Mo, 23. Oktober 2017

Intim wie selten

04.09.2017 07:42

Angelina Jolie: „Nichts Positives am Singlesein“

Die Fans machten sich Sorgen um Angelina Jolie, weil Bilder von ihrer Kambodscha-Reise sie erschreckend mager zeigten. Danach sprach sie erstmals über ihre Trennung von Brad Pitt. Sie leide unter Bluthochdruck und einer Lähmung der Gesichtsnerven. Beim Interview zu ihrem neuen Film "Der weite Weg der Hoffnung" sitzt mir aber eine Angelina Jolie gegenüber, die alle Sorgen zerstreut.

Durch das beige Bottega-Veneta-Kleid zeichnen sich Kurven ab, und das Lächeln ist strahlend wie eh und je. Ja, sie wird ernst, ihre Stimme rau, und es treten sogar Tränen in ihre Augen, wenn die Fragen ins Private gehen.

"Krone": Was gefällt Ihnen daran, Single zu sein? Und was gefällt Ihnen nicht?
Angelina Jolie: Mir gefällt nichts daran. Es ist nicht etwas, was ich wollte.

Gibt es eine gute Seite?
Nein. Tut mir leid, aber es gibt nichts Gutes. Es ist nur schwer.

Woher nehmen Sie die Zeit als alleinerziehende Mutter, nebenher auch noch Filme zu drehen?
Im letzten Jahr war das unmöglich. Ich musste und wollte mich ausschließlich um meine Kinder kümmern. Jetzt fange ich wieder an, die richtige Balance zwischen Heimleben und Beruf zu finden. Jede Mutter weiß, wie schwierig das ist. Und ich tu mich damit besonders schwer. Ich liebe es, Mama zu sein. Was zu kurz kommt, ist Zeit für mich selbst zu finden.

Sie haben verraten, dass Sie nach Ihrer doppelten Mastektomie in die Wechseljahre gekommen sind. Belastet Sie das psychisch?
Das lasse ich nicht zu. Ich bin so glücklich, keinen Krebs zu haben. Trotzdem haben die frühen Wechseljahre natürlich negative Auswirkungen auf meinen Körper. Besonders weil ich nach dem schweren letzten Jahr emotionell angeschlagen bin und auch mich noch mit anderen gesundheitlichen Probleme herumschlagen muss.

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
Wachsam sein. Alles, was in mir vorgeht, beobachten. Das Wichtigste ist, dass ich viel lache und glücklich bin, weil das den Stress abbaut. Lachen, lieben, leben - das ist mein tägliches Motto. Ich weiß, ich klinge wie ein Spruch auf einer Postkarte, aber es stimmt.

Sie sind sehr offen mit Ihrer Krankheit umgegangen und haben so viel von Ihrer Privatsspähre geopfert.
Nichts wäre für mich schlimmer, wenn man sein Leben in Schweigen lebt und weiß, dass man anderen Frauen in derselben Situation helfen könnte - einfach indem man den Mund aufmacht. Wenn ich mich abends mit dem guten Gewissen, alles Menschenmögliche getan zu haben, ins Bett legen kann, dann ist dieses Gefühl jedes Opfer wert.

Wie sind die Kinder mit den schwierigen Umständen in der letzten Zeit klargekommen?
Sie sind außergewöhnlich. Es hat mich unheimlich bewegt, wie sehr sie einander geholfen haben. Besonders die großen Brüder waren für die kleineren Kids da und haben mich damit sehr unterstützt. Es ist beruhigend, dass meine Kinder so eng zusammenhalten und füreinander sorgen. Das zu wissen, gibt mir inneren Frieden. Denn der Tag kommt, wenn ich nicht mehr da bin.

Unterstützen die Kids auch Sie?
Ja! Sie kochen. Ich nehme zwar gerade Kochunterricht, aber es ist etwas, worin ich nie sehr gut sein werde. Mir fehlt einfach die Geduld dazu, hinter dem Herd zu stehen. Ich versuche aber mein Bestes. Zum Glück sind meine Kinder fähiger als ich und springen oft ein. Wir machen dann eine Party in der Küche.

Aber irgendetwas müssen Sie doch gut kochen können.
Nichts Bestimmtes. Wenn ich mich an ein Rezept halten muss, geht das meistens völlig daneben. Ich war noch nie gut darin, Regeln zu folgen. Manchmal kommt versehentlich was erstaunlich Leckeres dabei raus, wenn ich einfach wild drauflos koche.

Ihr Weingut Miraval in Frankreich produziert sehr gute Weine. Werden Sie das auch in Zukunft weiter betreiben?
Auf jeden Fall. Demnächst kommt ein neuer Wein von uns auf den Markt. Das Miraval Gut ist etwas besonders Schönes für unsere Familie. Wir haben eine tiefe Verbindung damit. Ich hoffe, das bleibt auch weiterhin so.

Wenn Sie reisen, fliegen Sie eigentlich selbst?
Ich kann es noch, aber ich hatte schon länger keine Zeit mehr dazu. Dafür fliegen alle meine Boys grade. Sie nehmen Flugunterrricht. Sogar Knox. Ich muss ihm allerdings helfen, weil er noch nicht an die Pedale rankommt. Die Kids fliegen so viel, dass ich sie am Wochenende kaum noch zu Gesicht bekomme.

Was ist für Sie die größte Herausforderung bei der Kindererziehung?
Meine Kinder machen zu lassen, ohne einzugreifen. Ich neige dazu, Dinge zu übernehmen.

Was ist das Wichtigste, was Sie den Kids mit auf den Weg geben können?
Ich versuche alles, dass sie glücklich sind und einen positiven Ausblick haben. Ich will, dass sie unbeschwert lachen können, aber auch, dass sie für sich einen bestimmten Sinn im Leben entdecken. Sie sollen einen Pfad finden und einen Drive entwickeln. Natürlich werden sie besonders als Teenager durch schwierige Situationen gehen und es wird Komplikationen geben. Ich hoffe nur, dass keiner von ihnen so schlimm und schwierig ist wie ich als Teenager (lacht). Bislang ist das nicht der Fall.

Der neue Film ist eine Familienangelegenheit. Ihr 16-jähriger Sohn Maddox taucht im Abspann als Executive Producer auf.
Ja da stimmt. Mad kommt ja aus Kambodscha und er kannte Loung, das Mädchen, um das der Film geht, persönlich. Er war sein ganzes Leben lang mit ihrer Story vertraut. Und den Titel Produzent hat sich Mad verdient. Er musste tägliche Recherchen machen und mir beim Schneiden helfen. Es war für mich sehr wichtig, die Perspektive eines Kinds zu haben, weil die oft eine andere ist als die eines Erwachsenen.

Wie schwierig ist es als Regisseurin, mit Kindern vor der Kamera zu arbeiten?
Man darf junge Darsteller nicht puschen, wie man es mit älteren tut. Bei dem kleinen Mädchen, das die Hauptrolle spielt, hatte ich gar keine großen schauspielerischen Leistungen erwartet. Man kann viele Dinge durch guten Filmschnitt erzeugen. Am Ende hat mich aber völlig überrascht, was sie geleistet hat. Es war unglaublich. Als ich sie am Ende fragte, ob sie nun Schauspielerin werden will, sagte sie: "Nein. Regisseurin." Was für ein kluges Girl (lacht).

Was würden Sie in Zukunft gerne tun, was Sie bislang noch nicht getan haben?
Ich denke darüber nach, ein Buch zu schreiben. Über die Geschiche von sexueller Gewalt gegen Frauen und wie wir in Zukunft damit umgehen. Aber wer weiß, vielleicht schreib' ich auch was anderes. Vielleicht ein Kochbuch (lacht).

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ich hoffe, dann immer noch gesund zu sein und weiterhin meine kreative Ader befriedigen zu können. In zehn Jahren werden alle Kinder aus dem Haus sein. Ich habe keine Ahnung, was ich dann mache. Vielleicht gibt es dann ja schon Enkelkinder, um die ich mich kümmern kann.

Interview: Dierk Sindermann

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