Di, 21. November 2017

Schells Witwe Iva:

25.10.2014 17:04

„Maximilian hat kein Testament hinterlassen“

45 Werke aus der Kunstsammlung von Maximilian Schell kommen im November und Dezember bei "Christie's" in Amsterdam unter den Hammer. Hatte er Schulden? Gibt es in der Familie Streit? Mit Conny Bischofberger spricht Witwe Iva (36) über ein schwieriges Erbe.

Sie kommt ganz in Schwarz in die Wiener Bristol-Bar. Die Einladung zu einem Glas Champagner nimmt sie gerne an und atmet erstmal tief durch. "Seit der 'News'-Geschichte läutet mein Handy ununterbrochen", erzählt sie, "und Maximilian ist nicht mehr da, um mich beschützend zu beruhigen und zu beraten." Jetzt muss sie da alleine durch.

Dass 45 Werke aus der Kunstsammlung ihres verstorbenen Ehemanns bei "Christie's" in Amsterdam versteigert werden, nährt Gerüchte – auch sehr böse. Hat der große Maximilian Schell so viele Schulden hinterlassen? Will die Witwe sein Erbe schnell zu Geld machen? Und ob das nicht alles "pietätlos" sei?

Im Interview mit der "Krone" spricht die 36-jährige Sängerin über die Hintergründe dieses Schrittes, den Zusammenhalt in der Schell-Familie und ihr neues Leben in jener "Hütte", in der sie die schönste Zeit ihres Lebens verbracht hat.

Hier können Sie sich drei Clips aus dem Interview anhören: Iva Schell plaudert über die Versteigerung der Kunstsammlung, die Erhaltung der Familienalm und die Harmonie innerhalb der Familie Schell, über das gemeinsame Klavierspielen und ihre Beziehung zu Österreich.

"Krone": Frau Schell, die Versteigerung der Kunstwerke – unter anderem von Arnulf Rainer, Gottfried Helnwein und Josef Albers – soll 800.000 Euro Erlös bringen. Was macht man mit so viel Geld?
Iva Schell: Das sind alles Spekulationen, man weiß nicht, wie viel die Auktion bringen wird. Und es ist nicht alleine meine Entscheidung gewesen, das wäre auch gar nicht möglich, weil das Nachlassverfahren noch läuft. Ich habe sie gemeinsam mit den beiden anderen Erben, mit Maximilians Tochter und dem Adoptivsohn, getroffen.

"Krone": Hat Maximilian Schell so viele Schulden hinterlassen?
Schell: Nein...

"Krone": Warum haben Sie das dann getan?
Schell: Maximilian hat ja schon Ende der Neunzigerjahre Bilder versteigert, um den Familienbesitz in Preitenegg zu erhalten. Auch die Bilder, die jetzt zur Versteigerung kommen, hat er schon einmal von  "Christie's" bewerten lassen, da er selbst eine Versteigerung angedacht hat. Also ist das sicher jetzt in seinem Sinn. Für ihn war es immer das Allerwichtigste, dass die Alm, die seit 150 Jahren in Familienbesitz ist, geschützt wird. Das Geld wird einfach gebraucht – auch für den Erhalt der Alm.

"Krone": Gibt es über das Erbe einen Streit?
Schell: Im Gegenteil. Maximilian hat ja leider kein Testament hinterlassen. Das macht alles etwas schwerer, trotzdem bleibe ich positiv ... und bevor wir anfangen, Bilder aufzuteilen – deren Wert ja nicht genau bezifferbar ist –, haben wir uns eben zu diesem Schritt entschlossen. Maximilian sagt selbst in seiner Biographie "ich fliege über dunkle Täler": "Was ist wichtiger – die lebenden Menschen oder die toten Kunstwerke? Die toten Kunstwerke bleiben lebendig – die lebenden Menschen werden eines Tages tot sein." Es gibt in der Schell-Familie, zu der ich mich hundertprozentig zugehörig fühle, einen großen Zusammenhalt. Der soll nicht ins Wackeln kommen wegen dem einen oder anderen Bild. Streit unter den Menschen, die er am meisten geliebt hatte und die ihm am nächsten standen – das würde Maximilian wirklich traurig machen.

"Krone": Maximilian Schell hat seine Bilder geliebt. Hätte es ihm nicht auch sehr wehgetan, gleich 45 zu verlieren?
Schell: Er hätte sie vielleicht nicht im Paket versteigert. Aber man muss auch dazusagen, dass diese Bilder – bis auf fünf – nicht auf der Alm gehangen sind, sie waren in einem Münchner Kunstlager verwahrt.

"Krone": Aber es wird auch das Bild seiner Schwester Maria zum Verkauf angeboten...
Schell: Ja, dieses Bild hat ihm tatsächlich sehr viel bedeutet. Das hat uns auch sehr wehgetan. Aber "Christie's" meinte, es sollte unbedingt dabei sein – aus deren Sicht verständlich. Ich hoffe, dass es auch Maximilian verstehen würde. Ich denke mir, jetzt werden diese Bilder wieder vielen Menschen Freude bereiten. Ebenso wie ein Musiker gehört werden möchte, so möchte ein Maler, dass seine Gemälde gesehen werden und dadurch die Menschen berühren.

"Krone": Ist es schwer für Sie, mit bösen Kommentaren konfrontiert zu werden?
Schell: Ich war eigentlich immer mit dieser Abwehr und sämtlichen Vorurteilen und Klischees konfrontiert. Das ging schon los, als wir uns kennenlernten. Es wurde nur über unseren Altersunterschied gesprochen.

"Krone:" 48 Jahre sind ja auch sehr ungewöhnlich...
Schell: Jeder kann seine Meinung dazu haben. Für mich zählt nur, wie es wirklich war. Ich habe diesen Mann geliebt, ich habe mit ihm die schönste Zeit meines Lebens verbracht, ich habe ihn begleitet in den letzten Stunden, und ich lebe jetzt dort, wo ich mit ihm gelebt habe: in unserer Hütte auf der Kärntner Alm.

"Krone": Fühlen Sie sich dort nicht einsam?
Schell: Nein, denn Maximilians Tochter lebt im Bauernhaus oberhalb der Hütte. Und meine Hündin Lija tröstet mich auch sehr. In Kürze wird auch noch ein kleines Kätzchen in die Hütte ziehen... Jedes Mal, wenn ich dort den Weg hinauf fahre, fühlt es sich richtig an. Ich freue mich, wenn ich die Tür aufmache. Das Einzige, was mir fehlt: Maximilian ist nicht mehr da. Und so oft hat er mich dann mit einem kleinen liebevollen Willkommensessen überrascht.

"Krone": Was hat er für Sie gekocht?
Schell: Wenn ich von den Vorstellungen nach Hause kam, hat er mir Erdäpfel abgebraten oder einen Reis gekocht. Ganz einfache Sachen, die fantastisch geschmeckt haben.

"Krone": Lotte Ingrisch hat mir erzählt, dass sie jeden Abend ein Glas Wein für sich und ihren verstorbenen Mann einschenkt. Haben Sie auch so ein Ritual?
Schell: Bei mir ist es das Klavierspielen. Ich setze mich an den Flügel, den er mir letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt hat. Wir haben darauf  vierhändig Mozartstücke gespielt. Er liebte aber auch Beethoven: die 'Mondscheinsonate' und die 'Appassionata'. Die spiele ich jetzt oft für ihn und mache alle Fenster auf, damit er es hört.

"Krone": Nächsten Sonntag ist Allerseelen – sind Sie jemand, der auf Gräber geht?
Schell: Das brauch' ich nicht, weil Maximilians Grab, wie er es sich gewünscht hat, direkt neben der Hütte ist – an jenem Baum, wo wir geheiratet haben und er sich als kleiner Junge zum ersten Mal zum Stehen heraufgezogen hat. Ich gehe jeden Tag an sein Grab, zünde eine Kerze an, lege manchmal frische Blumen hin und setze mich auf der Bank nebenan in die Sonne. Diese Verbindung zwischen Tod und Leben ist sehr schön.

"Krone": Hatte Ihr Mann Angst vor dem Tod?
Schell: Wir haben sehr oft über den Tod gesprochen. Maximilian hat gesagt, er ist neugierig darauf. Das hat es mir leichter gemacht, ihn loszulassen, weil ich die Hoffnung hatte, dass es dort schön sein wird, wo er hingeht.

"Krone": Wird je ein anderer Mensch den Platz von Maximilian Schell einnehmen können?
Schell: Ich wurde einmal gefragt, ob ich mir diesen Gedanken erlaube oder verbiete. Ich habe den Gedanken einfach nicht... Ich bin einfach noch so sehr mit ihm verbunden und möchte das noch gerne nachspüren, was ich in den sechs Jahren erlebt habe. Ich wäre nicht bereit, mich überhaupt jemandem zu öffnen. Aber es wäre nicht realistisch zu behaupten, ich würde nie wieder in meinem Leben einen Mann kennenlernen.

"Krone": Frau Schell, Sie haben bei unserem letzten gemeinsamen Interview mit Maximilian auf die Frage, ob Sie sich noch ein Kind wünschen, beide übereinstimmend gesagt: "Das wäre schön!" Kommt das in Ihren Gedanken vor, dass Sie irgendwann noch ein Kind haben werden?
Schell: Ja, diesen Gedanken hat eine Frau, die Richtung 40 geht, natürlich. Aber erst muss ich durch die Trauer gehen – so wie jede Frau, die ihren Mann verloren hat. Nur ist bei uns das Interesse halt größer. Ich glaube, es muss noch einige Zeit ins Land gehen. Und dann würde es ihn vielleicht sogar freuen, mich wieder glücklich zu sehen.

Ihre Geschichte
Geboren am 19. April 1978 in Ulm. Bei den Seefestspielen in Mörbisch lernt die Sopranistin 2007 Maximilian Schell kennen, am 20. August 2013 heiraten die beiden auf dem Familiensitz in Oberpreitenegg im Kärntner Lavanttal. Es ist seine zweite Ehe – und sie dauert nur fünf Monate. Am 1. Februar 2014 stirbt der Schauspieler 83-jährig in der Innsbrucker Klinik.

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