Di, 18. Dezember 2018

1.600 km weniger

22.09.2009 18:38

Gerüchte um Netzausdünnung bei den ÖBB

Neue Aufregung um die Bahn: In die schleppende Aufklärung des Krankendatenskandals bei den ÖBB platzt jetzt eine von der Bahn in Auftrag gegebene Studie, die dem maroden Eisenbahnunternehmen zu massiven Streckenstreichungen rät. Oppositionsparteien, Verkehrsclubs und der Städtebund befürchten einen Rückschritt im Öffi-Bereich und laufen Sturm gegen eine Ausdünnungen oder Teilprivatisierungen. Vonseiten der ÖBB heißt es, die Studie solle nur dazu dienen, bei Bund und Ländern Druck machen zu können. Es gebe derzeit keine Streckenkürzungspläne.

Die nicht offiziell veröffentlichte Analyse der internationalen Unternehmensberaterfirma Roland Berger legt den ÖBB offenbar eine Stillegung von mehr als 1.600 der knapp 6.000 von den ÖBB bewirtschafteten Regionalbahn-Streckenkilometern nahe.

Laut Informationen der Grünen geht es vornehmlich um Strecken der ÖBB-internen Kategoriebezeichnung "W" in Salzburg, Oberösterreich und Kärnten, aber auch um einige Pendlerstrecken innerhalb der Bundesländer Niederösterreich und Burgenland. So ist die Strecke Hollabrunn-Korneuburg direkt vor den Toren Wiens eine "W"-Strecke, wie auch die Gleise zwischen Neusiedl, Eisenstadt und Wulkaprodersdorf. Offenbar sind vor allem Strecken, die sich für den Güterverkehr nicht eignen, von Streichungen bedroht.

krone.tv hat bei den Österreichern nachgefragt: "Was stört dich an den ÖBB?" Die Meinungen siehst du im Video in der Infobox!

In der Studie heiß es weiter, dass das Land, private Anbieter oder Tourismusverbände den Betrieb einiger aufgelöster Strecken übernehmen könnten. Private Investoren sind aber bisher immer nur an den gewinnbringenden hochprioritären Strecken wie der Westbahn interessiert gewesen. So plant die Westbahn GmbH/RailUnion ab Ende 2011 einen Bahnbetrieb zwischen Wien und Salzburg. Die Privatbahn gehört Strabag-Konzernchef Hans Peter Haselsteiner und Ex-ÖBB-Vorstand Stefan Wehinger je zur Hälfte.

Kritiker sehen Bundesregierung gefordert
Der Verkehrsclub Österreich sieht in der Causa den Bund gefordert, und zwar auch im Bereich der Nebenbahnen. Eine VCÖ-Untersuchung zeige, dass 56 Prozent der Menschen in Österreich in ihrer Mobilität ganz oder zum Teil auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Insbesondere in der Region seien Regionalbahnen für viele Menschen unverzichtbar. "Von Seite der Politik braucht es daher ein klares Bekenntnis zur Bahn in der Fläche. Regional- und Nebenbahnen müssen aufrechterhalten werden, es braucht ein Ausbaukonzept statt einer Einstellungswelle. Wenn im Straßennetz strenge betriebswirtschaftliche Kriterien angewendet würden, müssten viele Gemeinde-, Landes- und Schnellstraßen zugesperrt werden."

Für die grüne Verkehrssprecherin Gabriela Moser ist ebenfalls die Regierung gefragt: "Der Bund hat die Infrastruktur zu erhalten. Die Länder müssen ausschreiben und bestellen, wenn die ÖBB nicht in der Lage sind, eine attraktiven Betrieb zu gewährleisten." In der Vergangenheit hatten Verkehrsexperten das teure "Wunschkonzert der Landesfürsten" kritisiert, wofür dann die Bahn gerade stehen müsse. Äußerst umstritten ist etwa die rund vier Milliarden teure Koralmbahn im Süden Österreichs. Kritiker meinen, der Tunnel würde sich nur dann rechnen, wenn Graz und Klagenfurt täglich evakuiert werden. Bund und Länder hingegen argumentieren damit, dass man dieses Projekt nicht einfach nur nach betriebswirtschaftlichen Kriterien beurteilen dürfe.

"Das BZÖ sagt 'Nein!' zur weiteren Ausdünnung und einem Kahlschlag des öffentlichen Verkehrs in Oberösterreich durch die ÖBB." Die Bundesbahnen sollen nicht Dienstleistungen vernichten, sondern ausbauen", hieß es am Dienstag vonseiten der oberösterreichischen BZÖ-Spitzenkandidatin Uschi Haubner. Mit einer Angebotsverbesserung und entsprechendem Marketing könnten wichtige Direktverbindung sicherlich gerettet werden, meinte Haubner. Sie verlangt einen Schulterschluss aller Parteien zur Rettung wichtiger Linien wie etwa der Verbindung Linz-Graz.

Kritik kommt auch vom Städtebund: "Ein Rückzug der ÖBB aus 'der Fläche' wird langfristig nicht zu Einsparungen der öffentlichen Hand führen, sondern an anderer Stelle wieder volkswirtschaftliche Kosten erzeugen." Man spreche sich daher "entschieden gegen eine Schließung der Regionalbahnen und gegen die geplante Einstellung der IC-Verbindung Graz-Linz aus".

ÖBB-Aufsichtsrat: Keine Kürzungspläne
In Wien tagte derweil der Aufsichtsrat der ÖBB-Holding. ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker dementierte nach der Sitzung die Gerüchte, wonach in nächster Zeit mit der Streichung von 1.600 Kilometern Bahn zu rechnen sei. Es sei "selbstverständlich", dass sich angesichts der Nachfrageeinbrüche der Vorstand mit der "Wirtschaftlichkeit sowohl von Strecken als auch von Knotenpunkten" beschäftigen müsse. Was aber in den Medien gestanden sei, "ist so weder beschlossen noch wird es so stattfinden". Es gebe keine konkreten Pläne für Streckenkürzungen.

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