10.10.2009 10:54 |

"Tuat einfach grob"

Nach Eröffnung der Haider-Schau flossen Tränen

Zum ersten Todestag von Jörg Haider ist im Bergbaumuseum in Klagenfurt eine Schau über sein Leben zusammengestellt worden. Streng bewacht ging am Freitag die offizielle Eröffnung durch Witwe Claudia über die Bühne. Die Pressekonferenz war besucht wie zu Haiders besten Zeiten: Journalisten und Kamerateams aus ganz Österreich, Italien, Slowenien, Deutschland und Frankreich waren gekommen. Die ersten Tränen flossen schon nach der Eröffnung: „Es tuat an einfach grob, alle diese Bilder zu sehen.“

Der größte Teil der Ausstellung ist der Familie gewidmet. Neben Haiders Schaukelpferd findet sich das Hochzeitsdirndl von Claudia Haider – Haiders Anzug soll den Motten zum Opfer gefallen sein. Die Familie (im Bild Haiders Mutter) hat ihre Fotoalben geöffnet: Der Weg vom kleinen Jörg bis zum Burschenschafter ist dokumentiert.

Fotos von der Ausstellungseröffnung findest du in der Infobox!

„Es ist keine politische Veranstaltung und keine politische Ausstellung“, erklärte Museumsdirektor Gerhard Finding, der das Konzept erstellt hat. So beschränke man sich bei der Darstellung seines politischen Lebens auf den Versuch, Haiders in zwei Büchern festgehaltene Visionen darzustellen. Daneben gibt es noch den Schreibtisch und seinen Sessel aus dem Landeshauptmann-Büro zu bestaunen.

Bewegende Trauermomente
„Tragisch inszeniert“ hat Finding Haiders Tod. In einem schwarz verhangenen Raum werden wandfüllend Dias mit dem Autowrack gezeigt. Dazu Bilder von trauernden Kärntnern und der Verabschiedung auf dem Neuen Platz. Zu hören sind Interviews und persönliche Stellungnahmen der Familie und enger Mitarbeiter.

Für Diskussionen sorgen werden die von Finding ausgearbeiteten Schautafeln, sowohl zu Haiders Familie wie auch zum Unfallhergang. Hier zieht Finding die offizielle Version – Haider sei stark alkoholisiert zu schnell gefahren –  in Zweifel. Er habe extra einen Pathologen engagiert, um sich die Obduktionsberichte erklären zu lassen, teilte Finding mit. Es gehe ihm nicht um Verschwörungstheorien, aber „es ist alles belegbar.“

Ort der Ausstellung sorgte für Kritik
Schon im Vorfeld hatte die Ortswahl für Diskussionen gesorgt: Die Ausstellung findet im sogenannten „Gauleiter-Bunker“ statt, aus dem am 7. Mai 1945 Gauleiter Rainer seinen Rücktritt bekannt gab. „Das ist meiner eigenen Dummheit zuzuschreiben“, meinte Finding. „Ich habe einfach nicht daran gedacht, dass dies zu Problemen führen kann.“ Die „Nazi-Keule“ halte er aber aus: „Die Bekanntheit unseres Museums ist maßlos gestiegen.“

Kritische Distanz zum Ausstellungsobjekt findet Finding keine. Er habe Haider nicht gekannt und ihn erst durch die Recherchen bei der Familie kennen gelernt: „Sein Leben wurde maßlos falsch interpretiert.“

Landeschef Gerhard Dörfler forderte, dass man den Kärntnern ihre Trauer lassen sollte: „Haider hat das Land massiv verändert. Sein Gespür für Menschen war einzigartig. Er hat den Müllarbeiter so ernst genommen wie einen internationalen Konzernchef.“ Die Trauer um den verstorbenen Landeshauptmann solle als Trauer akzeptiert werden und nicht als Totenkult.

von Waltraud Dengel („Kärntner Krone“) und kaerntnerkrone.at

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