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19.08.2017 - 21:30
Foto: Christoph Gantner

¿Missbrauch passiert in den Familien¿

07.05.2008, 01:00
Am Amstettener Missbrauchsfall und Täter Josef Fritzl entzündet sich (wieder einmal) eine Debatte um härtere Strafen für Sexualtäter. Der Linzer „Männerarzt“ und Sexualmediziner Georg Pfau hat einen anderen Ansatzpunkt. Er will verhindern, dass Männer zu Tätern, Kinder zu Opfern werden.

Der traurige Anlassfall in Amstetten hat das Thema Kindesmissbrauch in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gerückt. „Dass sich der Vater an seinen Kindern vergreift, kommt aber so oft vor, dass sich das ,Otto Normalverbraucher´ gar nicht vorstellen kann“, sagt Georg Pfau. „90 Prozent der Missbrauchsfälle passieren innerhalb der Familie.“

Und meist bleibt das schreckliche Geheimnis in der Familie. „Da kommt ein Paar wegen sexueller Probleme zu mir, und schnell stellt sich heraus, dass die Frau als Kind vom Vater missbraucht worden war. Aber das soll auch heute noch niemand wissen.“

Georg Pfau will solchen schwerwiegenden Folgen, unter denen Menschen und auch ihre Partner ein Leben lang leiden, vorbeugen. „Verstehen Sie mich richtig. Ich will nicht die Täter schützen, sondern verhindern, dass es überhaupt kindliche Opfer gibt.“

Vorbild für seine Arbeit ist das Projekt „Dunkelfeld“ der Charité in Berlin, das sich mit dem Slogan „Lieben Sie Kinder mehr als Ihnen lieb ist?“ an pädophile Männer richtet, die noch nicht straffällig geworden sind. „Die Berliner Männerstudie zeigt, dass fast zehn Prozent der Männer phädophile Fantasien haben. Drei Prozent setzen sie in die Tat um. Das gilt es zu verhindern!“ Behandlung bietet Georg Pfau auch in seiner Praxis in der Linzer Franckstraße an.

„Pädophile Neigungen sind nicht heilbar!“

Derzeit sind in der Praxis von Georg Pfau vier Männer (freiwillig!) wegen pädophilen Neigungen in Behandlung. Vorbild ist das Projekt „Dunkelfeld“ an der Berliner Charité.

Ist Pädophilie heilbar?
Nein. Diese sexuelle Neigung setzt sich spätestens mit der Pubertät im Gehirn fest, und das ist unveränderbar. Wir wissen nicht, warum Betroffene auf Kinderkörper reagieren.

Wie können Sie dann Ihren Patienten helfen?
Es geht bei der Behandlung um Selbsterkenntnis, um das Evaluieren, ob es eine sexuelle Haupt- oder Nebenpräferenz ist, um Gefahrenquellen und Konsequenzen. Wenn ein pädophiler Mann Lehrer ist, darf er keine Kinder unterrichten.

Ist ein Mann schon pädophil, wenn er Kinderpornos anschaut?
Eindeutig ja.

 

Foto: Christoph Gantner

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