So, 23. September 2018

Asylwerber als Täter

29.12.2017 12:29

Warum brachte „Tagesschau“ Mord an Mädchen nicht?

Deutschland steht nach dem tödlichen Messerangriff eines 15-jährigen Afghanen auf seine gleichaltrige Ex-Freundin noch immer unter Schock. Wer sich am Donnerstag in der "Tagesschau" über aktuelle Nachrichten informierte, erfuhr aber zunächst nichts von der Bluttat im rheinland-pfälzischen Kandel. Der Fall wurde schlichtweg nicht thematisiert, was den ARD-Nachrichten den Vorwurf einbrachte, sie würden bewusst etwas verschweigen. Die Verantwortlichen sahen sich angesichts der Kritik zum Handeln gezwungen und gaben jetzt eine Erklärung ab.

Am Mittwoch wurde ein 15-jähriges Mädchen von einem gleichaltrigen afghanischen unbegleiteten Flüchtling in einem Drogeriemarkt in Kandel brutal mit einem Küchenmesser erstochen. Die Tat löste nicht nur in Deutschland bei vielen Menschen Entsetzen aus. Erstmals erfahren haben unsere deutschen Nachbarn von der Bluttat hauptsächlich über Medien im Internet. Die größte TV-Nachrichtensendung des Landes, die "Tagesschau" der öffentlich-rechtlichen ARD, berichtete zunächst nicht darüber.

"So schrecklich die Tat gewesen ist ..."
In sozialen Netzwerken wurde der ARD daraufhin umgehend vorgeworfen, die Attacke bewusst zu verschweigen. Die "Tagesschau"-Macher erkannten die Brisanz der Kritik, schließlich wird schon seit Längerem - Stichwort Fake News - über die Glaubwürdigkeit von Massenmedien diskutiert. In ihrem Blog räumten die Sendungsverantwortlichen deshalb ein, zögerlich gewesen zu sein, da "Tagesschau" und tagesschau.de in der Regel nicht über Beziehungstaten berichten würden. "So schrecklich sie (die Tat, Anm.) gewesen ist, vor allem für die Eltern, Angehörigen und Bekannten - aber 'Tagesschau' und tagesschau.de berichten in der Regel nicht über Beziehungstaten", schrieb Marcus Bornheim, zweiter Chefredakteur bei ARD-aktuell.

Auch weil es sich im vorliegenden Fall um Jugendliche handelt, die einen besonderen Schutz genießen, habe sich die Nachrichtensendung zurückgehalten, so Bornheim weiter. Ein "professioneller Blick" auf die Tat sei notwendig, heißt es abschließend in dem Beitrag. Es folgt ein Hinweis darauf, dass der SWR bereits berichtet habe und den Fall weiter beobachte: "Aber wir werden das mit dem journalistischen Know-how machen, das geboten ist."

Unter dem seit Donnerstag tausendfach kommentierten Posting entwickelte sich binnen kürzester Zeit eine rege Diskussion über die Rechtfertigung des Senders. So zeigen zahlreiche User Verständnis für das Vorgehen der "Tagesschau": "Danke für so viel journalistische Sorgfalt statt reiner reißerischer Berichterstattung", schreibt etwa ein Nutzer. Ein anderer bekräftigt: "Lieber abwarten und dann die richtigen Infos zu nennen, dafür muss man sich nicht rechtfertigen."

Andere kritisieren die Entscheidung scharf: "Aber, liebe Tagesschau, wäre der Täter ein deutscher Jugendlicher gewesen, hätten sie direkt darüber berichtet." Eine Kritik, die zahlreiche weitere User in ähnlichen Kommentaren teilen. Ein anderer User schreibt: "Besonderer Schutz eines Jugendlichen? Totschlag ist Totschlag, unabhängig von wem er begangen worden ist. Ist überhaupt sicher, dass der 'Jugendliche' tatsächlich 15 Jahre alt ist?"

Misstrauen gegenüber ARD-Nachrichten wächst
Deutlich wird an den Postings jedenfalls, wie groß das Misstrauen vieler Deutscher gegenüber den ARD-Nachrichten mittlerweile ist. Ein User bringt es unter dem Posting des Senders auf den Punkt: "Sehr geehrte Mitarbeiter der ARD, dies ist sicher nur einer von vielen Fällen, in denen Ihnen politisch motivierte Berichterstattung vorgeworfen wird. Ich habe vor einer halben Stunde ein Telefongespräch mit einem guten Freund beendet, in dessen Verlauf wir festgestellt hatten, dass wir den Nachrichten der ARD zunehmend kritisch gegenüberstehen. Seit einigen Jahren berichten Sie nicht mehr objektiv; stattdessen haben Sie sich in Richtung erzieherischer, manipulativer und regierungsnaher Veröffentlichung bewegt. Woran liegt das? Zu viele unerfahrene Redakteure? Ein verändertes Berufsverständnis? Wie dem auch sei, uns und viele andere haben Sie verloren. Mit freundlichen Grüßen ..."

Die Entscheidung der Redakteure der "Tagesschau", die Tat von Kandel am Donnerstag in der Sendung um 20 Uhr doch noch als kurze Meldung zu behandeln, dürfte wohl für viele Kritiker zu spät gekommen sein.

Harald Dragan
Harald Dragan

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