Di, 21. November 2017

Tote Slowakin

07.10.2010 11:32

Vergiftung nicht ausgeschlossen - neue Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft Wels hat im Fall einer Slowakin, deren Leiche Anfang 2008 im Fluss Ager bei Vöcklabruck gefunden worden war, weitere Ermittlungen in Auftrag gegeben. Ein neues Gutachten zum Tod der 29-Jährigen habe eine Vergiftung nicht ausgeschlossen, hieß es am Donnerstag. Über die Todesursache der Frau herrscht seit langem Rätselraten, die oberösterreichischen Behörden waren zunächst von Selbstmord ausgegangen.

Der Wiener Pharmakologe Michael Freissmuth - er lieferte der Justiz auch Expertisen im Fall des mit Strychnin vergifteten Bürgermeisters von Spitz (Bezirk Krems), Hannes Hirtzberger (ÖVP), - zeichnet für das Gutachten verantwortlich. Er hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft die in der Leiche festgestellten Konzentrationen eines blutzuckersenkenden Medikamentes (Wirkstoff: Glibornurid) und eines Mittels gegen Gicht (Wirkstoff: Sulfinpyrazon) analysiert.

Selbstmord nicht plausibel
Die beiden Arzneien könnten unmöglich ärztlich verordnet gewesen sein, so Freissmuth. Die gemeinsame Einnahme der Stoffe sei therapeutisch verboten, da das Gichtmittel die Unterzuckerung noch weiter verstärken würde. "Die Einnahme der Medikamente aus suizidaler Absicht ist auch nicht plausibel", erklärte der Pharmakologe. Die 29-Jährige hätte nicht leicht an die Wirkstoffe herankommen können. Beide Arzneimittel seien seit 2006 bzw. 2007 in Österreich nicht mehr auf dem Markt.

Laut Zeugenaussagen war die Slowakin Tage vor ihrem Verschwinden "psychisch auffällig" gewesen. Das könnte nicht durch eine geistige Erkrankung, sondern durch das blutzuckersenkende Mittel ausgelöst worden sein. "Die Unterzuckerung ist deshalb gefährlich, weil sie zu einer Bewusstseinstrübung führen kann", heißt es in der Expertise. Vorstellbar wäre demnach beispielsweise ein Szenario, wonach der Frau zunächst die Kombination von Glibornurid und Sulfinpyrazon in einer geringen Menge verabreicht worden sei, um sie durch die einsetzende Unterzuckerung so weit zu beeinträchtigen, dass sie relativ leicht in den Fluss gestoßen werden konnte.

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