Deutschland-GP

Australier Mark Webber holt seinen ersten F1-Sieg

Sport
12.07.2009 16:01
Mark Webber hat am Sonntag seinen ersten Sieg in einem Formel-1-Grand-Prix gefeiert. Der 32-jährige Red-Bull-Pilot setzte sich auf dem Nürburgring trotz einer Durchfahr-Strafe vor seinem deutschen Teamkollegen Sebastian Vettel sowie dem Brasilianer Felipe Massa im Ferrari durch. Webber sorgte damit für den ersten australischen Triumph in der Königsklasse des Motorsports seit Alan Jones. "Das ist ein unglaublicher und großartiger Tag für mich", betonte Webber, der bereits bei der Zieldurchfahrt über den Boxenfunk seiner Freude lauthals Ausdruck verliehen hatte.

Nichts zu feiern gab es im Gegensatz zum Red-Bull-Team, das den bereits dritten Doppelerfolg in dieser Saison bejubeln durfte, für den in den ersten sieben Rennen so dominierenden Brawn-Rennstall. WM-Spitzenreiter Jenson Button, schon zuletzt im Heim-GP in Silverstone nur Sechster, kam in Deutschland nicht über Rang fünf hinaus. Trotzdem führt der Engländer, der heuer schon sechs Rennen gewonnen hat, nach neun der 17 WM-Läufe weiterhin überlegen mit 21 Punkten Vorsprung auf Vettel die Fahrerwertung an.

Webber, der erstmals in seiner Karriere von der Pole Position in einen Grand Prix gestartet war, hätte den Sieg in der Anfangsphase beinahe verspielt. Nicht nur, dass er im Duell mit dem neben ihm gestarteten Rubens Barrichello das Nachsehen hatte, touchierte er auch noch den Brawn-Boliden des Brasilianers. Für dieses Manöver kassierte Webber eine Durchfahr-Strafe und musste damit einmal mehr als geplant in die Boxenstraße.

Der Sieger entschuldigt sich
"Es tut mir leid, denn das ist nicht meine Art, jemandem ins Auto zu fahren. Aber ich habe Rubens nicht gesehen", entschuldigte sich der aus Queanbeyan/New South Wales stammende und in der Nähe des Red-Bull-Teamsitzes in Buckinghamshire/England wohnende "Gentleman" vom Fünften Kontinent. Doch Webber war an diesem Tag so überlegen, dass ihn auch dieses Missgeschick nicht stoppen konnte. "Er war heute einfach unschlagbar. Mehr als Platz zwei war für mich nicht drinnen", lautete der Kommentar seines Teamkollegen Vettel, der zuletzt in Silverstone vor Webber gewonnen hatte.

Webber war in der Vorbereitung auf die WM-Saison 2009 weit zurückgeworfen worden. Bei einem Radunfall im Winter hatte er einen komplizierten Beinbruch (rechts) sowie eine Schulterfraktion erlitten. "Ich danke alle Leuten, die mir nach meinem Unfall dabei geholfen haben, so schnell wieder auf die Rennstrecke zurückzukehren", erinnerte der "Aussie" in der Stunde seines größten Triumphes an jenen Moment, der auch das Ende seiner Karriere hätte bedeuten können.

Kampf um WM-Titel bleibt spannend
Nun darf er sogar vom ersten WM-Titel träumen, schob er sich doch in der WM nur 1,5 Zähler hinter Vettel auf Platz drei vor. Zwar trennen ihn von Button noch immer 22,5 Punkte, aber angesichts der Probleme der "Brawnies" mit der Reifentemperatur bei kühler Witterung, die sie schon in Silverstone chancenlos gemacht hatten, und der tollen Red-Bull-Performance in England und Deutschland ist das Titelrennen noch lange nicht entschieden.

Brawn hatte außerdem auch beim Tanken Schwierigkeiten: So verpatzte das Boxen-Team den zweiten Stopp des lange Zeit führenden Barrichello total, weil der Tankstutzen nicht passte. Dazu setzten sie im Gegensatz zu Red Bull mit drei Stopps auch noch auf die falsche Rennstrategie. Solche Fauxpas können im Titelkampf am Ende den Ausschlag geben. 

Barichello stinksauer auf Brawn-Pechvögel
Brawn-Pilot Rubens Barrichello war nach seinem total verpatzten Rennen stinksauer auf seinen Formel-1-Rennstall. "Das war ein gute Darbietung des Teams, wie man ein Rennen verliert", machte der Brasilianer seinem Ärger in einem BBC-Interview Luft. "Ich bin fürchterlich erbost darüber, wie die Dinge gelaufen sind", sagte der 37-Jährige, der seit dem China-GP 2004, als er noch für Ferrari gefahren war, kein Rennen mehr gewonnen hat. "Ich habe alles richtig gemacht. Ich bin als Führender in die erste Kurve gegangen, doch dann haben sie dafür gesorgt, dass ich das Rennen verliere. Wenn das so weitergeht, dann verlieren wir noch beide Weltmeisterschaften."

Barrichello war so wütend, dass er "am liebsten ins nächste Flugzeug steigen und heimfliegen" wollte. "Im Moment will ich mit niemandem im Team sprechen. Denn ich werde nur Blabla zu hören bekommen, und das will ich nicht."

Hamiltons Brechstangen-Taktik ging nicht auf
Total enttäuscht war auch Weltmeister Lewis Hamilton. Nach seinen überzeugenden Trainingsleistungen mit dem durch zahlreiche neue Teile "aufgerüsteten" McLaren-Mercedes hatte der Engländer im Rennen nichts zu bestellen, weil er es zu Beginn mit der Brechstange versucht hatte. Hamilton war zwar am Start dank des Energierückgewinnungs-Systems KERS (Kinetic Energy Recovery System) kurzzeitig vom fünften Platz aus an die Spitze "geschossen", kriegte aber die erste Kurve im wahrsten Wortsinn nicht mehr und musste den Notausgang benutzen.

Doch damit nicht genug: Wenige Sekunden später ruinierte er sich mit dem nächsten Fahrfehler auch noch den rechten Hinterreifen, womit das Rennen für Hamilton gelaufen war. Am Ende wurde der Champion mit einer Runde Rückstand nur 18. und Letzter der gewerteten Fahrer.

Gesamtwertung des Grand Prix von Deutschland:

Rang

Name

Team

Zeit/Abstand

1

M. Webber

Red Bull

1:36:43,310 Std.

2

S. Vettel

Red Bull

+9,252 Sek.

3

F. Massa

Ferrari

+15,906

4

N. Rosberg

Williams

+21,099

5

J. Button

Brawn

+23,609

6

R. Barrichello

Brawn

+24,468

7

F. Alonso

Renault

+24,888

8

H. Kovalainen

McLaren

+58,692

9

T. Glock

Toyota

+1:01,457 Min.

10

N. Heidfeld

BMW

+1:01,925

11

G. Fisichella

Force India

+1:02,327

12

K. Nakajima

Williams

+1:02,876

13

N. Piquet

Renault

+1:08,328

14

R. Kubica

BMW

+1:09,555

15

A. Sutil

Force India

+1:11,941

16

S. Buemi

Toro Rosso

+1:30,225

17

J. Trulli

Toyota

+1:30,970

18

L. Hamilton

McLaren

+1 Runde

19

K. Räikkönen

Ferrari

+26 Runden

20

S. Bourdais

Toro Rosso

+42 Runden

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