Mo, 11. Dezember 2017

Volksabstimmung

07.10.2017 22:20

Das kleine Dorf jenseits der Grenze

Die "Krone" besuchte Libeliče - ein Grenzdorf, das zwei Jahre nach der Volksabstimmung von 1920 noch nach Jugoslawien wechselte…

Am Dienstag, 10. Oktober, jährt sich der Tag der Kärntner Volksabstimmung bereits zum 97. Mal. Traditionsvereine veranstalten Fackelzüge und in Schulen widmet sich der Unterricht Abwehrkampf und Abstimmung. Aber nicht nur in Kärnten gedenkt die Bevölkerung dieses Ereignisses. Auch für den kleinen slowenischen Grenzort Libeliče, unweit von Neuhaus, markiert der 10. Oktober eine besonders prägende Phase der Dorfgeschichte.

Bei der Volksabstimmung 1920 sprachen sich die rund 500 Ortsbewohner nämlich mehrheitlich für den Anschluss an den SHS-Staat aus - dennoch blieb der Ort als Teil der Plebiszit-Zone A bei Österreich. Erst nach vielen Protesten und zähen Verhandlungen folgte zwei Jahr später eine erneute, kleine Abstimmung und Libeliče wurde schließlich am 1. Oktober 1922 an Jugoslawien angeschlossen - durch eine Abstimmung nach der Abstimmung also.

"Die zentrale Figur in dieser Zeit war der Ortspfarrer Anton Vogrinec, ohne seine Hartnäckigkeit und seine Bemühungen wäre das alles wohl kaum möglich gewesen", erzählt Adrijan Zalesnik, der direkt in Libelièe ein Museum über das kleine "Dorf an der Grenze" und dessen bewegte Geschichte leitet. "Wir sind das einzige offizielle Museum in Slowenien, das die Kärntner Volksabstimmung dokumentiert." Untergebracht ist die Ausstellung im historischen Pfarrhaus aus dem 17. Jahrhundert, dort, wo Pfarrer Vogrinec lebte. Neben den Exponaten über die Volksabstimmung beinhaltet das Museum auch eine komplett erhaltene Rauchküche mit Feuerstelle, eine historische Schulklasse sowie 900 Exponate über das bäuerliche Leben.

Auch heute zählt Libeliče, das sich nur 200 Meter vom Grenzübergang Leifling befindet, rund 600 Einwohner und zeigt uns einmal mehr, wie ein friedliches Miteinander in der heutigen Zeit funktionieren sollte. Denn das Dorf, das sich 1922 von Österreich abgespalten hat, pflegt heute mit den Kärntnern über der Grenze eine Freundschaft, die kaum harmonischer sein könnte.

Alle Infos zum Museum an der Grenze findet man unter www.libelice.si

Alexander Schwab, Kärntner Krone

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