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28.02.2017 - 14:52
Foto: Sony Music

Dave Gahan: Zuerst Soulsavers, dann Depeche Mode

21.10.2015, 17:00
Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan ist auch weiterhin rastlos und hat mit Rich Machin und seinen Soulsavers die zweite Kooperation in Albumform gegossen. "Angels & Ghosts" nennt sich das atmosphärisch-melancholische Teil, auf dem Gahan eine Reise durch seine Gedankenwelt anbietet und sich stimmlich in Topform zeigt. Aber auch mit Depeche Mode ist viel geplant, wer uns im Interview gut gelaunt verraten hat.

"Krone": Dave, deine Beziehung zu Soulsavers- Chef Rich Machin klingt wie ein Märchen. Erst haben die Soulsavers Depeche Mode bei Konzerten supportet, dann hast du mit ihnen das Album "The Light The Dead See" geschrieben und weitere drei Jahre später erscheint die Dave Gahan/Soulsavers- Kooperation "Angels & Ghosts". Was macht eure Beziehung so magisch und fruchtbar?
Dave Gahan: Wir haben über die Jahre eine ganz spezielle Freundschaft zueinander aufgebaut und wenn es um Musik geht, haben wir dieselben Interessen und Geschmäcker. Weit wichtiger ist aber die Musik, die wir eben zusammen kreieren, die für mich auch eine starke Abkehr zu Depeche Mode ist. Dort setzen wir ja viel stärker auf Elektronik und Industrial- Elemente, während Dave Gahan & Soulsavers wesentlich wärmer und emotionaler klingen. Mit Rich arbeite ich viel organischer. Wir folgen eher eine Idee oder Intention, als uns zusammenzusetzen, um den bestmöglichen Song zu suchen. Ich weiß nicht, ob das die richtige Umschreibung ist, aber die Zusammenarbeit mit den Soulsavers ähnelt einer Art von Freigeist, einer gewissen Unbefangenheit. Zwischen den melodischen als auch lyrischen Ideen versuchen wir extrem viel Atmosphäre, aber auch genügend Freiraum einzubauen.

"Krone": Ich finde die Atmosphäre auf "Angels & Ghosts" sehr dunkel und sinister. Was war der Grund, eine derart emotionales, eindringliches Album zu erschaffen?
Gahan: Das liegt vor allem daran, dass ich hier weiß, dass das Erschaffene vollständig von mir selbst ist. Mit Rich setze ich mich am Ende des Tages zusammen, um die richtigen Arrangements zu finden und zu überlegen, wie wir die Songs am besten ordnen und mixen. Auch welche Musiker wir auf dem Album haben wollen. Bei meinem Soloprojekt ist alles sehr gut geplant und eine Grundidee wird weiterverfolgt und perfektioniert. Depeche Mode gehen wesentlich experimenteller vor. Martin Gore und ich sind das Rückgrat der Band und dann kommt es immer darauf an, mit wem wir sonst noch zusammenarbeiten. Unser Part ist es, mit den Songs ins Studio zu kommen und Martin ist dann der Musiker, der die Songs weiterbearbeitet und zu Ende bringt und für unser letztes Album hat ihm Christopher Berg geholfen, die Teile zu spielen und das Album aufzunehmen. Meine Aufgabe ist es dann, meine Stimme in den Song zu bringen und eine bestimmte Atmosphäre zu entfachen. Das ist keine einfache Sache, weil einfach viele Menschen mit vielen Meinungen mitarbeiten und man muss unendlich viele Kompromisse eingehen. Mit den Soulsavers muss ich das nicht wirklich machen, ich kann die Songs arrangieren, wie es mir gefällt. Das ist eine Freiheit, die mich sehr stark inspiriert und mich auch dazu führt, dass ich Ende dieses Jahres wahrscheinlich noch mit Martin zusammensitzen werde, um ein weiteres Depeche- Mode- Album zu besprechen.

In mir wurde mit "Angels & Ghosts" wieder neues Feuer entfacht und ich kann mit dieser Motivation im Rücken dann eben wieder etwas ganz anderes in Angriff nehmen. Die Arbeiten könnten nicht unterschiedlicher sein. Bei Depeche Mode fließen auch die Erfahrungen und Erlebnisse unserer Fans und aller Menschen ein, die mit unseren Songs etwas verbinden können. Auf Tour merke ich immer, dass man den Gedanken, dass das jetzt deine Songs wären, ziehen lassen muss. (lacht) Dem ist nicht so, die Songs gehören einfach vielen Menschen. Ich liebe es live mit unserem Wiener Drummer Christian Eigner oder Keyboarder Peter Gordino zu spielen. Sie sind nicht nur hervorragende Musiker, sondern bereiten mir auch abseits davon eine schöne Zeit. Auf Tour sind wir mehr als 100 Leute, als Solokünstler mit Soulsavers ist das ganz anders. Wir sind einfach eine Gruppe von Musikern, die alle das eine Ziel haben, ein möglichst starkes Album zu erschaffen. Durch die Hilfe all dieser großartigen Musiker konnten wir dieses Ziel auch erreichen.

"Krone": Es gibt Gerüchte, dass du mit Christian Eigner ohnehin schon an neuen Depeche- Mode- Songs arbeitest?
Gahan: Das stimmt. Christian, Peter Gordino und ich haben ein paar Ideen, die wir schon mal zusammengeworfen haben. Ich habe ihnen aber vor ein paar Monaten gesagt, dass ich diese Ideen derzeit nicht genau weiterverfolgen kann, weil mein Fokus am Soulsavers- Projekt liegt. Ich bin mir aber sicher, dass wir bis zum Jahresende zusammenfinden werden, um diese Gedanken zu präzisieren und zu erweitern. Ich arbeite auch mit Kurt Uenala, mit dem ich schon für "Delta Machine" Songs geschrieben habe, an neuem Material. Wir haben auch schon ein bisschen aufgenommen, aber ich bin momentan in der Phase, wo ich diese ersten rohen Demos mal zu Martin schicken und um seine Meinung dazu bitten werde. (lacht) Ich hoffe eben, dass Martin und ich heuer noch zusammenkommen, um das genauer zu diskutieren, aber es würde mich nicht überraschen, wenn wir nächstes Jahr für eine Albumaufnahme ins Studio gehen werden.

"Krone": Zurück zu deinem Soloalbum - gerade auf Songs wie "Lately" oder "Tempted" ist deine Stimme verletzlicher, aber auch kräftiger als je zuvor. Wie intensiv fühlt sich das an, wenn man seine Emotionen derart inbrünstig ausdrückt?
Gahan: Songtitel und Wörter wie "Tempted" oder "Shine" kamen quasi in visueller Form zu mir. Ich habe diese Ideen dann weiterverfolgt und zu Melodien feingeformt und am Ende machte das Gesamtprodukt Sinn. Die Wörter verbinden sich auch perfekt mit den Gefühlen und Emotionen, die die Musik auf "Angels & Ghosts" wiedergibt. Ich folge dann einfach meinen Gefühlen und ich finde, dass ich hier ein paar meiner stärksten Vocal- Leistungen meiner ganzen Karriere produziert habe. Das kam auf ganz natürlichem Wege zu mir, es war oft selbst für mich sehr überraschend.

"Krone": Die erste Hälfte des Albums ist sehr orchestral, aber auch etwas "fröhlicher" geraten, die zweite wird immer depressiver und trauriger. Hast du diesen Weg bewusst gewählt, um den Hörer auf eine große Reise mitzunehmen?
Gahan: Die erste Hälfte inkludiert Songs wie "Shine" oder "All Of This And Nothing", die zweite Hälfte beginnt mit "One Thing" und endet mit "My Sun". Die Songs sind schon so arrangiert, dass sie dich definitiv auf eine kleine Reise mitnehmen sollen. Textlich als auch musikalisch ist die zweite Hälfte wesentlich melancholischer ausgefallen, obwohl das Ergebnis für mich dennoch aufbauend und erhebend klingt.

"Krone": Willst du mit dem Titel "Angels & Ghosts" vielleicht auch auf einen Kampf zweier Extreme in deinem eigenen Geist, deinen Gedanken hinweisen? Dazu würde auch das Cover- Artwork passen, dass dich in einer fast schon schizophrenen Dreiteilung zeigt.
Gahan: Das stimmt, ich singe auf dem Album metaphorisch über Dinge, dir mir in meinem alltäglichen Leben wiederfahren. Da geht es einfach um die Beziehungen und Menschen in meinem Leben. Die Geister repräsentieren für mich die Erinnerungen der Vergangenheit, aber auch der Gegenwart. Ich bin mir bewusst, dass das einzige, das wir mitnehmen, wenn wir diesen Planeten einmal verlassen werden, eine Handvoll Erinnerungen sein werden. (lacht)

"Krone": Fühlst du dich heute selbstbewusster und sicherer, wenn es ums Songwriting geht?
Gahan: Ich denke schon. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich in der richtigen Stimmung und Situation die Gefühle, die in mir geweckt werden, in einen Song kanalisieren kann.

"Krone": Ende Oktober hast du eine Handvoll exklusiver Shows in Europa angekündigt. Ist da noch mehr geplant? Vielleicht ein Abstecher nach Wien?
Gahan: Derzeit gibt es dafür keine Pläne, aber ich würde das nicht ausschließen. Wir alle waren sehr überrascht und begeistert davon, dass alle bisher angekündigten Shows relativ schnell ausverkauft waren. Es scheint so, als ob die Leute an meiner Musik interessiert werden, insofern könnte es schon passieren, dass wir uns noch weitere Termine überlegen. In Wien zu spielen wäre natürlich verdammt cool.

21.10.2015, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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