Di, 21. November 2017

Fall Kampusch

31.07.2009 14:34

Adamovich drängt auf weitere Ermittlungen

Die Evaluierungskommission im Entführungsfall Natascha Kampusch drängt auf eine Weiterführung der Erhebungen. "Wir haben einen Brief an die Frau Bundesministerin für Inneres geschrieben, da steht drinnen, dass man den Eindruck gewonnen habe, dass die Ermittlungen fortgesetzt werden sollten, auch aufgrund von noch ausstehenden Befragungen", so Leiter Ludwig Adamovich am Freitag nach einer Kommissions-Sitzung.

Die Einsichtnahme des Bundeskriminalamts (BK) in das bisher von der Wiener Staatsanwaltschaft unter Verschluss gehaltene Einvernahmeprotokoll am Dienstag habe "vor allem neue Fragen" aufgeworfen und die "Einsicht, dass noch mehr offen ist", so Adamovich. "Das ist sicher nicht erledigt", meinte der Ex-Verfassungsgerichtshofpräsident über den Entführungsfall. Auf die Frage, ob es dabei auch um einen wiederholt kolportierten angeblichen Mittäter von Kampuschs Entführer Wolfgang Priklopil oder Kinderpornografie geht, meinte der Kommissionsleiter: "Es geht um alles, da gibt es etliches."

Adamovich: Drei offene Fragenkreise
Grundsätzlich sieht Adamovich drei offene Fragenkreise: Die Modalität der Entführung und technische Fragen im Zusammenhang mit dem Verlies seien noch nicht vollständig geklärt, betonte er. Kampusch sei während ihrer Gefangenschaft außerdem gelegentlich draußen gewesen, daher müsste hinterfragt werden, zu welchen Personen sie Kontakt gehabt hatte.

Neuer Zwischenbericht im August
Zu den noch ausstehenden Befragungen wollte Adamovich keine Details nennen. Ob und wie lange die Ermittlungen fortgeführt werden, entscheide das BK. "Wir sind keine Ermittler, wir geben nur Empfehlungen", so der Kommissionsleiter, der Innenministerin Maria Fekter in dem Brief vom Freitag einen weiteren Zwischenbericht im August angekündigt hat. "Da will man dann auch das ganze Bouquet an offenen Fragen zusammenfassen", so Adamovich.

Staatsanwaltschaft weist Vorwürfe zurück
Die Staatsanwaltschaft Wien wies Adamovichs Aussagen indes wenig später zurück Den Vorwurf etwa, es wären bis heute nicht alle in Frage kommenden Personen vernommen worden, ließ Behördensprecher Gerhard Jarosch nicht gelten: "Wir haben am 8. November 2008 der SoKo den Auftrag erteilt, mehrere Personen aus dem Umfeld Priklopils zu vernehmen. Bisher ist man dem nur bei einer Person nachgekommen. Es gibt also einen stehenden Auftrag, der seit neun Monaten nicht erledigt ist", stellte Jarosch fest.

Das Bundeskriminalamt (BK) soll dem Vernehmen nach verlangt haben, vor den Befragungen Einblick in das bisher von der Staatsanwaltschaft unter Verschluss gehaltene Einvernahmeprotokoll mit Natascha Kampusch gewährt zu bekommen. Dies wurde vor wenigen Tagen zwei Beamten zugestanden. "Bei dieser Gelegenheit haben wir die Umsetzung unseres Auftrags neuerlich urgiert", sagte Jarosch.

Der Behauptung Adamovichs, die genaue Abwicklung der Entführung Kampuschs wäre nach wie vor nicht geklärt, hielt Jarosch entgegen, es wären mit Natascha Kampusch und jener jungen Frau, die gesehen haben will, wie zwei Männer das Entführungsopfer in einen Lieferwagen zerrten, umfangreiche Erhebungen durchgeführt worden. Ebenso wenig ließ der Behördensprecher Adamovichs Feststellungen gelten, die technische Funktionsweise des Verlieses, in dem Kampusch gefangen gehalten wurde, wäre nicht restlos aufgeklärt und es sei weiters offen, ob Kampusch während ihrer Gefangenschaft Kontakt zu weiteren Personen hatte.

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