Ende der Amtszeit

"Zyklus der Abschiede" für Seipel festlich eröffnet

Wien
30.11.2008 20:05
Ende des Jahres übergibt Wilfried Seipel nach 18 Jahren Amtszeit die Generaldirektion de Kunsthistorischen Museums an seine Nachfolgerin Sabine Haag. Am Samstagabend eröffnete Erhard Busek im Kuppelsaal des Museums den "Zyklus der Abschiede", der sich über die nächsten Wochen spannt. Seipel und Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) hatten zu einem festlichen Abendessen samt Preview auf die Abschieds-Schau "Mythos der Antike" geladen. Seipel (im Bild mit Haag und Schmied) zeigte sich angesichts der Hundertschaft von Politikern und Ex-Politikern, in- und ausländischen Direktoren und Ex-Direktoren gerührt: "Es ist wunderbar. Es sind alle gekommen!"

Ganz stimmte das freilich nicht: Elisabeth Gehrer, jene Ministerin, die den Generaldirektor auch in den von kritischen Rechnungshof-Berichten und Saliera-Diebstahl geprägten Krisen seiner Amtszeit nie ihre Unterstützung versagt hatte, war verhindert. Dafür fand der als Wissenschaftsminister einst in der Regierung für die Museen zuständige Erhard Busek ausreichend launige Worte: "Ich habe ihn bestellt - und ich bereue das nicht." Er gestatte sich auch "18 Jahre nach diesem Ereignis mich dazu zu bekennen. Ich übernehme dafür die politische Verantwortung, bekanntermaßen ist das ja konsequenzlos." Seipel sei "ein sehr guter Sachwalter" gewesen, habe aber auch "manchmal nichts ausgelassen - und rückblickend wirst du es genossen haben." Das garantiere ihm allerdings, dass er in Erinnerung bleiben werde. Und nach ausführlicher Rilke-Zitierung schloss Busek: "Ich bin stolz auf Dich."

Seipel als "Developer und Kämpfer"
Die Stafette der das Candle-Light-Dinner zwischen Vorspeise (Tunfisch-Variationen) und Hauptspeise (Rind, Kalb und Hummer) garnierenden Laudationes übernahmen zwei nicht mehr amtierende ausländische Kollegen Seipels: Der ehemalige Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin, Klaus-Peter Schuster, rühmte in einer salbungsvollen Rede ("Hier in Wien gibt es eine ganz eigene Abschieds-Liturgie") Seipel als "Developer und Kämpfer", der entgegen seines friedlich klingenden Vornamens die Befreiung des Museums "aus der babylonischen Gefangenschaft der behördlichen Bürokratie" erkämpft habe, hob Seipels "Sonderrolle in der Museumswelt" und seine Großzügigkeit als Leihgeber hervor. "Wilfried Seipel hat mit dem Pfund dieser Wiener Sammlung wie kaum ein anderer gewuchert". So wie seine letzte Ausstellung "Mythos der Antike" heiße, bildeten die vielen Ausstellungen "in der Summe seiner Amtszeit" letztlich eine einzige große Ausstellung zum "Mythos Österreich".

Auch der frühere Direktor des Amsterdamer Rijksmuseums, Ronald de Leeuw, hob die Rolle Seipels als großzügiger Leihgeber hervor und bedauerte ein wenig, dass das "Old-Boys-Network" der Direktoren zunehmend von einer jüngeren Generation abgelöst werde. Während de Leeuw unter Hinweis auf die Saliera, die nach ihrer Restaurierung nun im ersten Saal der "Mythos der Antike"-Schau die Besucher empfängt, von einer "traumatic period" der Seipel-Amtszeit sprach, meinte Kulturministerin Schmied in ihrer Ansprache die in Summe "erfolgreichen Jahre" hätten Seipel "auch durch zeitweilige Verluste nicht versalzen werden" können. Besonders hob Schmied Seipels Rolle bei der Weiterentwicklung der heimischen Museumslandschaft hervor. "Die österreichischen Bundesmuseen, allen voran das Kunsthistorische Museum, zählen heute zur internationalen Elite der Museen."

An der abschließenden süßen "Picasso-Palette" delektierten sich fast alle wichtigen heimischen Museumsdirektoren, Seipels Nachfolgerin Sabine Haag, die internationalen Kollegen Christoph Becker (Kunsthaus Zürich), Reinhold Baumstark (Bayerische Staatsgemäldesammlung), Irene Bizot (Gründerin der internationalen Bizot-Group von Museumsdirektoren), Laszlo Baan (Museum der Schönen Künste, Budapest), Neil MacGregor (British Museum), Axel Rüger (Van Gogh Museum) u.v.a. aus dem Ausland Angereiste, weiters Gerbert Frodl und Günter Düriegl, die Seipel als baldigen Kollegen im Kreise emeritierter Direktoren begrüßten, sowie EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner samt Gatten.

Ausstellung "Mythos der Antike" ab Mittwoch
Bereits Montag folgt ein Fundraising-Dinner für die Kunstkammer, am Mittwoch die Eröffnung der Ausstellung zum "Mythos der Antike" (4. 12. 2008 bis 1. 3. 2009), bei der Werner Hoffmann spricht, am Freitag ein Künstlerfest im Theatermuseum. Wilfried Seipel wird noch viele Hände zu schütteln und viele Reden zu hören haben, ehe seine Ära auch tatsächlich zu Ende geht.

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