Di, 17. Oktober 2017

Hörbiger und Zechner

30.05.2016 17:38

Exquisiter Treff mit zwei echten Humanistinnen

Sie kennen und schätzen einander seit Langem. Grund genug für die "Krone", Schauspiel-Grande-Dame Christiane Hörbiger und ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner zum Morgen-Kaffee zu bitten. Der Anlass? Der laufende ORF/ZDF-Dreh von "Die Muse des Mörders", der neueste Streich mit der Schauspielerin.

"Krone": Im Film geht es um Musen, es geht um Inspiration. Nun haben Sie beide kreative Jobs - was inspiriert Sie?
Kathrin Zechner: Inspiration kann ja etwas mit Manipulation zu tun haben. Aber Inspiration im puren Sinne ist für mich, wenn eine Persönlichkeit, aber auch eine Gegend, aber auch ein Kunstwerk mich anregt, einen guten Gedanken zu haben, oder ein gutes Werk, Idee, etc. umzusetzen.
Christiane Hörbiger: Ja, das ist sehr gescheit. Ich bin nicht Regie-hörig, aber ich bin von guten Regisseuren abhängig, sodass ich sehr aufpassen muss, mit welchem Regisseur ich arbeite, weil ich von vorne herein immer denke, der weiß es besser. Das ist auch eine Beeinflussung gewesen aus meiner Zürcher Theaterzeit, wo ich einfach funktionieren musste und froh war, dass ich einen Vertrag hatte. Also ich bin Regisseur-abhängig, darum muss ich sehr aufpassen, mit wem ich arbeite.

"Krone": Wenn es, so wie in diesem Fall, der eigene Sohn ist?
Hörbiger: Wenn es der Sohn ist, ist das ein ganz glückliches Zusammentreffen. Von einem guten Regisseur, der mir auch Gutes will. Man muss ja auch immer aufpassen, ob nicht dann irgendeine junge Person hinter mir steht, die er dann ins bessere Licht rücken möchte, der Regisseur...

"Krone": Haben persönliche Befindlichkeiten in diesem Zusammenhang überhaupt Platz?
Hörbiger: Nein, persönliche Befindlichkeit darf keine Rolle spielen.

"Krone": Die kann man abdrehen? Kaum vorstellbar...
Hörbiger: Ja, das geht nicht anders. Wir arbeiten sicher, ich weiß nicht, ob ich auch für Frau Magister Zechner spreche, aber wir arbeiten ja nicht nur mit Leuten zusammen, die uns lieben oder die wir lieben. Nicht?
Zechner: Also ich würde mal sagen, nachdem ich das Glück habe, dich schon länger zu kennen, bist du eine höchst eigenständige Schauspielerin und Dame, die sehr geschickt und sehr konsequent ihre Persönlichkeit sehr wohl einbringt. Ich habe dich erlebt, egal ob im Kino, ob im Fernsehfilm, ob in der Serie... ich würde dich auch gerne einmal wieder im Theater erleben … (lacht). Aber was ich sagen möchte, ist, du bist eine ganz starke Persönlichkeit und ich würde einmal sagen, deine Qualität ist ja auch, dass du nicht jedes Buch und nicht jede Regie annimmst!
Hörbiger: Nein stimmt!
Zechner: Das ist eine sehr selbstständige Entscheidung, die du dir durch deine Freiheit, eben durch deine Qualität erarbeitet hast. Und insofern ist die Entscheidung, mit welchem Buch und mit welchem Regisseur oder welcher Regisseurin man arbeitet, eine sehr eigenständige. Und so wie ich Schauspieler, Schauspielerinnen und Regie erlebt habe, ist das schon auch eine gegenseitige Inspiration, mit der man an der Interpretation einer Rolle arbeitet - und da habe ich dich sehr eigenständig erlebt.
Hörbiger: Aber wir reden jetzt von dir.
Zechner: Na da wollte ich noch nachhaken!
Hörbiger: Aber ich bin doch sehr neugierig. Du musst doch bestimmt auch sehr aufpassen, wer bei Dir versucht Einfluss zu nehmen.
Zechner: Ja, natürlich. Natürlich ist das so - und es ist ähnlich wie bei dir. Das hat damit zu tun, dass man sich Eigenständigkeit erarbeitet. Das heißt, wenn man als junger Mensch in den Beruf eintritt.
Hörbiger: in deinen (Beruf, Anm.).
Zechner: Ja, in meinen, wenn man Redaktionsassistentin ist, oder Volontärin ist, oder Praktikantin ist, hat man sich auch einzuordnen und seinen Weg zu erarbeiten, bis man größere Freiheiten hat. Und zum jetzigen Zeitpunkt habe ich mir mein Selbstwertgefühl, Respekt und Eigenständigkeit erarbeitet und kann über weiteste Strecken sehr frei arbeiten. Dort wo ich nicht frei bin, sind auf der einen Seite logischerweise Gesetzesbedingungen und auf der anderen Seite natürlich auch budgetäre Bedingungen. Aber in diesen groben Rahmen kann ich sehr eigenständig und frei arbeiten. Doch Inspiration oder Gedankenaustausch ist schon etwas, was ich suche, weil ich finde, ein kluges Gespräch - nicht immer nur im speziellen Fach, sondern auch um das Fach herum - hat mich sehr oft sehr viel weitergebracht. Also ich finde, kluge Gespräche sind einfach geistige Nahrung und bringen einen weiter.

"Krone": Was ist mit den "Einflüsterern"?
Zechner: Also bei mir sind "Einflüsterer" chancenlos. Das geht bei einem Ohr rein und beim anderen Ohr wieder raus.
Hörbiger: Ab einem gewissen Alter ist man diesbezüglich erfahren genug, um differenzieren zu können. Und ich habe vorher vom Züricher Schauspielerhaus gesprochen, wo ich absolut abhängig war von dem Haus und ja alleinerziehende Mutter war. Man muss manchmal Kompromisse eingehen. Da konnte ich nicht einfach sagen: 'Mit dem Regisseur arbeite ich nicht'. Sehr imponiert hat mir in diesem Zusammenhang die Birgit Minichmayr, die - und das habe ich ihr auch gesagt - sich etwas getraut hat, was ich mich mein Leben lang nicht getraut habe: Sie hat einem Regisseur gesagt, dass ihr sein Konzept nicht gefällt und hat die Rolle zurückgegeben.

"Krone": Soweit ich weiß, hat Birgit Minichmayr aber kein Kind.
Zechner: Ich finde, die Rolle der alleinerziehenden Mutter ist natürlich noch eine zusätzliche Verantwortung, aber ich kenne wenige Persönlichkeiten, so wie du sagst, wie die Birgit, die für sich verantwortlich sind. Aber wie viele Menschen gibt es, die "nur" für sich verantwortlich sind und diese Haltung nicht haben. Also ich habe da auch großen Respekt davor, wenn man so konsequent ist und das Bild der Rolle, das man hat, oder des Stückes, was man hat, auch bis zur letzten Konsequenz mit allen Unannehmlichkeiten und Unbequemlichkeiten durchzieht. Also dem kann ich mich wirklich anschließen.

"Krone": Zu wissen, dass man als Alleinerzieherin Kinder daheim hat, ist sozusagen der "Turbo" zur Motivation?
Hörbiger: Also, meiner ist - wie wir wissen - bereits Ende 40 (lacht). Ich muss da keine Rücksicht mehr darauf nehmen. Er verdient heuer mehr wie ich. Das heißt, ich muss mir keine Sorgen in der Beziehung machen. Aber natürlich, wenn die Kinder klein sind, zwingt es einen dazu, diplomatisch zu sein. Deine Position ist in dieser Beziehung eine viel bessere. Und natürlich, eine Schauspielerin ist auf jeden Fall ein bisserl ärmer dran. Denn es ist die Frage, wie lange man seinen Beruf ausüben kann und möchte...
Zechner: Ich hatte immer zumindest langjährige Verträge. Also nicht wie eine Schauspielerin mit Engagements von Stück zu Stück, oder Monat zu Monat, sondern Drei- bis Fünf-Jahresverträge. Also insofern hast du recht. Das heißt, da hat man eine gewisse Sicherheit. Auf der anderen Seite halte ich es für ganz wichtig zu überlegen: Ist es das Risiko wert? Weil es gibt natürlich Entscheidungen, und vor dieser Entscheidung stand ich zum Beispiel 2002, wo es um eine Verlängerung der Programmdirektion ging und ich habe mich damals dafür entschieden, mich nicht einem politischen Druck unterzuordnen. Im Bewusstsein, dass mich das die Verlängerung des Vertrages kosten könnte. Und diese Entscheidung war mir so wichtig, dass ich trotz des Alters meines Sohnes - er war zwei Jahre alt - diese klare Haltung eingenommen habe. Und ich gebe aber zu, als ich die Konsequenz erlebt habe - nämlich nicht verlängert zu werden -, hat mich das schon extrem unter Druck gesetzt.
Hörbiger: Aber à la longue hattest du recht, dass du gesagt hast, du ordnest dich keiner Partei unter.
Zechner: Deswegen meinte ich, es kommt auf die Wichtigkeit des Kompromisses an. Für mich war immet und meine Konsequenz zusammenzuhalten und aufrechten Ganges auch aus einem Job wieder rauszugehen. Wenn der Kompromiss ein einfacher, nicht so wichtiger Kompromiss ist, besteht das Leben auch aus Kompromissen. Aber wenn es die Haltung gefährdet - und die ist bei mir eine weltoffene, grundhumanistische -, war es mir immer wichtig, konsequent zu sein!

"Krone": Man merkt, die Damen schätzen überhaupt die grundsätzliche Haltung der anderen. Frau Hörbiger, was mögen Sie an Frau Zechner besonders?
Hörbiger: Ihre Menschlichkeit. Ein großes Menschenverständnis hat die Frau Magister Zechner. Es ist nicht, dass sie gleich jedem Menschen um den Hals fallen würde - sie hat eine, wie sie selber gesagt, humanistische Einstellung. Also ich glaube auch, dass sie Schauspielern, die vielleicht vom Status runtergerutscht sind, helfen würde. Und ich kenne sie schon viele Jahre - das hat sich bei ihr nicht geändert. Die gute Nachrede bei Kollegen hat sie. Ja, eine wirkliche Humanistin ist sie - und das ist in diesem Beruf, dem Fernsehgeschäft, nicht selbstverständlich.

"Krone": Humanistinnen unter sich?
Zechner: Ja, und ich schätze an der Christiane Hörbiger natürlich nicht nur ihr formidables Schauspiel, sondern eben genau auch diese zutiefst spürbare Menschlichkeit, oder eben Humanismus. Und ich möchte noch hinzufügen: Erstens einmal ist sie unvoreingenommen, vorurteilslos. Als ich sie kennengelernt habe, konnte sie mich gar nicht kennen und war mir gegenüber offen und vorbehaltlos. Und das war die Chance, dass wir einander sehr schnell, sehr gut verstanden haben.
Hörbiger: Die Sympathie kam erst nachher.
Zechner: Genau.
Hörbiger: Es ist sehr klug, wie die Frau Magister das unterscheidet mit dem Zeitpunkt.
Zechner: Ja, wir kannten einander nicht. Christiane Hörbiger hatte schon ihren Status, ich musste mir meinen noch erarbeiten und sie war mir gegenüber hundertprozentig unvoreingenommen, offen und daraus hat sich eine sehr respektvolle Beziehung entwickelt. Dann gab es auch eine Sympathie und eine Menschlichkeit zwischen uns beiden. Und der dritte Punkt, den ich an Christiane Hörbiger liebe, ist der unendliche Humor. Gott ist diese Frau humorvoll.
Hörbiger: Noch etwas muss man sagen: Dass die Frau Magister sich für österreichische Schauspieler einsetzt. Das geht nicht immer bei Co-Produktionen, aber dass sie sich für österreichische SchauspielerInnen einsetzt und für Frauen-Stoffe. Das ist in diesem Männerberuf - weiß Gott - nicht selbstverständlich. Noch dazu ist sie von Männern umgeben. (alle lachen)

"Krone": Welche Rolle dürfen Männer bei Entscheidungsfindungen spielen?
Hörbiger: Also ich frage meinen Lebenspartner, den Gerhard Tötschinger, was er dazu sagt und mache manchmal dann das Gegenteil von dem, was er mir rät.

"Krone": Also das heißt, es findet ein Diskurs statt?
Hörbiger: Natürlich. Aber ich mache dann letztlich, was ich möchte.
Zechner: Ich nehme in Entscheidungsprozesse Männer und Frauen mit, die ich respektiere. Ich suche den Diskurs, allerdings ausschließlich mit Frauen und Männern, auch egal welchen Alters, weil ich halte die Erfahrung von älteren Persönlichkeiten und die Unbefangenheit von Jüngeren für extrem wichtig zu Entscheidungsfindung. Und aus diesem Diskurs heraus fälle ich jeden Tag meine Entscheidungen autark.

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