Mi, 13. Dezember 2017

6.400 km Reichweite

19.04.2012 06:49

Indien testet erstmals atomare Langstreckenrakete

Die südasiatische Atommacht Indien hat am Donnerstag erstmals eine atomwaffenfähige Interkontinentalrakete aus eigener Produktion getestet (Bild). Die 17 Meter lange und 50 Tonnen schwere Rakete vom Typ Agni V mit einer Reichweite von mindestens 6.400 Kilometern sei um 8.05 Uhr Ortszeit (4.35 MESZ) von dem Testgelände Wheeler's Island vor der Küste des östlichen Bundesstaates Orissa abgefeuert worden, verlautbarte das Militär. Damit könnte sie ganz China sowie theoretisch auch Ziele in Europa und im Nahen Osten erreichen.

Die Rakete sei über 600 Kilometer hoch gestiegen und hätte einwandfrei funktioniert, erklärte Vijay Saraswat, der Chef der indischen Organisation für Waffenentwicklung, nach dem Test. "Wir haben genau das erreicht, was wir wollten."

Massiv in Rüstung investiert
Der offenbar erfolgreiche Test ist ein bedeutender Fortschritt für die Atommacht Indien, die derzeit massiv in Rüstung und die Modernisierung ihrer Streitkräfte investiert, insbesondere angesichts der technologisch fortgeschrittenen Raketensysteme Chinas. Bisher verfügen nach gesicherten Erkenntnissen nur die fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats - also China, Großbritannien, Frankreich, Russland und die USA - über ausgewiesene ballistische Interkontinentalraketen.

Vergangene Woche hatte ein gescheiterter Raketentest Nordkoreas für internationale Aufregung gesorgt. Anders als das kommunistische Land in Ostasien gilt Indien als größte Demokratie der Welt als berechenbarer und verantwortungsvoller Staat.

Indien verfolgt keine Erstschlag-Doktrin und betonte stets, die Atomwaffen dienten nur der Abschreckung und Verteidigung. Das Raketenprogramm wird vor allem mit der möglichen Bedrohung durch China begründet. Bisher war die Reichweite der leistungsstärksten indischen Raketen (Agni III und Agni IV) auf 3.500 Kilometer beschränkt. Damit war bereits das gesamte benachbarte Pakistan abgedeckt, das ebenfalls über Atomwaffen verfügt. Die Erzfeinde Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit 1947 drei Kriege gegeneinander geführt.

Entwicklung kostete rund 370 Millionen Euro
Die Agni V muss nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Neu Delhi mindestens viermal erfolgreich getestet werden, bevor sie voraussichtlich 2014 oder 2015 in die Streitkräfte eingeführt werden soll. Die Rakete ist nach offiziellen Angaben 17 Meter lang und 50 Tonnen schwer. Sie kann einen Nuklearsprengkopf mit einem Gewicht von mehr als einer Tonne tragen. Ihre Entwicklung kostete umgerechnet rund 370 Millionen Euro.

Indien und China führten 1962 einen erbitterten Grenzkrieg. Zwar haben sich die Beziehungen mit wachsender wirtschaftlicher Zusammenarbeit verbessert, es kommt aber immer wieder zu Spannungen. Beide Länder haben ihre Budgets für Militärausgaben zuletzt erhöht: China um fast elf Prozent auf 106 Milliarden Dollar, Indien um 17 Prozent auf mehr als 40 Milliarden Dollar (30,5 Mrd. Euro). China ist Indien militärisch weit überlegen.

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