Di, 22. Mai 2018

Gehirnhälfte wach

21.04.2016 18:00

Warum wir in der Fremde anfangs schlecht schlafen

Jeder kennt dieses Problem: Man kommt im Traumhotel an, doch am nächsten Morgen fühlt man sich wie gerädert und überhaupt nicht ausgeruht. Jetzt haben US-Forscher herausgefunden, warum die erste Nacht in fremden Betten oft wenig erholsam ist. Die Japaner haben also mit ihrem Sprichtwort recht: "Wenn du den Polster wechselst, schläfst du nicht."

Die linke Gehirnhälfte verharrt in der ungewohnten Umgebung in einer Art Habachtstellung und bleibt wacher als die rechte, berichten Yuka Sasaki von der Brown University (US-Bundesstaat Rode Island) und Kollegen in der jüngsten Ausgabe von "Current Biology". "Wir wissen, dass Meerestiere und manche Vögel einen solchen Ein-Hemisphären-Schlaf haben, bei dem eine Gehirnhälfte wach bleibt und die andere schläft", erläutert die Professorin für Kognitive Linguistik und Psychologie. Zwar würden menschliche Gehirne nicht ebenso asymmetrisch arbeiten wie die von Meerestieren. Aber womöglich "haben unsere Gehirne ein Miniatur-System dessen, was Wale und Delphine haben", sagt Sasaki.

Tests im Schlaflabor mit 35 Freiwillgen
Das Team nahm mit Hirnstrommessungen und bildgebenden Verfahren den Schlaf von 35 Freiwilligen in der ersten und der achten Nacht im Schlaflabor unter die Lupe. Ergebnis: In der ersten Nacht waren die linken Gehirnhälften in der sonst erholsamen, langwelligen Tiefschlafphase besonders leicht anzusprechen. In der linken Hemisphäre befindet sich unter anderem das sogenannte Default-Mode-Netzwerk. Es wird im wachen Zustand beim Nichtstun aktiviert, sorgt für ein gewisses Hintergrundrauschen und generiert Tagträumereien und Gedankenketten.

Schlaf ist kein homogener Zustand des Gehirns
Der Schlafforscher Dieter Riemann vom Universitätsklinikum Freiburg nennt die Studienergebnisse neu und hochinteressant: "Die Ergebnisse passen in eine Forschungsrichtung, die man 'local sleep' nennt - in diesem Fall dann allerdings eher "local wakefulness". Diese geht davon aus, dass Schlaf eben kein absolut homogener Zustand des gesamten Gehirns ist.

Seiner Meinung nach lassen sich daraus generell Strategien zur Behandlung von Schlafstörungen entwickeln. "Wir gehen ja davon aus, dass bei chronischen Insomnien ein permanentes Hyperarousal (Übererregtheit) - letztendlich Ausdruck einer Habachtstellung - vorliegt." Bei chronischen Schlafstörungen könnten Entspannungstechniken, aber auch gezieltes Später-ins-Bett-Gehen helfen.

Wissenschaftlerin empfiehlt, eigenen Polster mitzunehmen
Um dem Fluch der ersten Nacht zu entgehen oder ihn zumindest zu lindern, empfiehlt Sasaki Reisenden, ihren eigenen Kopfpolster mitzunehmen oder stets ähnliche Hotels zu buchen. Möglicherweise seien Vielreisende jedoch auch in der Lage, die nächtliche Habachtstellung auszuschalten. "Menschliche Gehirne sind sehr flexibel." An der Brown University versuche man derzeit, den "wachen" Teil des Gehirns mit einer bestimmten Technik auszuschalten und zu testen, ob sich der Schlaf dadurch verbessern lasse.

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