Fr, 20. Oktober 2017

Hosen runter!

27.06.2009 15:58

Slip-Museum öffnet in Brüssel seine Pforten

Der belgische Aktionskünstler Jan Bucquoy (Bild) hat in Brüssel ein Slip-Museum eröffnet. Wenn es nach dem bekennenden Anarchisten geht, könnte gleich ganz Europa die Hosen herunterlassen. "Vor dem Slip sind alle gleich", sagt der 63-jährige Bucquoy, der seine Besucher im volkstümlichen Viertel der Marollen mit einem frisch gezapften Bier empfängt.

Für sein wertvollstes Ausstellungsstück hat der Künstler und Filmemacher die Vitrine seines kleinen Museums freigeräumt: die Unterhose des belgischen Finanzministers Didier Reynders. Verwaschene blaue Boxershorts mit weißen Streifen. Sieht so die Unterwäsche eines Liberalen aus, dem Ambitionen auf den Posten des Regierungschefs nachgesagt werden? "Das Zertifikat beweist: Der Slip ist echt", sagt der selbsternannte Museumsdirektor Bucquoy. Mit geschwungener Unterschrift bestätigt Reynders auf einem Zettel, seine Unterhose dem Slip-Museum gespendet zu haben.

Finanzminister-Boxershorts neben Pornostar-String
Ob Unterhose und Unterschrift wirklich echt sind, ist im Land des Surrealismus nicht so wichtig. Die Besucher, die sich in den Räumen drängen, sind jedenfalls begeistert. Für Lacher sorgt auch, dass neben den Boxershorts des Finanzministers ein G-String des früheren französischen Pornostars Brigitte Lahaie auf einer weiblichen Büste drapiert ist.

Neben rund einem Dutzend Promi-Unterhosen stellt Bucquoy auch eigene Werke der vergangenen 25 Jahre aus, auf welche die Bezeichnung "Slip-Art" am besten passt. Der frühere US-Präsident John F. Kennedy oder die "Eiserne Lady" Margaret Thatcher tragen umgedrehte Unterhosen auf dem Kopf, die wie bunte Hüte wirken. Besonders stolz ist Bucquoy auf ein Porträt des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, der mit einer blau-weiß-roten Badehose auf dem Haupt wie Napoleon aussieht. Fast schon schlüpfrig wirkt dagegen ein Bild des "Führers und Malers Adolf Hitler", der eine hautfarbene Damenunterhose im Stil der 30er trägt.

Museumsdirektor als "Enfant terrible" der Kunstszene
Bucquoy gilt in Belgien als "Enfant terrible" der Kunstszene. Bekannt wurde er mit seiner Filmtrilogie "Das sexuelle Leben der Belgier", welche die Verklemmtheit der Gesellschaft aufs Korn nimmt. Jedes Jahr inszeniert er einen "Putsch" gegen den belgischen König Albert II. - immer am 21. Mai. "Da regnet es statistisch am seltensten", sagt der joviale Mann mit dem weißen Bart.

Das Slip-Museum würde Bucquoy am liebsten "international" aufstellen. Der Surrealist träumt davon, einen Slip der französischen Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy zu ergattern. Nacktfotos des ehemaligen Models gibt es ja bereits. Die Hoffnung auf Anerkennung in Deutschland hat Bucquoy dagegen mittlerweile aufgegeben: Bereits vor zwanzig Jahren forderte der Künstler den Bundestag auf, ihm für eine Ausstellung Slips der Abgeordneten zu senden. "Die haben das völlig missverstanden und haben mir ihre Hosen geschickt."

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