So, 21. Oktober 2018

Wellness-Schmäh

13.11.2003 17:17

Gesundheits-Milchdrinks machen dick statt fit

Bis zu 12 Stück Würfelzucker pro 100 Milliliter, im Schnitt doppelt so teuer wie normale Milchprodukte und ungenügend belegte Gesundheitswerbung: Das ist das AK-Testergebnis von 20 Milchdrinks mit Wohlfühl- oder Gesundheitsslogans. Ein besonderer Nutzen wurde nicht gefunden, auch nicht bei den probiotischen Produkten. Dafür entsprechen die Kalorien einer Zwischenmahlzeit.
AK-Expertin Petra Lehner kritisiert: Gesundheitswerbungbraucht eine solide wissenschaftliche Basis, die den Mehrpreisrechtfertigt. Daher fordert die AK Regeln für Wellnessprodukte:Nicht beweisbare Werbeaussagen müssen verboten, Zuckermengeund Nährwertkennzeichnung verpflichtend angegeben werden.
 
20 Milchdrinks getestet
Die AK hat 20 Milchdrinks mit Wohlfühl- oderGesundheitsslogans unter die Lupe genommen, wie z.B. Actimel,Frilatti, LC1 go, Fidus aktiv, Fastenmilch, Alpha pan oder Latella.Bereits im Vorjahr hat die AK bei diesen Drinks Etiketten undZusammensetzung erfasst und bewertet. Die Hersteller wurden umgenaue Infos über die den Werbebotschaften zu Grunde liegendenwissenschaftlichen Belege gebeten. Zwei haben nicht geantwortet,der Rest unterschiedlich ausführlich. Im heurigen Herbsthat die AK nachkontrolliert, ob die Etiketten geändert wurden,und wie sich Markt und Preis entwickelt haben: Einige der Produktesind verschwunden, andere durch Nachfolger ersetzt worden, dieWerbung ist im Wesentlichen gleich geblieben. Die Preise sindungleich - Molkeprodukte sind billiger, Milchmischgetränketeurer geworden.
 
Nutzen nicht bewiesen
Die AK-Kritikpunkte: Kein Hersteller hat Produkttests.Ein über die positiven Wirkungen von Milchprodukten hinausgehenderNutzen konnte nicht schlüssig dargelegt werden - auch nichtbei den probiotischen Produkten. Hier gibt es zwar nachvollziehbaredokumentierte positive Wirkungen, allerdings nur bei Kranken.Dafür müssen ausreichend viele Keime vorhanden sein.Ein Produkt enthielt aber bei weitem nicht die notwendige Anzahlan lebenden Keimen. Und dass die Produkte bei Gesunden "besser"wirken als Joghurt, ist nicht bewiesen, so Lehner.
 
Teuer statt gesund
Die Mehrkosten von ca. 180 Euro pro Jahr, wenn täglichein kleines Fläschchen eines probiotischen Drinks getrunkenwird, sind fix. Außerdem sind die Milchdrinks mit durchschnittlich12 Stück Würfelzucker pro 100 Milliliter zu süßfür einen gesunden Durstlöscher und zu kalorienreichzum nebenbei Trinken, sagt Lehner. Die durchschnittliche Kalorienmengepro Packung entspricht einer Zwischenmahlzeit.
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