Di, 21. November 2017

Minister teilt aus

14.03.2015 09:04

Griechenland warnt vor Dominoeffekt nach „Grexit“

Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos hat für den Fall des Ausscheidens seines Landes aus dem Euro vor einem Dominoeffekt gewarnt. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung am Samstag sagte der Minister: "Wenn Griechenland explodiert, dann als Nächstes Spanien, Italien. Und irgendwann Deutschland. Wir müssen deshalb einen Weg innerhalb des Euro finden."

Aber dieser Weg dürfe nicht sein, dass die Griechen immer weiter zahlen müssten, sagte der Chef der rechtspopulistischen Anel-Partei. Von den sogenannten Hilfspaketen sei ja auch bisher nichts bei den Menschen angekommen, sondern ausschließlich bei den Banken. Die Leute hätten keine Arbeit mehr, aber die Preise stiegen weiter.

Drohung mit Flüchtlingsstrom bekräftigt
Kammenos bekräftigte der Zeitung zufolge zudem seine Drohung, Flüchtlinge nach Deutschland weiterzuschicken, sollte sein Land "aus der Euro-Zone gedrängt" werden. "Dann gelten keine Absprachen mehr, keine Abkommen, nichts. Wir sind dann nicht mehr verpflichtet, als Ankunftsland die Flüchtlinge auch aufzunehmen", sagte er. Dagegen hatte das deutsche Innenministerium am Freitag erklärt, die griechische Migrationsministerin Anastasia Christodoulopoulou habe deutlich gemacht, dass es keine derartigen Pläne gebe.

"Wir brauchen einen Schuldenschnitt"
"Wir brauchen kein drittes Hilfspaket, denn wir können nicht ständig alte Schulden mit neuen Schulden ausgleichen, das hilft uns einfach nicht. Was wir brauchen, ist endlich ein Schuldenschnitt, wie Deutschland ihn 1953 bei der Schuldenkonferenz in London auch bekommen hat", ergänzte der Minister. "Wir haben viel Geld durch die EU-Sanktionen gegen Russland verloren. Fast 70 Prozent unserer landwirtschaftlichen Exporte gehen dorthin. Auch der Tourismus ist extrem wichtig, 25 Prozent unserer Touristen kommen aus Russland. Wir brauchen deshalb eine Entschädigung der EU für das Geld, das wir dort verlieren", sagte er. Ansonsten könnte Athen sich nicht an Sanktionen gegen Russland beteiligen, die der Wirtschaft des Landes schadeten.

Schäuble unter Beschuss
Der Verteidigungsminister griff außerdem die deutsche Regierung massiv an und hielt Finanzminister Wolfgang Schäuble seine Verwicklung in die CDU-Parteispendenaffäre vor. "Wir Griechen erinnern uns genau, dass Herr Schäuble sein Amt als Parteivorsitzender aufgeben musste, weil er in einen Fall von Bestechung verwickelt war", sagte Kammenos der "Bild"-Zeitung.

Schäuble war im Jahr 2000 zurücktreten, weil er 1994 eine Bar-Spende von damals 100.000 Mark (gut 51.000 Euro) für die CDU angenommen hatte, die nicht ordnungsgemäß verbucht worden war.

"Deutsche Regierung mischt sich überall ein"
Im Streit um das Hilfsprogramm für sein pleitebedrohtes Land und die entsprechenden Reformauflagen bezichtigte Kammenos Berlin auch, es habe versucht, die Regierungsbildung der führenden Linkspartei Syriza mit seiner rechtspopulistischen Partei Anel zu torpedieren. "Die deutsche Regierung mischt sich in Dinge ein, die sie nichts angehen. Sie bricht das Übereinkommen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen. Wie kann es sein, dass der deutsche Botschafter vor der Regierungsbildung Druck auf Syriza ausgeübt hat, nicht mit uns in eine Koalition zu gehen?"

Kammenos warf Schäuble vor, einen psychologischen Krieg gegen Griechenland zu führen. "Schäuble vergiftet damit die Beziehungen zwischen beiden Ländern. Es ist in Ordnung für mich, dass Herr Schäuble mich und Herrn Gianis Varoufakis (griechischer Finanzminister, Anm.) nicht mag. Aber wir sind beide vom griechischen Volk gewählt worden, und inzwischen haben wir eine Zustimmung von 80 Prozent, und wir sprechen für das griechische Volk." Dies sei Demokratie.

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