Geschätzte Leserinnen und Leser!

Weniger als zwei Wochen trennen uns vom Beginn der Salzburger Festspiele und damit von jener besonderen Zeit des Jahres, in der Salzburg einmal mehr zur Bühne für Kunst, Kultur und Begegnung wird. Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt sowie ein Programm von außergewöhnlicher Vielfalt machen Stadt und Land zum Mittelpunkt des kulturellen Geschehens.
Die Salzburger Festspiele verbinden Tradition und Innovation wie kaum ein anderes Festival. Mit Oper, Schauspiel und Konzert bieten sie ein außergewöhnlich breites Angebot für unterschiedlichste Interessen und Generationen. Sie laden dazu ein, Neues zu entdecken, Denkanstöße mitzunehmen und die verbindende Kraft der Kunst zu erleben. Gleichzeitig sind sie ein wichtiger Botschafter für Salzburg und tragen die kulturelle Strahlkraft unseres Landes weit über die Grenzen hinaus.
Dieses Festspieljournal ist die ideale Einstimmung auf den Festspielsommer 2026. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen, beim Entdecken des Programms und vor allem viele inspirierende Begegnungen und unvergessliche Momente während dieser einzigartigen Zeit in Salzburg.
Die Vielheit der Kunst

Der Bruch mit der Konvention, das Öffnen von Möglichkeitsräumen, der Wechsel von Perspektiven und die Unterwanderung gängiger Lebensentwürfe sind der Kunst eingeschrieben. Im Festspielsommer 2026 treffen wir auf vieldeutige Werke, die den Kanon und Normen infrage stellen, die die Abgründe der Gesellschaft ausloten wie in Elfriede Jelinks jüngstem Stück oder das gesellschaftliche Experiment wagen. Wir treffen auf rastlos Suchende etwa im Werk von Peter Handke. Auf unglücklich Liebende bei Ingeborg Bachmann.
In allen Spielarten tritt uns das wohl stärkste Gefühl des Menschen entgegen: die Liebe. Sie atmet Unbeschwertheit und verzehrt sich im Begehren, sie wütet als zerstörerische Kraft und wandelt sich in Hingabe und Mitgefühl. Von Mozarts Così fan tutte über Bizets Carmen und Strauss' Ariadne bis zu Olivier Messiaens Opus magnum entfaltet sich ein vielstimmiges Panorama der Leidenschaften - bis hin zur unermesslichen Liebe des heiligen Franziskus, die nichts will, sondern gibt und die Schöpfung feiert.
Feiern Sie mit uns die Vielheit der Kunst!
Die Kraft der Festspielfrauen

„Ein Augenblick ist wenig - ein Blick ist viel.“ So singt die kokette Zerbinetta in „Ariadne auf Naxos“ von Festspielgründer Richard Strauss. Genauer hinzuschauen, zahlt sich aus. Daher bietet die Festspiel-Krone spannende Einblicke in kommende Kulturereignisse.
Nicht nur Zerbinetta ist dabei eine Frau mit lebensschlauer Weitsicht. Auch andere zeigen groß auf. Asmik Grigorian als Carmen, Cecilia Bartoli als Rossini-Perle. Jedermanns Frauen. Ihnen hat der nächste Gründervater, Hugo von Hofmannsthal, die Worte in den Mund gelegt. In der dritten Saison stehen sie in der Inszenierung von Robert Carsen auf dem Domplatz, der damit in die Fußstapfen des dritten Festival-Initiators, Max Reinhardt, getreten ist.
Der 270 Jahre gewordene „Übervater“ bleibt Wolfgang Amadé Mozart. Nur er hat seine Sängerinnen so geliebt, wie man es heuer bei Fiordiligi, Dorabella oder Aspasia anhören kann. Die Gegenwart spiegelt sich dann in Uraufführungen der Nobelpreisträger Elfriede Jelinek und Peter Handke, während Olivier Messiaens Heiliger Franziskus die Liebe groß feiert.
Feiern wir mit!