Do, 22. Februar 2018

In freier Natur

30.09.2014 10:08

Soziales Lernen bei wilden Schimpansen beobachtet

Forscher haben erstmals in freier Wildbahn beobachtet, wie Schimpansen voneinander lernen, neue Werkzeuge zu verwenden. Von den Affen seien mehr als 30 Verhaltensweisen bekannt, die als sozial erlernt gelten, erklären die Wissenschaftler im Fachmagazin "PLOS Biology". Dazu habe es Versuche mit Tieren in Gefangenschaft gegeben, eine direkte Beobachtung in freier Natur habe aber bisher gefehlt.

Die Forscher um Thibaud Gruber von der Universität Neuchatel in der Schweiz hatten Schimpansen im Budongo-Schutzgebiet im Nordwesten Ugandas dabei beobachtet, wie sie Schwämme aus zerkauten Blättern nutzen, um Wasser aus Baumhöhlen zu holen. Einige Schimpansen entwickelten zwei zuvor nicht beobachtete Varianten: Schwämme aus Moos allein oder Laub und Moos sowie die erneute Nutzung bereits verwendeter Schwämme.

Als Erster verwendete demnach das dominante Männchen der beobachteten Gruppe, der 29-jährige Nick, einen Moos-Schwamm. Dabei wurde er von einer Artgenossin beobachtet, die sein Verhalten nachahmte. Im Laufe der nächsten Tage kamen weitere Tiere hinzu. Die neuen Moos-Nutzer hatten zuvor jeweils Artgenossen mit solchen Schwämmen beobachtet. Hinzu kam eine wachsende Zahl von Tieren, die einen abgelegten Moos-Schwamm erneut benutzte.

Neues Verhalten breitet sich entlang sozialer Netzwerke aus
Mithilfe statistischer Methoden wiesen die Forscher nach, dass sich das neue Verhalten entlang des sozialen Netzwerks seines Erfinders ausbreitete. Es handelte sich also nicht um individuelles Lernen, bei dem jedes Tier für sich das neue Werkzeug entwickelt, sondern um soziales Lernen durch Beobachten und Nachahmen.

Die Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten über Generationen hinweg gilt als entscheidender Faktor für den evolutionären Erfolg der Menschheit. Die Beobachtungen stützen die Annahme, dass bereits der letzte gemeinsame Vorfahr von Schimpanse und Mensch zu solchem kulturellen Verhalten fähig war, schreiben die Forscher. Die Mechanismen sozialen Lernens sind allerdings im Detail unklar. Daher gelte es nun, die zugrunde liegenden kognitiven und neuronalen Prozesse näher zu untersuchen, so die Forscher.

Schimpansen vom Aussterben bedroht
Der weltweite Schimpansenbestand wird auf etwa 170.000 bis 300.000 Tiere geschätzt. Alle vier Unterarten sind auf der Roten Liste bedrohter Arten als "stark gefährdet" eingestuft. Hauptsächlich werden die Waldbewohner durch die Zerstörung ihres Lebensraumes, die Jagd und Krankheiten bedroht.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden