So, 27. Mai 2018

Poller am Heldenplatz

04.05.2018 21:44

Politiker planen für sich hässliche Festung

Das Wiener Rathaus ist schon sicher, jetzt wollen auch die Parlamentarier in den Containern am Heldenplatz beschützt werden: Geplant sind entweder 178 Steinbrocken und/oder bis zu 142 Poller, um Terroristen in Lkw zu stoppen. Die Stadt hätte so die wohl hässlichste Festung der Welt. Noch ist allerdings laut Parlamentsdirektion nichts fixiert, es seien lediglich Pläne als Diskussionsgrundlage präsentiert worden.

In Wien sprießen die Poller aus der Erde wie die Pilze, wie extrem teure Pilze. Ob Rathausplatz, Kärntner Straße oder Ballhausplatz - es sind rund 142 Poller in der ganzen Stadt, die verhindern sollen, dass Terroristen mit Lastwagen in Menschenmengen rasen. Und die Zahl der Metall-Pfähle könnte sich bald massiv erhöhen, wenn nicht sogar verdoppeln. Denn die Parlamentarier in den provisorischen Containern am Heldenplatz fühlen sich unsicher.

Poller um 1,8 Millionen Euro?
Für Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) wurden mehrere Alternativen erstellt, wie die Politiker hinter ihren dünnen Wänden weiterhin unbesorgt Österreich-Pläne schmieden können. Die Planungen gehen nicht auf eine Initiative Sobotkas zurück, sondern wurden bereits vor einem Jahr im Konsens aller Parteien auf den Weg gebracht. Wirklich schön und günstig ist keine der nun vorliegenden Varianten.

Da wäre zum Beispiel Plan E07: Demnach würden 139 (!) fixe Poller als eine Art Stahl-Allee rund um die Container und Umgebung aufgestellt, drei weitere Poller wären versenkbar, um die Zufahrt zu ermöglichen. Zum Vergleich: Die 42 Poller plus Baumaßnahmen am Ballhausplatz verschlangen 615.000 Euro. Nach dieser Rechnung würden die Parlamentsmaßnahmen rund 1,8 Millionen Euro kosten.

Dann gibt es noch die Alternative Natursteine, Plan E09. Da wären es 178 Granitbrocken, die rund um die Container zu einem Steinwall aneinandergereiht werden. Eine hässliche Barrikade, die - wie die Poller auch - nach der Übersiedelung der Politiker ins Parlament keine Funktion mehr hat.

„So schnell wie möglich mit Umsetzung beginnen“
„Eine Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen“, erklärt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Parlaments. "So schnell wie möglich“ soll mit der Umsetzung begonnen werden. Die klassisch österreichische Lösung: ein Poller-Steinbrocken-Mischwald.

Michael Pommer und Philipp Wagner, Kronen Zeitung/krone.at

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