Fr, 27. April 2018

Song Contest in Kiew

22.03.2017 14:44

Ukraine lässt Russlands Kandidatin nicht einreisen

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat nun endgültig auch den Eurovision Song Contest erreicht: Der ukrainische Geheimdienst SBU hat Russlands ESC-Teilnehmerin Julia Samoilowa die Einreise verboten. Dadurch kann die Sängerin nicht beim 62. ESC Mitte Mai in Kiew auftreten. Sie dürfe für drei Jahre nicht in die Ukraine einreisen, sagte Geheimdienstsprecherin Jelena Gitljanskaja.

Die Entscheidung sei aufgrund von früheren Verstößen gegen ukrainische Gesetze getroffen worden. Anlass ist ein aus Kiewer Sicht illegaler Auftritt der Sängerin auf der Halbinsel Krim, die Russland 2014 annektiert hatte. Die Sängerin Samoilowa, die seit ihrer Kindheit im Rollstuhl sitzt, wurde 2013 als Teilnehmerin einer russischen TV-Show bekannt und sang bei der Eröffnung der Paralympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Im Juni 2015 ist sie in der Stadt Kertsch auf der Krim aufgetreten. Reisen auf die Halbinsel über Russland sind seit der Annexion aber von ukrainischer Seite verboten und werden mit einer mehrjährigen Einreisesperre geahndet.

Der früher als Grand Prix bekannte ESC soll laut Statuten unpolitisch sein. Die Halbfinale des ESC 2017 finden am 9. und 11. Mai in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, das Finale am 13. Mai. Österreichs Kandidat Nathan Trent muss sich dafür im 2. Halbfinale am 11. Mai qualifizieren.

Veranstalter wollen Lösung für Russland finden
Die Veranstalter kündigten an, die Situation genau zu beobachten. Man wolle doch eine Lösung finden, damit Samoilowa an dem Wettbewerb teilnehmen könne, sagte der Sprecher der European Broadcasting Union, Dave Goodman, der Agentur Tass. Die Entscheidung dürfte das ohnehin seit Jahren schwerbeschädigte Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine weiter belasten. Das Außenministerium in Moskau kritisierte den Schritt umgehend. "Das ist ein weiterer empörender, zynischer und unmenschlicher Akt der Kiewer Behörden", sagte Vizeaußenminister Grigori Karassin. 

Russland empfindet Entscheidung als Dummheit
Kritiker in Russland hatten bereits einen Boykott des ESC gefordert, sollte ihrer Sängerin die Einreise verboten werden. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte solche Forderungen am Dienstag abgelehnt. Doch verfolge der Kreml die Entwicklungen genau, hatte er gesagt. Der frühere Kulturminister Michail Schwydkoj verurteilte die Entscheidung der Ukraine als Fehler und Dummheit. "Wenn ein Land einen internationalen Wettbewerb ausrichtet, muss es auch den Teilnehmern Zugang verschaffen", forderte er. Der präsidentennahe Kiewer Politologe Taras Beresowez kommentierte auf Facebook: "Das Gesetz hat triumphiert. Julia Samoilowa ist bestraft. So wird es mit jedem sein, der die Normen des ukrainischen und internationalen Rechts missachtet. Die Krim gehört zur Ukraine!"

Die Lage zwischen Moskau und Kiew ist seit 2014 kritisch. Die Einverleibung der Krim und der Krieg zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten im Donbass belasten die Beziehungen massiv. Beide Seiten haben sich gegenseitig mit Sanktionen überzogen. Unter anderem gibt es keine direkten Flugverbindungen mehr zwischen den beiden kulturell, wirtschaftlich und historisch eng mit einander verbundenen Nachbarstaaten.

2016 siegte die Krimtatarin Jamala mit dem Lied "1944" für die Ukraine. Er erinnert an die Deportation ihres Volkes von der Krim. Viele werteten das Lied als Provokation gegen Moskau; viele Russen waren empört, dass die Ukraine mit einem ihrer Ansicht nach politisch motivierten Lied gewinnen konnte. Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur sind während des Contests eigentlich untersagt. Dies gilt ebenso für die Texte wie für die Bühnenshow.

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