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05.12.2016 - 10:12
Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer im "Krone"-Kreuzverhör
Foto: Zwefo

Stichwahl- Endspurt: Wir hätten da noch 20 Fragen

18.05.2016, 06:15

"Krone"- Besuch der Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Alexander Van der Bellen (72) und Norbert Hofer (45) im Kreuzverhör.

"Krone": Warum wären Sie der bessere Bundespräsident?
Norbert Hofer: Weil ich bei jeder Entscheidung darauf achten werde, dass es eine Entscheidung für Österreich ist.
Alexander Van der Bellen: Weil ich der Diplomatischere bin, weil ich zurückhaltender bin, weil ich mehr zur Zusammenarbeit und zum Zusammenhalt auffordern werde und Österreichs Tugenden auf diese Art wiederbelebe.

"Krone": Was möchten Sie den Österreicherinnen und Österreichern vier Tage vor der Wahl noch gerne sagen?
Hofer: Ich möchte die Menschen bitten zur Wahl zu gehen und vom demokratischen Recht der Stimmabgabe Gebrauch zu machen.
Van der Bellen: Es steht Spitz auf Knopf und ich bitte alle, die für mich Sympathie hegen, zur Wahl zu gehen, und alle jene, die mich wenigstens für das kleinere Übel halten, auch zur Wahl zu gehen.

Foto: Zwefo

"Krone": Der bewegendste Moment im Wahlkampf?
Hofer: Das war auf einer Kundgebung am Stephansplatz, wo sich eine ältere Dame, eine Pensionistin, nach vor gekämpft hat und mir unter Tränen gesagt hat, dass sie hofft, dass es jetzt für Österreich besser wird.
Van der Bellen: Als am Pfingstmontag über 2000 Leute im Wiener Konzerthaus waren und so viele Kunstschaffende - von Hubert von Goisern bis André Heller - aufgetreten sind. Das gibt einem so viel.

"Krone": Und auf welchen hätten Sie gerne verzichtet?
Hofer: Als in Tirol ein sehr aggressiver Mensch auf unser Wahlkampf- Auto losgegangen ist und uns wüst beschimpft hat.
Van der Bellen: Auf die ATV- Diskussion am Sonntag.

"Krone": Über wessen Unterstützung haben Sie sich am meisten gefreut?
Hofer: Über die Unterstützung meiner Frau im Wahlkampf.
Van der Bellen: Von so vielen Kunstschaffenden, Künstlern, Schauspielern, Musikproduzenten, also Menschen, die eigentlich nicht so politiknahe sind.

"Krone": Hat die Sympathie für Ihren Kontrahenten im Wahlkampf eher zu- oder abgenommen?
Hofer: Die Sympathie für den Menschen Dr. Van der Bellen hat zu- , die Sympathie für den Politiker Dr. Van der Bellen hat abgenommen.
Van der Bellen: Gleich geblieben. (Lacht.)

Der freundliche Eindruck täuscht: Die Debatte war von untergriffigen Verbalattacken geprägt.
Foto: APA/HANS PUNZ

"Krone": Was fällt Ihnen spontan zu folgenden Stichworten ein?
Regierung: Verantwortung (Hofer); Neustart (Van der Bellen)
Flüchtlinge: Sicherheit (Hofer); Obdach für Menschen in Not (Van der Bellen)
EU: Weiterentwicklung (Hofer); Wichtig für Österreich (Van der Bellen)
Kriminalität: Bekämpfen (Hofer); Null Toleranz (Van der Bellen)
Burschenschaften: Freiheit (Hofer); Das Deutsch- Nationale ist wenig hilfreich (Van der Bellen)
Mindestsicherung: Gerechtigkeit (Hofer); Betrifft Arme (Van der Bellen)
Kirche: Geborgenheit (Hofer); Es gibt mehrere Kirchen, sie sind alle wichtig (Van der Bellen)
Heimat: Österreich (Hofer); Großartig! (Van der Bellen)
Islam: Religion (Hofer); Bürgermeister von London (Van der Bellen)
Umwelt: Sauberkeit (Hofer); Erhaltung der Schöpfung (Van der Bellen)

"Krone": Österreich im Jahr 2028 - Ihre Vision in einem Satz.
Hofer: Ein Land in Frieden, Freiheit und Sicherheit.
Van der Bellen: Modern, innovativ, wohlstandgesichert.

"Krone": Sagen Sie etwas Positives über Ihren Kontrahenten.
Hofer: Dr. Van der Bellen ist überzeugt von dem, was er sagt, denkt es aber nicht immer.
Van der Bellen: Hofer ist überzeugt von dem, was er denkt, sagt es aber nicht immer.

"Krone": Worüber haben Sie sich geärgert?
Hofer: Über seine aus meiner Sicherheit nicht ganz klare Linie zu TTIP.
Van der Bellen: Über diesen Vizebürgermeister in Niederösterreich, der Österreicher ausweisen will. Und es gibt keine Stellungnahme dazu von Herrn Hofer!

"Krone": Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie viel Macht hat der Bundespräsident?
Hofer: 7
Van der Bellen: 6

"Krone": Was wäre Ihre erste Amtshandlung?
Hofer: Ein Gespräch mit dem Herrn Bundeskanzler.
Van der Bellen: Ich würde ein Gespräch mit dem Herrn Bundeskanzler führen.

Die Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer
Foto: APA/Helmut Fohringer

"Krone": In welches Land würde Ihr erster Staatsbesuch führen?
Hofer: In die Schweiz.
Van der Bellen: Hoffentlich nach Paris zum Endspiel.

"Krone": Österreich ist...
Hofer: ... Katalysator für Friedensgespräche, wie man jetzt auch wieder sieht, und das ist sehr wichtig.
Van der Bellen: ... ein wunderbares Land mit einer großen Geschichte.

"Krone": Wie sicher sind Sie, dass Sie die Stichwahl am kommenden Sonntag gewinnen werden?
Hofer: 80 Prozent
Van der Bellen: 50:50, es kommt auf jede Stimme an.

"Krone": Wie hoch schätzen Sie Ihren Stimmenanteil in Prozent?
Hofer: 52 zu 48 - für mich natürlich.
Van der Bellen: Ich hoffe auf 51 Prozent.

"Krone": Warum wird es sich gelohnt haben, so hart zu kämpfen?
Hofer: Weil ich Verantwortung für ganz viele Menschen trage, für Tausende Funktionäre, die sich tagtäglich einsetzen, für die Österreicher, die sich viel erhoffen.
Van der Bellen: Weil sehr viele Hoffnungen auf einem ruhen und auch Ängste, dass Hofer und Strache im Doppelpack kommen.

Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

"Krone": Wie werden Sie den Sieg am Sonntag feiern?
Hofer: Meine Frau und alle meine Kinder werden mit dabei sein am Wahltag. Beim Fest am Abend werde ich früh heimgehen. Ich bin jemand, der sich lieber still freut.
Van der Bellen: Bei einem Bier mit großer Erleichterung im Kreise meines Clans - Familie plus Freunde.

"Krone": Sind Sie auch ein guter Verlierer und woran wird man das erkennen?
Hofer: Ich habe natürlich auch gelernt zu verlieren im Leben. Erkennen würde man es an meiner Gratulation am Wahlabend.
Van der Bellen: Beim Kartenspiel schon, aber hier geht es um mehr... Ich würde natürlich Herrn Hofer und Österreich alles Gute wünschen.

"Krone": Worauf freuen Sie sich nach dem 22. Mai am allermeisten?
Hofer: Am Montag werde ich mit meinem Fahrrad die Bucklige Welt bereisen, darauf freue ich mich schon.
Van der Bellen: Ich hoffe, mein Team verschafft mir einen Halbtag ohne Termine.

18.05.2016, 06:15
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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