31.08.2009 21:40 |

Ende des Streits?

Tauwetter zwischen Türkei und Armenien

Die Türkei und Armenien (im Bild die Außenminister der beiden Staaten bei einem früheren Treffen) wollen diplomatische Beziehungen aufnehmen. Beide Seiten hätten vereinbart, die "internen Konsultationen" binnen sechs Wochen abzuschließen, gaben die Außenministerien am Montagabend in einer gemeinsamen Erklärung bekannt. Im Anschluss daran sollen den Parlamenten in Ankara und Eriwan die entsprechenden Protokolle vorgelegt werden. Diese sähen eine Normalisierung der Beziehungen "innerhalb eines vernünftigen Zeitrahmens" vor. Auf Vermittlung der Schweiz hatten sich die beiden Länder im April auf einen Fahrplan zur Normalisierung ihrer Beziehungen verständigt.

Die Türkei unterhält seit der Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepublik Armenien im Jahr 1991 keine diplomatischen Beziehungen zu dem Nachbarland. Hauptstreitpunkt war stets die armenische Forderung, dass die Massaker an mehr als eineinhalb Millionen Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs als Völkermord anerkannt werden sollten. Zudem gibt es einen Konflikt um die von Armenien besetzte Kaukasus-Enklave Berg-Karabach, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört.

Vorsichtiges Entgegenkommen seit vergangenem September
Die Bemühungen um eine Annäherung setzten bereits im September des Vorjahres ein, als der türkische Staatspräsident Abdullah Gül zum WM-Qualifikationsspiel der armenischen Fußballnationalmannschaft gegen die Türkei nach Eriwan flog. Der armenische Präsident Sersch Sarkissian zeigte sich versöhnlich: "Der Prozess einer Anerkennung des Völkermordes richtet sich nicht gegen das türkische Volk, und die Anerkennung des Genozids durch die Türkei ist keine Bedingung für die Aufnahme bilateraler Beziehungen."

Schwierige Geschichte zwischen Armeniern und Türken
Die Bewertung der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich war immer wieder Anlass für schwere Spannungen. Die Regierung in Ankara hat die Verantwortung dafür stets zurückgewiesen und die genannten Zahlen als übertrieben bezeichnet. Schon die Revolte der Jungtürken, die am 27. April  1909 den seit 1876 regierenden Sultan Abdulhamid II. stürzten und dessen machtlosen Bruder Reschad unter dem Namen Mehmed V. als ihre Marionette auf den osmanischen Thron setzten, war von Massakern an Armeniern in mehreren Landesteilen begleitet.

Nach einem Militärputsch 1913 führten die Jungtürken unter Enver Pascha die Türkei an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns in den Ersten Weltkrieg gegen die Entente-Mächte. Nach schweren militärischen Niederlagen warfen sie den christlichen Minderheiten, vor allem den Armeniern, vor, den Kriegsgegner Russland zu unterstützen, und organisierten deren Verfolgerin und Deportation.

Armenien, mehrere westliche Staaten und ein Großteil der internationalen Forschung sehen es als erwiesen an, dass bei den Massakern zwischen 1915 und 1917 bis zu 1,5 Millionen Menschen starben, und sprechen von Völkermord. Die bürokratisch geplante Verfolgung der Armenier wurde mit Wissen der damaligen Verbündeten durchgeführt, wie unter anderem aus den umfangreichen Aufzeichnungen des österreichisch-ungarischen Militärattachés und k.u.k. Feldmarschall-Leutnants Joseph von Pomiankowski und den Berichten deutscher Diplomaten hervorgeht.

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