So, 22. April 2018

3D-Rekonstruktion

24.05.2012 11:00

Forscher erwecken Urzeit-Tier wieder zum Leben

Wissenschaftler des Naturhistorischen Museums Wien haben mithilfe modernster Methoden Urzeit-Tiere wieder zum Leben erweckt - zumindest am Bildschirm. Dank Computertomographie und 3D-Rekonstruktionsprogrammen gelang es ihnen, ein im Vorjahr in den Südtiroler Dolomiten entdecktes Fossil einer bisher unbekannten Ammoniten-Art detailgetreu zu rekonstruieren und zu animieren.

Und so schwimmen die seltsam anmutenden, vor 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Kopffüßer jetzt über die Bildschirme der Forscher (siehe Video), die sowohl die Beschreibung der neuen Art als auch die 3D-Rekonstruktion in Fachzeitschriften publiziert haben.

Im Ur-Ozean Tethys lagerten sich über Millionen Jahre Sedimente am Meeresboden ab. Als die Alpen aufgefaltet wurden, gelangte ein Teil dieses ehemaligen Meeresbodens in die heutigen Dolomiten. Dort finden sich im Puez-Geisler-Naturpark in rund 2.600 Meter Seehöhe die komplettesten und fossilreichsten Abfolgen von Sedimentschichten aus der Kreidezeit in Europa, die die Zeit von 130 bis 100 Millionen Jahren umfassen. Unter Leitung von Alexander Lukeneder von der Geologisch-Paläontologischen Abteilung des NHM untersucht ein Forscherteam seit drei Jahren die 150 Meter starken Schichten aus der Kreidezeit.

Fossil ist 128 Millionen Jahre alt
Im Sommer vergangenen Jahres haben die Forscher das gut erhaltene Fossil eines sogenannten heteromorphen Ammoniten gefunden. "Heteromorph", also andersgestaltet, deshalb, weil dieser Kopffüßer nicht die klassische aufgerollte Form besitzt, wie man sie auch von der heute noch lebenden Gattung "Nautilus" kennt, mit denen die vor 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Ammoniten verwandt sind. Das rund 13 Zentimeter große Fossil ist 128 Millionen Jahre alt, und hat sich als eine bisher nicht beschriebene neue Art - von den Wissenschaftlern "Dissimilites intermedius" genannt - entpuppt, wie Lukeneder in der Fachzeitschrift "Acta Palaeontologica Polonica" berichtet.

Zusätzlich untersuchten die Forscher das Fossil mit einem Computertomographen an der Fachhochschule Oberösterreich in Wels. Schicht für Schicht wurde der Fund mit den Röntgenstrahlen zerstörungsfrei durchleuchtet und offenbarte dabei viel mehr Informationen als mit freiem Auge sichtbar. "So fanden wir etwa Hinweise auf drei bis vier Millimeter große Stacheln am ganzen Körper des Ammoniten", erklärte Lukeneder im Gespräch.

Realistisches 3D-Modell erstellt
Mithilfe dieser Daten konnten die Paläontologen gemeinsam mit den Spezialisten des Unternehmens 7reasons ein realistisches 3D-Modell des Tieres kreieren und rekonstruierten zudem, wie die Ammoniten geschwommen sind. Ergebnis ist eine Animation von schwimmenden Ammoniten verschiedener Stadien, vom Jung- zum erwachsenen Tier. Aufgrund der Rekonstruktion zeigte sich auch der eigenartig anmutende Schwimmstil der Tiere, die seltsam gekrümmt, ihr eigenes Körperende betrachtend dahinschwimmen.

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