Die 17.500 Fans im (wieder einmal) ausverkauften Hanappi-Stadion hatten ihre Stimmen noch gar nicht auf Betriebstemperatur gebracht, da rollte der Rapid-Express in Person von Stefan Maierhofer schon Richtung Sturm-Tor: Der nach seiner Gelb-Sperre wieder mit Kumpel Jimmy Hoffer von Beginn an stürmende "Riese" tanzte nach nur wenigen Sekunden die Grazer Abwehr aus, scheiterte aber aus spitzem Winkel an Goalie Gratzei.
Rapid harmlos
Doch anstatt beflügelnd wirkte die vergebene Chance eher lähmend auf die Pacult-Elf. Sturm engte die Kreise der hochgelobten Kreativ-Abteilung Rapids um Hofmann und Boskovic geschickt ein, der viel zitierte 40-Tore-Sturm "MaierHoffer" hing völlig in der Luft. Auch die nächste Großchance fanden die Schützlinge von Sturm-Trainer Franco Foda vor: Haas schüttelte Tonhofer ab, flankte auf Jantscher - dessen Kopfball fiel aber zu schwach aus, Payer konnte klären.
Rapid spielte weiter zu statisch: Außer einem harmlosen Maierhofer-Schuss von der Strafraumgrenze war offensiv wenig los - einfallsloses Mittelfeldgeplänkel dominierte bei prächtigem Fußballwetter im Westen Wiens.
"Oldie" Haas sicher Sturm die Halbzeitführung
In Minute 37 der Schock für die "Grünen": Hassler schickte per Traumpass in den freien Raum den immer noch pfeilschnellen Routinier Mario Haas auf die Reise, der eilte dem behäbig wirkenden Rapid-Innenverteidiger Patocka davon und schob den Ball seelenruhig am machtlosen Helge Payer vorbei ins Netz - 0:1.
Abermals jagte Haas den Rapid-Fans den Schrecken in die Glieder, als er knapp vor dem Pausenpfiff - nachdem Hassler mit Rot vom Platz musste - mit einem Freistoß-Kracher Rapid-Schlussmann Payer sein ganzes Können abverlangte - Pausenstand 0:1.
Zu durchsichtiges Spiel von Rapid
Doch selbst aus der nummerischen Überlegenheit nach der Pause vermochte Rapid zunächst kein Kapital zu schlagen. Trainer Pacult reagierte, brachte Jelavic und Drazan für den komplett farblosen Hoffer und Kavlak. Und damit fast den Umschwung: In Minute 63 leitete Jelavic einen Kopfball an Maierhofer weiter, der drückte den Ball über die Linie - allerdings aus Abseits-Position.
Rapid feldüberlegen, aber glücklos
Die Hütteldorfer jetzt deutlich feldüberlegen, vor dem Tor aber weiter zu durchsichtig, während Sturm gar durch Hlinka alles klar machen hätte können. Auch die Einwechslung des jungen Christopher Trimmel als dritten Stürmer brachte nichts mehr ein. Rapid muss sich Sturm mit 0:1 geschlagen geben und die Titelträume wohl endgültig begraben.
Meinungen zum Spiel:
Peter Pacult (Rapid-Trainer): "Ich kann meiner Mannschaft im Großen und Ganzen keinen großen Vorwurf machen, denn sie hat alles versucht. Natürlich ist jetzt die Enttäuschung für alle groß, schließlich ist eine sensationelle Heimserie zu Ende gegangen. Aber wenn du kein Tor machst, dann gewinnst du das Spiel eben nicht. Der finale Pass hat gefehlt, wir haben auch ein bisschen zu viel über die Mitte probiert. Am Saisonziel hat sich seit Juni nichts geändert, wir wollen einen internationalen Startplatz erobern. Ich kann nicht von Woche zu Woche neue Saisonziele ausgeben."
Dominic Hassler (Sturm Graz/Assist und Rote Karte): "Ich weiß nicht, was ich zur Roten Karte sagen soll. Es war ein Zweikampf, ich bin umgefallen, habe aufgeschaut und die Rote Karte gesehen. Ich habe mich überhaupt nicht ausgekannt. Aber Gott sei Dank haben wir 1:0 gewonnen, wir freuen uns irrsinnig. Wir haben gewusst, dass wir es können, wenn wir uns am Riemen reißen. Wir haben verdient gewonnen."
Mario Haas (Sturm Graz/Torschütze): "Genau so hatten wir uns das vorgestellt. Kompliment an die ganze Mannschaft. Wir haben gekämpft und gerackert und uns den Sieg verdient. Wir haben uns übers Training das Selbstvertrauen geholt und eine Aussprache mit den Fans gehabt. Wir können Dritter werden. Es wird schwer, aber wir werden alles geben."
Franco Foda (Sturm-Graz-Trainer): "Wir sind mit der Einstellung hergefahren, dass wir hier gewinnen können. Rapid hat Druck verspürt und wir haben das eiskalt ausgenützt. Meine Mannschaft hat gesehen, dass wir trotz zwei, drei Ausfällen im Hanappi gewinnen können. Mich freut es, dass ausgerechnet Haas das Tor gemacht hat, denn er hat im Frühjahr schon sehr viele Chancen vergeben. Wir haben uns auch in Unterzahl taktisch hervorragend verhalten und die besseren Chancen gehabt. Wir haben die Stärken Rapids eliminiert, also die Flanken zugemacht. Trotzdem haben wir aber auch nach vorne gespielt, denn nur hinten drinnen stehen, das geht im Hanappi nicht gut. Die Rote Karte für Hassler war lächerlich. Wenn das Rot ist, dann 'Gute Nacht Fußball'."
Thomas Gangl (Schiedsrichter): "Auch der Versuch eines Schlags ist strafbar. Es war eine harte Rote Karte, aber ich bleibe dabei, dass die Entscheidung vertretbar war."
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