20 Jahre danach

Liverpool möchte am 15. April spielfrei haben

Fußball
16.03.2009 14:26
Der englische Rekordmeister Liverpool hat sich mit der Bitte an die UEFA gewendet, am 15. April nicht zum Champions-League-Viertelfinale antreten zu müssen. An diesem Tag jährt sich die Tragödie von Hillsborough, als 96 Fans der "Reds" beim FA-Cup-Semifinalmatch gegen Nottingham wegen einer Massenpanik auf einer überfüllten Tribüne des Sheffielder Stadions zu Tode gedrückt wurden, zum 20. Mal.

Liverpool-Kapitän Steven Gerrard, der selbst ein Familienmitglied bei der Katastrophe verlor, hofft auf Unterstützung des europäischen Verbandes. "Wir hoffen, dass die UEFA ein Einsehen hat. Normalerweise müsste sie die Bedeutung dieses Tages für die Menschen von Liverpool akzeptieren, aber leider spielen solche Gefühle nicht immer eine Rolle", sagte der englische Internationale, der sich wünscht, dass sein Club den 15. April als eigenen Gedenktag begehen kann.

Die Auslosung des Viertelfinales erfolgt am kommenden Freitag, Spieltermine sind der 7./8. und 14./15. April. Daher könnte die Auslosung auch ergeben, dass Liverpool das Rückspiel bereits am 14. April absolviert.

Verkettung mehrerer Faktoren

Bis heute ist nicht vollständig geklärt, welche Umstände genau zum Tod der 96 Liverpooler Fans auf dem unteren Teil der Westtribüne des Stadions von Sheffield Wednesday beigetragen haben. Sicher ist, daß eine ganze Reihe von Faktoren mitgespielt haben. Es fing damit an, daß der englische Rekord-Meister nur Karten für die kleinere, Leppings Lane genannte Westtribüne in Hillsborough erhielt, die zudem wesentlich weniger Eingänge hatte als die Osttribüne, wo die Fans von Nottingham Forest saßen.

Kurz vor Spielbeginn waren dann die Menschenmassen außerhalb der Leppings Lane bedrohlich angewachsen. Die mit der Situation völlig überforderten Polizeibeamten, die sich nach ihren anfänglichen Berichten einer Horde wilder Hooligans gegenüber glaubten, öffneten daraufhin ein Tor. Weil sie es gleichzeitig versäumten, einen Tunnel zum bereits überfüllten Mittelstück der unteren Westtribüne zu schließen, starben schließlich 96 Menschen an Hirntod, hervorgerufen durch traumatische Asphyxie (unfallbedingte Erstickung).

Moderen Arenen als Konsequenz
Auf "Fehlentscheidung unglaublichsten Ausmaßes" lautete später das Urteil von Lotrechter Taylor. Der mittlerweile verstorbene Richter war damals von der britischen Regierung zum Vorsitzenden einer Kommission ernannt worden, die die Ursachen für die Tragödie herausfinden und Maßnahmen für eine Verhinderung ähnlicher Katastrophen vorschlagen sollte. In seinem Abschlußbericht, dem Taylor-Report, riet er dabei, daß die englischen Stadien ausschließlich mit Sitzplätzen auszurüsten seinen. Dank der Subventionen der Regierung verwandelten sich so im Laufe der Jahre dreckige und teilweise abbruchreife Stadien in hochmoderne Fußballarenen. Damit war die Saat für den heutigen immensen Reichtum einzelner Klubs gesetzt.

Bei der späteren gerichtlichen Untersuchung wurden die Erkenntnisse aus dem Taylor-Report auch als Beweismaterial verwendet, doch die damals im Hillsborough-Stadion für die Sicherheit der Zuschauer zuständigen Polizisten kamen trotz massiver Kritik ohne Konsequenzen davon. Im Verlauf der folgenden Jahre stellte sich dann immer mehr heraus, daß die Polizei von South Yorkshire, in deren Bereich Hillsborough liegt, bei den Untersuchungen massiv gepfuscht hatte. Zeugenaussagen wurden geändert, Beweismaterial wie etwa Videobänder wurde nicht berücksichtigt.

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