Sa, 21. Oktober 2017

Derbe Sager

05.05.2014 09:16

Poier: Wurst „künstlich hochgezüchtetes Monster“

Conchita Wurst polarisiert - und kurz vor dem Song Contest sind die Kommentare über die bärtige Lady nicht immer positiv. In einem Interview mit der "Ganzen Woche" holte etwa Alf Poier, der selbst 2003 beim Song Contest antrat, zuletzt ordentlich gegen Österreichs Hoffnung im Sangeswettbewerb aus.

Der ORF schicke "ein künstlich hochgezüchtetes Monster" zum diesjährigen Song Contest nach Kopenhagen, regte sich Poier im Interview mit der Zeitung auf. "Dabei gab es nicht einmal ein Auswahlverfahren", setzte der Kabarettist nach.

"Verschwulte Zumpferl-Romantik"
Im Grunde habe er aber gar kein Interesse an Conchita, so Poier weiter. "Meine Meinung ist: Wenn jemand nicht weiß, ob er ein Manderl oder ein Weiberl ist, dann gehört er eher zum Psychotherapeuten als zum Song Contest", so Poier, und weiter: "Mit dieser verschwulten Zumpferl-Romantik kann ich nichts anfangen. Wie jemand seine Sexualität auslegt, ist jedem selbst überlassen. Aber dass ständig an die große Glocke gehängt werden muss: 'Ha, wir sind so benachteiligt ... und wir sind eine Minderheit', dieses Gesülze geht mir ordentlich auf den Wecker, dafür habe ich kein Verständnis. Das muss ich ehrlich sagen."

Selbst "Rise Like a Phoenix", Conchita Wursts Song-Contest-Hit, kann Alf Poier, der damals mit dem Song "Weil der Mensch zählt" für Österreich antrat, nichts Positives abgewinnen. "Ich finde ihn peinlich", erklärt der 47-Jährige. "Wenn jemand schon so groß auf Toleranz macht, und glaubt, er müsse es über ganz Europa hinausposaunen, dann sollte er zumindest in der Lage sein, Melodie und Text selber zu schreiben. Doch an diesem Lied sind vier Komponisten beteiligt. Entschuldigung, aber künstlerisch ist bei dieser Dame oder bei diesem Herrn oder bei diesem Es, oder was immer das ist, überhaupt nichts vorhanden. Gar nichts."

Armenischer Kandidat: "Hoffentlich können wir ihr helfen"
Aber nicht nur bei Alf Poier, sondern auch bei ihren Song-Contest-Konkurrenten kann Conchita Wurst nicht immer punkten. Vor allem Repräsentanten aus den östlichen Ländern des Teilnehmerfelds fielen durch verbale Entgleisungen auf. Darunter fand sich mit Aram MP3 aus Armenien einer der Topfavoriten des Wettbewerbs.

Laut dem Blog "Unzipped: Gay Armenia" hatte der 30-jährige armenische Kandidat, der mit bürgerlichem Namen Aram Sargsyan heißt und in seinem Heimatland offensichtlich für seinen Humor bekannt ist, bei seinem ersten Auftritt im Staatsfernsehen gegen Wurst gelästert. Deren Orientierung sei "nicht normal" und "nicht passend": "Hoffentlich können wir ihr helfen, sich zu entscheiden, ob sie eine Frau oder ein Mann ist." Bei einer Pressekonferenz am 20. März hatte der Sänger dann davon gesprochen, es "irgendwie ertragen" zu müssen, gemeinsam mit Wurst auf einer Bühne zu stehen.

Im direkten Kontakt mit Wurst wies Aram MP3 dann allerdings etwaige schwulenfeindliche Äußerungen von sich. Laut ORF hat sich der Sänger auch persönlich bei Wurst entschuldigt und beteuert, man habe ihn schlicht falsch übersetzt. "Aram, mein Herz: Ich bin eine arbeitende Frau und ein wahnsinnig fauler junger Mann in meiner Freizeit und das wird sich nicht ändern", hatte Conchita Wurst bereits vorab gekontert.

"Europaweite Schwulenparade" soll boykottiert werden
Eine Entschuldigung von Witali Milonwo steht indes noch aus. Der für homophobe Äußerungen und die stete Forderung nach strengeren Anti-Homosexuellen-Gesetzen bekannte Lokalpolitiker aus St. Petersburg forderte in einem offenen Brief die russischen Song-Contest-Verantwortlichen auf, den Bewerb, den er als "europaweite Schwulenparade" bezeichnete, zu boykottieren.

"Schon die Ausstrahlung des Wettbewerbs in Russland sei eine Beleidigung von Millionen Russen", wurde Milanow vom britischen "Guardian" zitiert: "Der Liveauftritt des offensichtlichen Transvestiten und Hermaphroditen Conchita Wurst auf derselben Bühne mit den russischen Künstlern ist eine unverhohlene Propaganda von Homosexualität und spirituellem Verderben."

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