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03.12.2016 - 17:33
Foto: Flying Carp Productions

98- Jährige erhält als erste Frau höchsten Judo- Titel

23.08.2011, 12:00
Mit 98 Jahren hat Keiko Fukuda als erste Frau in der Geschichte des Judo den höchsten Meistertitel der Kampfsportart erhalten. Die zierliche Japanerin war eine der Wegbereiterinnen für Frauen in einer nach wie vor vom "starken Geschlecht" dominierten Sportart. Eine derart hohe Auszeichnung hätte die Enkelin eines Samurai aber nie erwartet, wie sie selbst sagt.

Sie misst knapp 1,50 Meter, wiegt 45 Kilogramm und könnte mit nur einer Handbewegung die meisten Männer problemlos zu Fall bringen. Nun hat Keiko Fukuda im hohen Alter von 98 Jahren das erreicht, was vor ihr noch keine andere Frau geschafft hat: Die gebürtige Japanerin bekam den höchsten Judo- Titel, den zehnten Meistergürtel (Dan), verliehen. "Kein einziges Mal" in ihrem Leben habe sie sich das vorstellen können, sagt Fukuda.

Schon seit einigen Jahren kämpft Fukuda nicht mehr. Aber das hält die 98- Jährige nicht davon ab, dreimal in der Woche das Training im "Dojo" in San Franciscos Stadtteil Noe Valley zu beaufsichtigen.

Fukuda lernte bei Judo- Begründer Jigoro Kano

Mit vorsichtigen Minischritten und gestützt von zwei Helferinnen betritt Fukuda- shihan - wie sie als Großmeisterin nun respektvoll genannt wird - den kleinen Trainingsraum. Umgehend unterbrechen die Judo- Schülerinnen ihre Aufwärmübungen und begrüßen die Meisterin mit einer tiefen Verbeugung. Die Ehrfurcht steht den jungen Frauen ins Gesicht geschrieben.

Langsam nimmt die Meisterin neben einem übergroßen Schwarz- Weiß- Bild des Judo- Begründers Jigoro Kano Platz. Mit strengem Blick schaut er während des Trainings auf die keuchenden jungen Frauen hinab. Ihm hat Fukuda es zu verdanken, dass sie 1935 mit dem Kampfsport anfing. Fukudas Großvater war einer der letzten Samurai aus Japans Feudalzeit und Kanos erster Kampfsportlehrer. Aus Dank und Respekt vor ihm hatte Kano die junge Fukuda zum Training eingeladen. Der Judo- Meister hatte 1882 das Kodokan, also die erste Judo- Schule überhaupt, in Japan gegründet.

Die 22- Jährige hatte lediglich Kalligrafie und Teezeremonie gelernt und war anfangs schockiert. "Da sah ich, wie Frauen sich über die Schulter warfen und dabei ihre Beine spreizten. Ich dachte nur: Die haben ja überhaupt kein Benehmen", erinnert sich Fukuda. Doch dann nahm sie selbst Unterricht. "Am Anfang tat ich es nicht aus persönlicher Freude, sondern aus Pflichtgefühl meiner Familie und meinem Großvater gegenüber."

Heiraten kam von da an für sie aber nicht mehr infrage. In Japan entsprach die kämpfende Judoka nicht dem traditionellen Bild der guten Ehefrau. Als Fukuda mit dem Training begann, erloschen damals ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt.

Einzige noch lebende Schülerin Kanos

Fukuda wurde 1953 und nochmals 1966 von Judo- Clubs und Universitäten nach Kalifornien eingeladen, um Seminare zu halten und die bis dahin weniger bekannte Kampfsportart zu unterrichten. Nach ihrem zweiten Besuch blieb sie in den USA. Es hätte dort mehr Möglichkeiten gegeben als in Japan, Mädchen Judo beizubringen, so Fukuda. Seitdem unterrichtet sie in San Francisco - als einzige noch lebende Schülerin Kanos.

Ihre Schülerinnen wissen das zu schätzen. Die 34- jährige Nav sagt: "Nach meinem Ingenieurs- Studium wollte ich von San Francisco wegziehen. Doch dann entschied ich mich hierzubleiben und von Fukuda- shihan zu lernen. Sie ist das letzte noch lebende Bindeglied. Es wäre Unsinn, diese Chance nicht zu nutzen." Auch zwei neue Schülerinnen sind nach ihrer ersten Judo- Stunde begeistert von der Meisterin. "Sie ist eine inspirierende Lehrerin voller Wissen und tritt dennoch stets bescheiden auf", sagt Ema, die über einen Zeitungsartikel von der 98- Jährigen erfahren hatte.

Motivation für die Kämpferinnen

Die kürzliche Ernennung Fukudas zur ranghöchsten Meisterin ist für die jungen Sportlerinnen aus Noe Valley Motivation pur. Zu lange warten Fukudas Meinung nach noch heute Judo- Kämpferinnen auf die Anerkennung ihrer Leistung. Doch das wird sich von nun an ändern, sagte Fukuda- shihan mit einem selbstbewussten Lächeln.

Auch ein Dokumentarfilm über die "Mutter aller Powerfrauen", wie sie bereits in den Medien bezeichnet wird, ist bereits in Arbeit. "Be Strong, Be Gentle, Be Beautiful" soll 2012 fertiggestellt werden (den Link zum Trailer findest du in der Infobox).

Fotos: Flying Carp Productions 

23.08.2011, 12:00
mbr
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