiten soll ein Verkehrskonzept ausgearbeitet werden, damit nicht zu viele Lkw durch die Siedlungen fahren.

Wenig Begeisterung bei Anrainern
Bei den Anrainern hält sich die Begeisterung für die Umbaupläne vorerst in Grenzen. Viele befürchten, dass die Siedlung bei religiösen Veranstaltungen noch mehr verparkt ist - und auch, dass der Lärm dennoch zunimmt. „Das Zentrum ist jetzt schon groß genug“, meinen einige beim Lokalaugenschein der „Krone“. Manche rechnen mit noch mehr Menschenmassen, vor allem beim Freitagsgebet. Andere wiederum geben sich gelassen: „Mich stört das überhaupt nicht.“

Manfred Haberland (47), Angestellter: „Ich habe von den Ausbauplänen schon gehört. Meiner Meinung nach ist das bestehende Gebäude aber groß genug. Schon jetzt ist in der Siedlung am Bruckhaufen zeitweise alles zugeparkt. Ich befürchte, dass das künftig noch viel ärger wird, weil noch mehr in die Moschee strömen werden.“

Brigitte Zimmerl (70), Pensionistin: „Der Lärm betrifft mich zwar nicht, aber trotzdem hält sich meine Begeisterung über die Erweiterung in Grenzen. Vor allem an den Wochenenden wird hier die Umgebung größtenteils von Zuwanderern vereinnahmt. Ich bin nicht ausländerfeindlich, aber man macht sich halt so seine Gedanken, wenn man sich als Einheimische fremd vorkommt.“

Werner Ognar (71), Pensionist: „Ich bin hier im Grätzel geboren, doch die Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten stimmt mich wirklich traurig. Während der religiösen Veranstaltungen bekommt man keinen Parkplatz in der Umgebung. Außerdem hört man kein deutsches Wort mehr. Ich bezweifle, dass so ein Beitrag zur Integration geleistet wird. Der Ausbau macht die Sache nicht besser.“

Renate Mocza (64), Pensionistin: „Mich stört der Ausbau der Moschee überhaupt nicht. Es stimmt zwar, dass am Freitag ab den Mittagsstunden hier rund um die U-Bahn-Station einiges los ist, denn es pilgern immer viele Gläubige zum Islamischen Zentrum. Allerdings habe ich noch keine negativen Erfahrungen mit irgendjemandem gemacht. Wenn die Leute ihre Religion ausüben wollen, dann sollen sie das auch machen können.“

Hertha Köck (75), Pensionistin: „Große Freude habe ich keine mit den Ausbauplänen, aber man muss das akzeptieren. So ist das eben. Aber ab Freitagmittag ist hier zeitweise wirklich eine Menge los, wenn die Gläubigen zu ihrer Gebetsstunde strömen. Das sollten sich einige Politiker einmal aus nächster Nähe anschauen. Man fühlt sich dann richtig fremd in dieser Gegend.“

Philipp Wagner, Kronen Zeitung

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