Mi, 24. Jänner 2018

"Darf nicht sterben"

04.05.2012 19:27

Julia Timoschenko droht nun Zwangsernährung

Der Gesundheitszustand der hungerstreikenden ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko verschlechtert sich zusehends. Ukrainische Behörden denken nun sogar schon über Zwangsernährung nach.

"Wir werden sie auf jeden Fall nicht sterben lassen." Das sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Gefängnisses in Charkow, in dem die Oppositionsführerin inhaftiert ist, der ukrainischen Zeitung "Segodnja" und begründete damit Überlegungen, Timoschenko zwangsernähren zu lassen.

Große Sorge um Timoschenko
Auf ihrer Internetseite zitierte die Zeitung am Freitag außerdem Timoschenkos Verteidiger Sergej Wlassenko. Er mache sich Sorgen, da die 51-Jährige mittlerweile stark geschwächt sei, hieß es.

Auch Jewgenija Timoschenko, die Tochter der Oppositionsführerin, äußerte sich am Donnerstagabend besorgt über den Gesundheitszustand ihrer Mutter. "Sie ist viel schwächer, als sie noch vor ein paar Tagen war. Sie muss liegen und kann sich zurzeit praktisch gar nicht bewegen", sagte die 32-Jährige, nachdem sie ihre Mutter nach eigenen Angaben am selben Tag im Gefängnis besucht hatte.

Deutscher Arzt wird Timoschenko behandeln
Indes wurde am Freitagabend bekannt, dass sich Julia Timoschenko nun doch von einem deutschen Arzt in der Ukraine behandeln lassen will. Bisher hatte die Politikerin immer auf eine Behandlung direkt in der Berliner Charité bestanden. Timoschenko habe ihre vorläufige Zustimmung erteilt, am Dienstag in ein Krankenhaus in Charkiw verlegt zu werden, erklärte Charité-Chef Karl Max Einhäupl, der die 51-jährige Ex-Regierungschefin zuvor zusammen mit Orthopädie-Chef Norbert Haas besucht hatte. Behandelt werden soll Timoschenko seinen Angaben zufolge von einem Arzt der Charité, der dabei von ukrainischen Medizinern unterstützt wird.

Die Politikerin befindet sich aus Protest gegen ihre Behandlung seit dem 20. April 2012 im Hungerstreik. Die Ex-Regierungschefin war wegen eines angeblich schlechten Gasvertrags mit Russland wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Haft führte zu EM-Boykott
Die Inhaftierung Timoschenkos hat in Europa zu einem Konflikt im Umgang mit der Fußball-Europameisterschaft, die in Polen und der Ukraine ausgetragen wird, geführt. Die Mitglieder der EU-Kommission haben am Donnerstag angekündigt, den Spielen in der Ukraine fernzubleiben (siehe Infobox). Auch viele andere Politiker, darunter die österreichische Regierung, werden die Ukraine nicht besuchen.

Amnesty International hält nichts vom Fernbleiben
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hält einen Boykott hingegen für den falschen Weg. Stattdessen sollten Politiker und Sportfunktionäre, die in die Ukraine reisten, die Gelegenheit nutzen, um auf die schweren Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen und von der ukrainischen Regierung einen besseren Menschenrechtsschutz fordern, sagte der Generalsekretär von Amnesty Deutschland dem "Handelsblatt Online".

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