Fr, 24. November 2017

2D-Plattformer

12.03.2015 12:36

„Ori and the Blind Forest“: Austro-Game im Test

Über vier Jahre Arbeit und Zeit haben der Wiener Thomas Mahler und seine aus allen Teilen der Welt stammenden Kollegen der Moon Studios in die Entwicklung des 2D-Plattformers "Ori and the Blind Forest" gesteckt. Seit Mittwoch ist der mit viel Liebe zum Detail gestaltete Download-Titel nun erhältlich. Was Gamer darin erwartet, erfahren Sie hier.

"Ori and the Blind Forest" erzählt in zwar nur kurzen, dafür umso eindringlicheren und anrührigen Sätzen und Bildern die Geschichte von Ori, einem Waldgeist, und dessen Versuch, wieder Licht und damit Leben in den einst prächtig blühenden, nun völlig zerstörten Wald von Nibel zu bringen. Unterstützung erhält Ori dabei von Sein, ein um ihn herumschwirrendes Licht, das ihn gleichermaßen führt wie vor Feinden verteidigt.

Der Titel selbst beschreibt sich als "Metroidvania", also eine Mischung aus Nintendos "Metroid"-Serie und der "Castlevania"-Reihe von Konami, jedoch mit einem "stärkeren Plattform-Fokus und leichten Rollenspiel-Elementen, angesiedelt in einer atmosphärischen Welt".

Diese präsentiert sich in "Pseudo-3D": Wenngleich das Geschehen streng zweidimensional abläuft, verleihen Animationen in Vorder- und Hintergrund wie sich bewegende Bäume, Wasser, Tiere und dergleichen mehr dem Spiel plastische Tiefe.

Zahlreiche Fertigkeiten zu erlernen
Spielerisch gibt sich "Ori and the Blind Forest" recht klassisch. In typischer Platformer-Manier gilt es Abgründe, allerlei Hindernisse und Gefahren mit viel Sprunggeschick und Daumentalent zu überwinden oder zu umgehen. Mit steigender Erfahrung oder Erreichen bestimmter Schlüsselstellen im Spiel erlangt der anfangs eher schwächliche Waldgeist schnell neue Fertigkeiten, die es ihm etwa erlauben, an Wänden entlangzulaufen, höher zu springen, zu gleiten, zu tauchen oder – vielleicht am wichtigsten – eine schnelle Sprungattacke durchzuführen.

Das Kämpfen sollte Ori aber auch weiterhin seinem Begleiter Sein überlassen: Auf Knopfdruck attackiert der mit seinen im Spielverlauf ausbaubaren Feuerattacken die Gegner und kompensiert so Oris kämpferische Schwäche. Auseinandersetzungen gestalten sich dadurch durchaus knifflig, muss Ori doch möglichst nah an den Feind heran, ohne dabei verwundet zu werden, damit Seins Angriffe ihr Ziel nicht verfehlen.

Fluch und Segen: das Speichersystem
Sollten Ori und sein Begleiter dann doch einmal an einer Herausforderung scheitern, bleibt nur zu hoffen, dass der Spielstand auch rechtzeitig gespeichert wurde. Mit Ausnahme einiger weniger Checkpoints, die das Duo im Laufe der acht bis zehnstündigen Kampagne durchläuft, obliegt es nämlich gänzlich der eigenen Verantwortung, wann und wo gespeichert wird – was gleichermaßen Fluch wie Segen sein kann.

Denn um zu speichern bedarf es einer sogenannten "Seelenverbindung", die durch das Einsammeln blauer Sphären hergestellt werden kann. Dummerweise lassen sich diese Sphären jedoch auch zu anderen Zwecken nutzen, beispielsweise zur Öffnung bestimmter Portale oder um Hindernisse mit einem aufgeladenen Angriff aus dem Weg zu räumen, sodass es mitunter abzuwägen gilt, was nun wichtiger ist: speichern oder doch die Tür zu öffnen?

Erschwerend hinzukommt, dass viele Gegenden mehrfach durchlaufen werden müssen, um zum Beispiel Rätsel zu lösen oder sämtliche versteckten Gegenstände zu finden. Da man als Spieler aber selten weiß, wann dieser Fall eintritt und hinter welcher Ecke die nächste Gefahr lauert, bleibt es nicht aus, dass Speicherpunkte schlichtweg falsch platziert werden. Ärgerlich, insbesondere dann, wenn man gerade einen Schlüssel eingesammelt hat, stirbt und dann ganz woanders wieder von vorne beginnen muss.

Hart, aber fair
Trotz dieser manchmal ärgerlichen Momente muss man "Ori and the Blind Forest" jedoch zugutehalten, dass das Gameplay stets – und für einen selbst nachvollziehbar – fair bleibt. Es liegt schlichtweg an den eigenen Unzulänglichkeiten, wenn man an dieser oder jener Passage auch nach dem x-ten Anlauf noch scheitert.

Täuschen lassen sollte man sich vom niedlichen Aussehen des Spiels nämlich nicht: "Ori and the Blind Forest" ist leicht zu spielen, aber nur schwer zu meistern. Perfektes Timing und Daumenspitzengefühl sind vonnöten, um die sukzessive anspruchsvolleren Herausforderungen zu bewältigen.

Märchenhafte Kulisse
Nicht vergessen sollte man während des Spielens allerdings darauf, auch einmal innezuhalten und die mit viel Liebe zum Details gestaltete, geradezu malerische Spielwelt zu genießen, die mit stimmungsvollen Licht- und Farbeffekten eine märchenhafte Atmosphäre zaubert, stimmig untermalt von einem orchestralen Soundtrack (siehe Video oben).

Fazit: "Ori and the Blind Forest" ist eines dieser seltenen Spiele, denen man die Liebe, die in sie hineingesteckt wurde, sofort ansieht. Auch wenn die Geschichte schnell erzählt ist, so fesselt sie doch von der ersten Minute an. Noch wichtiger aber ist, dass das Gameplay stimmt: abwechslungsreich, fordernd, aber dennoch stets fair. Nur mit dem Speichersystem konnten wir nicht ganz warm werden – zumindest ein paar zusätzliche automatisch gesetzte Savepoints, etwa nach dem Einsammeln handlungsrelevanter Gegenstände, hätten wir begrüßt. Andererseits bleibt so gewährleistet, dass "Ori and the Blind Forest" auch nicht zu leicht wird und der fordernde, bild- und soundgewaltige Spielspaß nicht zu einem belanglosen Sonntagsspaziergang durch den Wald verkommt.

Plattform: Xbox One (getestet), PC
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 8/10

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