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05.07.2026

Festspiele in Salzburg

Die Jederfrauen

Drei außergewöhnliche Frauen prägen das Leben des „Jedermann“ und werden heuer mit Roxane Duran, Daniela Ziegler und Sylvie Rohrer hochkarätig neu besetzt.

Roxane Duran wurde in Paris geboren und von Michael Haneke für den Film „Das weiße Band“ entdeckt: Der Beginn einer internationalen Karriere in den Bereichen Theater, Kino & Fernsehen. Sie spielt die Buhlschaft. Fotos: SF/Julia Stix

Kaum ein Theaterstück besitzt für Schauspielerinnen und Schauspieler mehr Strahlkraft als der alljährlich wiederkehrende „Jedermann“ auf dem Salzburger Domplatz. Einen zentralen Charakter im „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ darzustellen, gilt nach wie vor als künstlerisches Adelsprädikat. Entsprechend groß war das öffentliche Interesse, als Regisseur Robert Carsen heuer Roxane Duran, Daniela Ziegler und Sylvie Rohrer neu im Ensemble willkommen hieß. „Diese drei Frauen prägen das Leben der von Philipp Hochmair verkörperten Figur des Jedermann vor, während und nach seiner unvorstellbaren Erkenntnis, dass der Moment seines Todes gekommen ist. Der ,Jedermann' besitzt für die Salzburger Festspiele Symbolkraft, und Jahr für Jahr ist das Stück für uns alle - sowohl die Mitwirkenden als auch das Publikum - ein weiterer Versuch, unserer eigenen Vergänglichkeit ins Auge zu sehen. Das ist leichter gesagt als getan, aber für mich persönlich ist es eine große Freude, mich der Herausforderung 2026 gemeinsam mit diesen drei wunderbaren Schauspielerinnen stellen zu können. So unterschiedlich sie sind, so sehr verbindet sie doch ihre ganz persönliche, experimentierfreudige und leidenschaftliche Herangehensweise an die künstlerische Arbeit“, erläutert Robert Carsen.

Zwei Debüts - ein Wiedersehen

Während Sylvie Rohrer hier schon 2004 in Henry Purcells „King Arthur“ und 2010 in Jean Racines „Phädra“ zu erleben war, treten Roxane Duran und Daniela Ziegler zum ersten Mal bei den Salzburger Festspielen auf. Für die in Paris aufgewachsene französisch-österreichische Schauspielerin Roxane Duran ist die Rolle der Buhlschaft überhaupt ihre erste Theaterrolle im deutschsprachigen Raum. „Die Buhlschaft repräsentiert Jedermanns große Liebe. Die Frau, die seine Welt ins Gleichgewicht bringt. Die Geliebte, die ihn verwirrt und gleichzeitig von ihm idealisiert wird. Es scheint, als ob die Buhlschaft für Jedermann ein Spiegelbild seines Erfolges ist. Ihre Präsenz bestätigt seine Anerkennung, seinen Ruhm. Sobald sie sein Leben verlässt, ist das der Beginn von Jedermanns Abgrund. Für mich stellt die Buhlschaft eine starke, sinnliche, mysteriöse Frau dar, und ich finde es spannend, ihre Facetten zu entdecken“, erklärt Roxane Duran im Interview.

Daniela Ziegler, seit Jahrzehnten in den Genres Theater, Film, Fernsehen und Musical gleichermaßen erfolgreich, wird Jedermanns Mutter spielen. Ihre Rolle charakterisiert sie so: „Ich glaube, dass sie eine liebende Frau ist, die ihrem Sohn nur das Beste, so wie sie es weiß als sehr gläubige Frau, mitgeben möchte. Sie ahnt ja intuitiv, dass das so nicht weitergehen kann mit seinem haltlosen Leben. Es betrübt sie zutiefst, dass sie ihn nicht erreichen kann, sie versucht ihm aber Liebe zu geben und nicht den moralischen Zeigefinger zu erheben.“

Sie blicke dem Sommer mit positiver Anspannung entgegen. „Ich war bis jetzt weder in Salzburg noch bei den Salzburger Festspielen. Für mich ist das alles aufregend und neu“, so die Schauspielerin. „Ich spüre eine Vorfreude, dass ich neben vielen wunderbaren großen Schauspielerinnen in einer Reihe stehen darf, um Jedermanns Mutter zu sein.“ Und in der Tat, diese Rolle wurde in den vergangenen Jahrzenten u.a. von Alma Seidler, Susi Nicoletti, Marianne Hoppe, Christine Ostermayer, Bibiana Zeller, Edith Clever, Nicole Heesters und zuletzt Andrea Jonasson gespielt.

Eine Doppelrolle wird Sylvie Rohrer in der heurigen „Jedermann“-Inszenierung übernehmen. Die gebürtige Schweizerin, seit 1999 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, 2007 mit einem Nestroy als „Beste Schauspielerin“ ausgezeichnet und durch Gastengagements - u.a. ans Berliner Schauspielhaus und das Züricher Schauspielhaus - einem großen Publikum im deutschsprachigen Raum bekannt, blickt ihrer künstlerischen Mitwirkung ebenfalls mit Wohlwollen entgegen. „Vom armen Nachbar zu den Werken, das umspannt auch Jedermanns veränderte Wahrnehmung des Lebens im Angesicht des Todes. Ich freue mich auf Robert Carsen, das ganze Ensemble und den fulminanten Domplatz.“

von Klaus Peter Vollmann