Mo, 11. Dezember 2017

Betriebsversammlung

23.04.2014 09:10

Öffi-Stillstand in Wien: Chaos ist ausgeblieben

Aufgrund mehrerer Angriffe auf das Personal der Wiener Linien hat Mittwoch früh von 4 bis 6.30 Uhr eine Betriebsversammlung der Mitarbeiter stattgefunden. Die meisten Öffis standen dadurch still, das große Verkehrschaos blieb aber aus. Nach einer längeren Einpendlungsphase fahren die Wiener Linien seit etwa 9 Uhr wieder planmäßig. Die Infoveranstaltung nutzten die Personalvertreter unter anderem dazu, einen Teil des Fahrpersonals mit tragbaren Pieps-Alarmen auszustatten.

Die Fahrgäste der Wiener Linien waren offenbar gut informiert. Lediglich vereinzelt standen vergeblich wartende Menschen bei den Haltestellen. Der Ersatzverkehr auf den Nachtbus-Routen funktionierte gut. Das im Vorfeld von manchen befürchtete Chaos blieb aus.

Der Großteil der Fahrgäste nahm die Betriebsversammlung auch gelassen hin. "Ich kann die Angestellten der Wiener Linien verstehen. Auch wenn ich heute statt einer Stunde eineinhalb in die Arbeit gebraucht habe", erklärte ein Frühaufsteher gegenüber der "Krone", die sich in Wien-Mitte, Wien-Favoriten und am Wiener Westbahnhof während des Öffi-Stillstandes umsah.

Das Öffi-Netz nahm kurz nach der Versammlung wieder den gewohnten Betrieb auf. Bereits um 6.39 Uhr fuhr die erste vollkommen überfüllte U6-Garnitur vom Westbahnhof los. Seit 9 Uhr werden die Intervalle auch bei Bus und Bim wieder eingehalten. Im Autoverkehr dürften sich die Ausfälle kaum niedergeschlagen haben.

"Nun werden Verhandlungen fortgesetzt"
Betriebsratschef Kurt Wessely ließ bereits durchklingen, wie es nun weitergeht: "Wir werden nun wieder die Verhandlungen mit dem Unternehmen aufnehmen." Mittelfristig will Wessely freilich nachhaltigere Maßnahmen umgesetzt wissen. Darunter fallen verstärkte Videoüberwachung in den Fahrzeugen und Stationen, Verbesserungen in der Organisation und Deeskalationsschulungen für das Personal.

Es sei jedenfalls eine Petition ausgearbeitet worden, die derzeit "noch nicht allumfassend" sei, aber nach Finalisierung der Geschäftsführung der Wiener Linien übergeben werde. Gleichzeitig sollen Verhandlungen über konkrete Verbesserungen aufgenommen werden - mit "schnellstmöglichen" Ergebnissen.

Hoffnung auf Unterstützung der Politik
Wessely sagte Mittwoch früh erneut, dass das Personal ein Zeichen setzen wollte. Er hofft nun auf "verstärkte Unterstützung der Politik, auch wenn es dann um finanzielle Mittel geht, um Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen". Denn diese kämen letztendlich auch den Fahrgästen zugute.

Sollte es zu keiner Einigung mit der Geschäftsführung kommen, werde man über weitere Maßnahmen in den entsprechenden Gremien verhandeln. Die Chefetage der Wiener Linien hatte zuletzt aber bereits Entgegenkommen signalisiert - auch wenn sie sich nicht gerade glücklich über die gewählte Form des Protests gezeigt hatte.

Mobile "Selbstretter" an Fahrpersonal verteilt
Als erste Sofortmaßnahme gegen die Übergriffe auf das Personal der Wiener Linien wurden am Ende der Versammlung tragbare Alarm-Piepser an die Fahrer verteilt. Der "Selbstretter", dessen schriller Piepton nach Aktivierung Gewalttäter unter Umständen abschrecken könne, sei aber noch nicht flächendeckend an die Kollegen verteilt worden, sagte Wessely. "Der 'Pocketalarm' ist bei den Mitarbeitern sehr gut angekommen", versicherte er.

Stadtchef Michael Häupl steht der Betriebsversammlung kritisch gegenüber: "Das Anliegen ist berechtigt, aber ob das Mittel das geeignetste ist, will ich dahingestellt lassen." Stattdessen verwies Häupl am Dienstag auf die bereits zurückgegangene Anzahl an Übergriffen. Die neuen Sicherheitsmaßnahmen für Mitarbeiter seien bereits in Umsetzung begriffen. Jetzt solle der Prozess noch beschleunigt werden. Die Position von Häupl konnte der Betriebsrat allerdings nicht ganz nachvollziehen: "Für uns gab es keine andere Möglichkeit mehr", konterte Wessely.

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