Mo, 21. Mai 2018

95-jährig verstorben

06.12.2013 10:11

Südafrikas Friedensikone Nelson Mandela ist tot

Der frühere südafrikanische Präsident, Freiheitsheld und Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Mandela ist am Donnerstag im Alter von 95 Jahren gestorben. Präsident Jacob Zuma teilte die traurige Nachricht am späten Abend im Fernsehen mit. Der Friedensnobelpreisträger von 1993 sei nach einer Lungenentzündung gegen 20.50 Uhr Ortszeit friedlich in seinem Haus in Johannesburg eingeschlafen. Mandela war weltweit ein Symbol für gewaltlosen Widerstand gegen ein Unrechtsregime.

"Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren. Unser Volk hat einen Vater verloren", erklärte Zuma, ganz in Schwarz gekleidet, mit bedrückter Stimme in seiner nächtlichen TV-Ansprache. Dies sei ein Moment "tiefster Trauer" für alle Südafrikaner. "Nelson Mandela brachte uns zusammen und zusammen nehmen wir Abschied von ihm", sagte der südafrikanische Präsident. "Zwar wussten wir, dass dieser Tag kommen würde, dennoch kann nichts unser Gefühl eines tiefen und langwährenden Verlustes schmälern."

Südafrikas Fernseh- und Radiosender sendeten ab Donnerstagabend nur noch Trauermusik. Zuma rief eine Staatstrauer aus. Die Fahnen des Landes würden bis zum Tag der Beerdigung Mandelas auf halbmast gehisst. "Lasst uns zu seiner Vision stehen, die eine Gesellschaft war, in der niemand ausgebeutet und unterdrückt wird." Zuma pries die Vision Mandelas von einem geeinten, nicht-rassistischen, nicht-sexistischen, demokratischen und blühenden Südafrika.

Welt trauert um Friedensnobelpreisträger
Vor dem Haus des Friedensnobelpreisträgers im Johannesburger Vorort Houghton versammelten sich noch in der Nacht zum Freitag mehr als 100 Menschen, um Lieder zu singen und zu tanzen (Bilder). Einige brachten ihre Kinder mit. Weltweit erinnerten Weggefährten und Politiker - siehe Infobox - an Mandela. "Er hat mehr erreicht als von einem Menschen erwartet werden kann", sagte US-Präsident Barack Obama in einer ersten Reaktion auf den Tod des Friedensnobelpreisträgers.

Die Führer der Freiheitsbewegung und heutigen Regierungspartei ANC würdigten Mandela als "Inbegriff von Demut, Gleichheit, Gerechtigkeit, Frieden und der Hoffnung von Millionen, hier und im Ausland". Der ANC rief die Südafrikaner auf, nicht zu verzweifeln. "Er lebt in jedem von Euch und in Euren Häusern weiter, weil er sein Leben an uns alle gegeben hat."

Von Lungenentzündung nicht mehr erholt
Mandela war im Sommer wegen einer schweren Lungenentzündung im Medi-Clinic-Heart-Krankenhaus in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria behandelt worden. Seine letzten Wochen hatte der Friedensnobelpreisträger im Kreis seiner Familie verbracht.

Monatelang hieß es offiziell, Mandela befinde sich "in stabilem, aber kritischem Zustand". Mandelas Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela hatte vor drei Wochen berichtet, der 95-Jährige könne inzwischen nicht mehr sprechen. "Er kommuniziert über sein Gesicht", sagte sie. Mandela sei "auch auf dem Sterbebett" noch inspirierend, hatte seine älteste Tochter am Dienstag im Fernsehsender SABC gesagt. "Ich glaube, er erteilt uns immer noch Lehren. Lehren in Geduld, Lehren in Liebe, Lehren in Toleranz", so Makaziwe Mandela.

Erster schwarzer Präsident nach 27 Jahren Haft
Wegen seines Kampfes gegen das rassistische Apartheidsystem war Mandela 27 Jahre lang in Haft gesessen. 1994 wurde er erster Präsident des demokratischen Südafrika. Zuma würdigte seinen Vorgänger als "Vater der Demokratie". Mandelas historische Leistung war es, den Weg zur Aussöhnung von Schwarzen und Weißen in seinem Heimatland zu ebnen (einen ausführlichen Nachruf und internationale Reaktionen auf den Tod Mandelas finden Sie in der Infobox).

Staatsbegräbnis wohl eines der größten der Geschichte
Das Staatsbegräbnis für den südafrikanischen Freiheitshelden dürfte wohl eines der größten der Geschichte werden. "Das Begräbnis wird jenem von Papst Johannes Paul II. Konkurrenz machen, zu dem fünf Könige, sechs Königinnen, 70 Staats- und Regierungschefs sowie zwei Millionen Gläubige gekommen waren", schrieb die britische Tageszeitung "The Guardian" am Freitag auf ihrer Website.

Medienberichten zufolge werden alle lebenden US-Präsidenten zur Beisetzung Mandelas anreisen. Zahlreiche weitere Würdenträger werden erwartet, vom britischen Kronprinzen Charles bis zum simbabwesischen Präsidenten Robert Mugabe.

Zentrale Trauerfeier am Dienstag in Johannesburg
Die zentrale Trauerfeier für Mandela soll laut Zuma am Dienstag nächster Woche im FNB-Stadion von Johannesburg stattfinden. Für diesen Sonntag kündigte Zuma einen nationalen Tag der Trauer und des Gebets an. "Wir werden eine Woche lang trauern. Und wir werden auch eine Woche lang sein erfülltes Leben feiern", sagte das Staatsoberhaupt.

Nach der Trauerfeier am Dienstag erhalten die Südafrikaner noch die Gelegenheit, persönlich von Mandela Abschied zu nehmen: Vom 11. bis zum 13. Dezember wird sein Leichnam in der Hauptstadt Pretoria aufgebahrt. Das Begräbnis soll schließlich am Sonntag, dem 15. Dezember, in der Provinz Ostkap stattfinden - dort war der Friedensnobelpreisträger aufgewachsen.

Die Botschaft Südafrikas in Wien wird nächste Woche ein Kondolenzbuch auflegen, wie die diplomatische Vertretung des Landes am Freitag mitteilte. Ferner wird für Mandela am Mittwoch in der Lutherischen Stadtkirche in der Dorotheergasse eine Gedenkmesse gehalten.

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